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10.02.2010

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Wirtschaft
Stephen Hester
Trotz Krise: Londons Finanzhaie lecken wieder Blut
Trotz Krise keine Änderung bei Banken

Londons Finanzhaie lecken wieder Blut

Anfang des Jahres entschuldigten sich die britischen Banken dafür, dass sie die Finanzkrise mit verursacht hatten, und versprachen Reformen. Doch einige Monate später scheint alles vergessen zu sein - und Manager werden wieder mit Millionen-Gehältern gelockt.

Von Ralf Borchard, BR-Hörfunkstudio London

Das Londoner Banken- und Versicherungsviertel. (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das Londoner Banken- und Versicherungsviertel. ]
Als die Chefs der britischen Banken Anfang Februar "Sorry" sagten, sich öffentlich entschuldigten für die von ihnen mit verursachte Finanzkrise, schienen die Zeichen auf Reform zu stehen. Gehälter und Bonus-Zahlungen sollten begrenzt, das gesamte Bankensystem strikter Kontrolle unterworfen werden. Doch wer in der Londoner City nachfragt, was seitdem konkret passiert ist, bekommt häufig die Antwort: nichts - oder jedenfalls wenig.

Als der Chef der Londoner Finanzaufsicht FSA jetzt vor einem Parlamentsausschuss gefragt wurde, ob die Banken zu alten Gewohnheiten zurückkehrten, sagte Adair Turner: "Ja, und ich fürchte, das betrifft nicht nur den einen speziellen Fall. Wir stellen bei den Investmentbanken insgesamt wieder einen äußerst aggressiven Wettbewerb um die besten Leute fest."

Bis zu 11,3 Millionen Euro im Jahr

Der eine spezielle Fall, auf den Turner anspielt, betrifft Stephen Hester. Das ist der neue Chef der Royal Bank of Scotland, einer Bank, die durch besonders riskante Geschäfte groß wurde und nun zu 70 Prozent dem Staat gehört. Hester soll umgerechnet bis zu 11,3 Millionen Euro im Jahr verdienen, 1,4 Millionen Grundgehalt, den Rest je nach Geschäftsergebnis in Bonuszahlungen und Aktien.

Der Finanzexperte der oppositionellen Liberaldemokraten Vince Cable ist empört: "Es geht hier um Unternehmen, für deren Risiko der Steuerzahler geradesteht. Die Royal Bank of Scotland gehört wie andere Banken mehrheitlich dem Staat, weitere Institute sind von staatlichen Finanzspritzen abhängig. Darum ist es so schädlich, wenn sich die City weigert, eine angemessene Regulierung zu akzeptieren."

Die City an der langen Leine

Für einen weiteren Aufschrei der Empörung sorgten britische Presse-Berichte, Goldman Sachs plane in diesem Jahr die höchsten Bonuszahlungen aller Zeiten. Die Investmentbank dementierte umgehend, unzweifelhaft ist, dass Goldman Sachs wieder dicke Gewinne macht.

Was Kritiker wie Vince Cable am meisten empört, ist der Unwille der britischen Regierung, ihre Versprechen strikter Bankenkontrolle umzusetzen: "Nicht nur die Finanzakteure in der City machen wieder 'business as usual', auch die Regierung ist wieder zurück beim alten Prinzip, die City an der langen Leine laufen zu lassen. Der Spesenskandal im britischen Parlament hat die Aufmerksamkeit von der Finanzkrise weggezogen, und das Parlament hat selbst an moralischer Autorität verloren. Das spielt denjenigen in die Hände, die sagen, man kann den Finanzsektor nicht grundlegend reformieren."

Bei zu strikten Regeln gehen die "Herren der Welt" 

Hinter der zögernden Haltung der britischen Labour-Regierung steht die Angst, bei zu strikter Kontrolle der Banken könne London seinen Status als Top-Finanzplatz verlieren. Der Kommentator des konservativen Wochenblatts "Spectator", Fraser Nelson, formuliert es so: "Zu strikte Regeln sind der schnellste Weg, die besten und teuersten Leute der Branche nach Singapur oder Tokio abwandern zu lassen. Wir brauchen die besten der Branche aber hier, um die angeschlagene City wieder aufzubauen. Die Finanzindustrie bezahlt einen Großteil der Unternehmenssteuern in diesem Land. Wenn wir die sogenannten "Herren der Welt" zu sehr unter Druck setzen, gibt es eben viele andere Teile der Welt, in die sie gehen können."

Stand: 02.07.2009 02:04 Uhr
 

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