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28.05.2012

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Ausland
Feuer und Wasser bedrohen US-Atomanlagen
Zwei US-AKW von Hochwasser bedroht

Fukushima in Zeitlupe?

Die Buschbrände vor Amerikas Atom(bomben)stadt Los Alamos wüten den dritten Tag mit Wucht. Deshalb bleibt das dortige Nationale Forschungszentrum mit seinen Nuklear-, Bio- und Chemielabors weiter geschlossen. Derweil sind zwei Atomkraftwerke in Nebraska von Hochwasser bedroht - eines ist bereits vollständig eingeschlossen. Kein Grund zur Panik, aber zur Besorgnis. Denn überall lagern große Mengen Atommüll.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Michio Kaku schüttelt den Kopf: "Beispiellos" sei die derzeitige Situation, ein "Dreifachpech". Der Physikprofessor von der New York University hat Recht. Denn da sind zum einen zwei am Missouri-Fluss liegende Atomkraftwerke in Nebraska. Der Fluss führt Hochwasser und hat die Schutzdämme um das AKW in Calhoun bereits eingerissen: Es ist vollständig von der Flutwelle umschlossen.

Das vom Missouri-Hochwasser bedrohte AKW Fort Calhoun (Foto: Reuters) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das vom Missouri-Hochwasser bedrohte AKW Fort Calhoun in Nebraska. ]
Doch Kraftwerksdirektor Gary Gates sagte gegenüber mehreren US-Medien, dass sich bislang kein Flutwasser in den Anlagen selbst befinde. Die Lage sei nicht mit jener der Unglücksreaktoren im japanischen Fukushima gleichzusetzen, schließlich habe man sich auf das Missouri-Hochwasser vorbereiten können. Das stimmt, so Kaku auf CNN. Doch Calhoun sei eine Kopie des von General Electric entworfenen Siedewasserreaktors, wie er in Fukushima stand: "Es gibt schaurige Parallelen zwischen den beiden."

 "Noch zwei Meter höher - und wir haben ein ernsthaftes Problem"

Dieser Vorfall sei "wie Fukushima in Zeitlupe": Dort kippte die Situation in den ersten Minuten nach dem Eintreffen des Tsunamis. In Nebraska dauere es einige Tage bis zu diesem entscheidenden Punkt, und der wäre bei einer bestimmten Wasserhöhe erreicht. Soweit sei es noch nicht, so Professor Kaku, "doch noch zwei Meter höher - und wir haben ebenfalls ein ernsthaftes Problem." Denn zwar sei das Kernkraftwerk Calhoun vorübergehend stillgelegt. Doch auf seinem Gelände lagern große Müllmengen, und zwar laut Kaku "bis zu 360 Tonnen hochradioaktives Material."

Atommüll ist auch weiter unten im Süden, in Los Alamos (New Mexico), ein großes Problem. Dort weht der Wind derzeit mit 95 km/h; entsprechend heftig fressen sich die am Sonntag ausgebrochenen Buschfeuer voran. Die Feuerwehr musste bereits einen Brandherd auf dem Gelände des Nationalen Forschungszentrums eindämmen. Die Bio-, Chemie- und Nuklearlabore bleiben schon den dritten Tag hintereinander für ihre rund 11.000 Mitarbeiter geschlossen. Im Gegensatz zu den AKW-Betreibern in Nebraska verbergen die zuständigen Stellen hier ihre Besorgnis vor der feurigen Naturgewalt nicht. Auch wenn sie beteuern, alle gefährlichen Bio- und Chemiestoffe und radioaktiven Materialen angemessen gesichert zu haben.

Die gute Nachricht sei: "Wir lagern dort keine Atombomben mehr und haben den Protonenbeschleuniger sowie Experimentierreaktoren gesichert. Doch Gefahr kommt von ungesicherten Stellen, darunter 30.000 Kanister mit schwach radioaktivem Plutoniumabfall, unter anderem von medizinischen Geräten und Handschuhen", meint Physikprofessor Kaku.

Plutonium könnte freigesetzt werden

Sollte das Feuer näher kommen, könne die Hitze dazu führen, "dass die Verschlüsse der Kanister aufplatzen und plutonium-kontaminiertes Material in die Luft gelangt, vielleicht sogar Plutonium selbst. Und Plutonium ist die giftigste Chemikalie, die die Wissenschaft kennt. Wenige Mikrogramm, kaum sichtbar, können Lungenkrebs verursachen". Soweit soll es natürlich nicht kommen: Die Feuerwehrleute kämpfen weiter gegen die Buschbrände vor Los Alamos.

Stand: 29.06.2011 13:08 Uhr
 

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