Mord in London: Einzeltäter - oder nicht?

Polizisten sichern den Tatort im Londoner Stadtteil Woolwich. (Bildquelle: Reuters)

Nach Mord in London

Einzeltäter - oder nicht?

Die mutmaßlichen Täter des Soldatenmords in London sind Briten nigerianischer Abstammung. Sie waren der Polizei bekannt. Die Festnahme weiterer Verdächtiger nährte Zweifel an der Einzeltäter-Theorie. Premier Cameron rief die Menschen auf, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. Zugleich nahm er die Muslime im Land in Schutz.

Von Torsten Huhn, ARD-Hörfunkstudio London

Die beiden Männer, die gestern im Londoner Stadtteil Woolwich einen Soldaten getötet haben, waren den britischen Sicherheitsbehörden seit Langem bekannt. Das teilte Premierminister Cameron heute nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates mit. "Aber Sie werden nicht erwarten, dass ich das kommentiere, solange die Ermittlungen andauern", fügte er hinzu.

Abgesperrte Straße in Woolwich im Südosten Londons. (Bildquelle: AP)
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Abgesperrte Straße in Woolwich im Südosten Londons.

Cameron gab also keine weiteren Informationen über den Fortgang der polizeilichen Ermittlungen. Er verurteilte den Mord an dem Soldaten in Woolwich noch einmal in großer Deutlichkeit. "Das war nicht nur ein Angriff auf Großbritannien und auf die britische Lebensweise. Es war auch ein Verrat am Islam und an den islamischen Gemeinden, die so viel für unser Land tun. Es gibt nichts im Islam, das diese wirklich schreckliche Tat rechtfertigt." Großbritannien werde gewalttätigem Extremismus und Terror weiterhin die Stirn bieten, betonte Cameron.  

Attentäter von Woolwich waren der Polizei bekannt
T. Huhn, ARD London
23.05.2013 19:37 Uhr

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Die Polizei durchsuchte im Zusammenhang mit den Ermittlungen zwei Wohnungen, eine davon im Stadtteil Greenwich. Dort lebte einer der beiden Attentäter. Bei den beiden Männern, die den Soldaten mit Messerstichen umbrachten, handelt es sich um Briten nigerianischer Abstammung. Sie sind beide vom Christentum zum Islam konvertiert. Sie sollen aber keine Kontakte zu extremistischen Gruppen in Afrika gehabt haben. 

Britische Experten gehen jedoch davon aus, dass sie nicht völlig allein gehandelt haben. "Sehr selten sind das Einzelgänger", sagte Robert Fox vom "Evening Standard". "Es gibt immer jemanden oder etwas dahinter. Die Sprache, die sie auf dem Video verwenden, entspricht bekannten Al-Kaida-Formulierungen."

Muslimische Gemeinde übt Selbstkritik

Vor allem in der muslimischen Gemeinde wird diskutiert, wie man junge Männer davon abbringen kann, extremistischen Parolen zu folgen. Maajid Nawaz von der Quilliam Foundation meint, es sei absurd, dass ein in London geborener und aufgewachsener Moslem sich nicht als Brite fühle. "Wir haben es nicht geschafft, populäre Alternativen zu dieser Ideologie anzubieten, die jeden isoliert, auch den, der einen ganz deutlichen Londoner Akzent spricht und der seine eigenen Landsleute umbringt - wahrscheinlich für ein Land, das er nie besucht hat, egal ob es um Irak oder Afghanistan geht. Er fühlt sich mehr zu den Menschen in den fremden Ländern hingezogen als zu seiner eigentlichen Heimat."

Frank Jahn, ARD London, zu den Reaktionen auf das Attentat in London
ARD Morgenmagazin 08:00 Uhr, 24.05.2013

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Mehr Polizisten auf den Straßen

Die beiden mutmaßlichen Täter wurden gestern von der Polizei niedergeschossen, einer wurde dabei schwer verletzt. Beide liegen in Krankenhäusern und werden schwer bewacht. Ob sie schon vernommen wurden, ist nicht bekannt. Auch ist noch unklar, ob sie den getöteten Soldaten zuvor ausgewählt hatten oder ihn mehr oder weniger zufällig ermordeten.   

Scotland Yard kündigte inzwischen an, man werde die Polizeipräsenz auf den Straßen Londons erhöhen. 1200 Beamte sollen in den nächsten Tagen zusätzlich patrouillieren, um den Menschen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Ob es zusätzliche Sicherheitskräfte beim Champions-League-Finale am Samstag geben wird, sagte die Polizei nicht. Sorgen müssen sich die Fans aber nicht machen, die Terrorgefahr wird nicht als besonders groß angesehen.

Stand: 23.05.2013 20:24 Uhr

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