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Einstmals waren Glücksspiele in China streng verboten. Inzwischen haben sich Wettspiele zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Besonders beliebt sind Fußballwetten auf europäische Vereine. Zum Ärger echter Fans gibt es regelmäßig Skandale, bei denen illegale Banden ihre Hand im Spiel haben.
Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking
In der Pekinger Innenstadt verkauft eine Lottoverkäuferin Wettscheine. Um ihre Zukunft braucht sie sich keine Sorgen machen, denn ihr kleiner Laden läuft wie geschmiert: "Jeden Tag kommen hier 100 bis 300 Leute rein, manchmal sogar bis zu 1000. Das sind Leute aus allen Schichten: Angestellte, Manager, Rentner. Nur Kinder dürfen nicht rein."
Frau Wang lebt von der Spiel- und Wettleidenschaft, einem der beliebtesten Hobbys der Chinesen. Dieser Leidenschaft zu frönen, war lange Zeit nicht möglich. Die kommunistische Regierung hatte 1949 jede Art von Glücksspiel verboten. Erst Anfang der 80-er Jahre durften im Zuge der Reform- und Öffnungspolitik wieder Wetten abgeschlossen werden. 1987 eröffnete die erste staatliche Lotterie in der Hauptstadt. Heute gibt es Läden, die Lottoscheine verkaufen, wie Sand am Meer.
Alle legalen Glücksspiele sind Wohlfahrtswetten. Der Staat hat das Monopol darauf. Mit den Einnahmen soll das chinesische Sport- und Wohlfahrtssystem saniert werden. Erlaubt sind entweder klassische Zahlenlotterien oder Sportwetten. Zwei Yuan, umgerechnet etwa 20 Cent, kostet ein Mindesteinsatz. Es locken Gewinne bis maximal etwa 500.000 Euro.
Fußballwetten stehen in der Gunst der Zocker ganz oben und da China nicht gerade ein Land ist, in dem es viele Topvereine gibt, wird am liebsten auf ausländische Teams gesetzt, sagt Spieler Li: "Ich kaufe meistens Scheine, die auf ausländische Vereine setzen, italienische oder deutsche, also auf Vereine aus Europa. Auf den meisten Wettlisten, die man hier in China kaufen kann, stehen ohnehin ausländische Vereine."
Bei den Wetten, so hat Li gehört, reiche der chinesische Einfluss ganz schön weit: "Ich habe gehört, dass einige kleine Vereinen wie in Finnland oder Norwegen völlig in der Hand chinesischer Organisationen sind. Sie kontrollieren alles." Da gehe nicht alles legal zu, glaubt Li.
Immer mehr Chinesen sind die Ausschüttungen der staatlichen Lotterien nicht genug. Illegale Wetten boomen. Da wird einerseits im kleinen Rahmen auf der Straße gezockt. Männer und Frauen sitzen zusammen und lassen ihre Mahjiang-Steine klackern. Dabei geht es meist um minimale Einsätze. Die Polizei drückt ein Auge zu.
Andererseits aber organisieren sich in China immer mehr Banden. Immer wieder werden illegale Spiel- und Wetthöhlen ausgehoben und Skandale fliegen auf. Geschmiert wird vor allem bei Pferdewetten und beim Fußball. Das gehört in China zum Alltag, zum Ärger echter Fans wie Li: "Ich denke, überall auf der Welt wird gerne gewettet und gespielt. Es gibt einige, die echt spielsüchtig sind und die viel Geld einsetzen, in der Hoffnung noch mehr zurückzubekommen. Aber man kann das Resultat nie wissen, da kann es ja auch vorher Deals gegeben haben. Für echte Fans ist das sehr traurig. Durch diese Korruption werden Spielergebnisse gefälscht."
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