Passanten auf der Westminster Bridge | Bildquelle: AP

Nach Anschlag in London Das Leben geht weiter - der Wahlkampf auch

Stand: 05.06.2017 13:58 Uhr

Der Tag des Innehaltens nach dem Anschlag in London ist vorüber: Labour-Chef Corbyn fordert den Rücktritt von Premierministerin May, da sie als frühere Innenministerin Stellenstreichungen bei den Sicherheitskräften zugelassen habe. Derweil gab es weitere Festnahmen.

Theresa May | Bildquelle: AP
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"Das Leben muss weitergehen", sagte May.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat nach dem erneuten Terroranschlag in London den für einen Tag unterbrochenen Wahlkampf wieder aufgenommen. "Das Leben unserer Demokratie muss weitergehen", sagte sie bei einer Wahlkampfrede in der britischen Hauptstadt. Und sie machte deutlich, dass sie sich für geeignet hält, die Briten durch diese schwierige Zeit zu führen. Es gehe darum, jemanden zu haben, der diese Aufgabe stemmen könne. Sie biete eine "starke und stabile Führung", und die sei heute "wichtiger denn je" - nicht nur mit Blick auf die Terrorbekämpfung, sondern auch bei den bevorstehenden Gesprächen zum geplanten EU-Austritt.

Zudem erklärte May, Großbritannien müsse im Kampf gegen islamistischen Extremismus viel mehr tun. Islamischer Extremismus sei eine "böse Ideologie", die den Islam und und die Wahrheit pervertiere. Ihre Regierung werde ihre Anti-Terror-Strategie überprüfen und dabei auch längere Haftstrafen in Betracht ziehen. Es müsse mehr getan werden, um "religiöse Intoleranz und Hass" zu bekämpfen.

Terror bestimmt den Wahlkampf

May erhofft sich bei der Unterhauswahl am Donnerstag eine klare Mehrheit für die komplizierten EU-Austrittsverhandlungen. Doch je näher die Wahl rückt, desto kleiner wird laut vielen Umfragen der Vorsprung ihrer konservativen Tories. Unter anderem könnten May Entscheidungen aus ihrer Zeit als Innenministerin zum Verhängnis werden. Unter ihrer Führung waren Tausende Stellen bei den Sicherheitskräften abgebaut worden. Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, verlangt nun deshalb ihren Rücktritt. "Wir können die Bevölkerung nicht billig beschützen", sagte er und forderte 10.000 neue Stellen. Die Regierungschefin hatte die Vorwürfe bereits mehrmals zurückgewiesen. Die Polizei sei gut für den Anti-Terror-Kampf gerüstet.

Weitere Festnahmen im Osten Londons

Die Polizei vermeldet derweil weitere Festnahmen. Bei Durchsuchungen im Osten der britischen Hauptstadt seien mehrere Verdächtige in Gewahrsam genommen worden, teilte Scotland Yard mit. Die Razzien fanden demnach in den Vierteln Newham und Barking statt. Bereits am Sonntag waren Einsatzkräfte zu Razzien im multi-ethnischen Viertel Barking ausgerückt. Dabei wurden sieben Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 19 und 60 Jahren festgenommen. Ein 55-jähriger Mann wurde später wieder freigelassen.

IS reklamiert Tat für sich

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Das teilte die auf die Beobachtung von Extremistenseiten spezialisierte Site Intelligence Group mit. Die Analysten beriefen sich auf das IS-Sprachrohr Amak, das im Internet ein entsprechendes Schreiben auf Arabisch veröffentlichte.

Bei der Attacke im Zentrum Londons waren am Samstagabend sieben Menschen getötet und fast 50 weitere verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Die drei Angreifer waren zunächst mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf der London Bridge gerast, anschließend stachen sie in einem nahe gelegenen Ausgehviertel wahllos auf Menschen ein. Binnen Minuten war die Polizei vor Ort und erschoss die Attentäter.

Attentäter sind identifiziert

Die Londoner Polizeichefin Cressida Dick sagte, dass die Attentäter identifiziert worden seien. Ihre Namen wurden aber nicht veröffentlicht. Dick sagte im Sender Sky News, dass sie keine weiteren Details zu den Ermittlungen bekannt geben werde. Sie wollte auch nicht sagen, ob die drei mutmaßlichen Angreifer den Behörden im Vorfeld des Anschlags bekannt gewesen seien.

Mahnwache im Potters Fields Park

Londons Bürgermeister Sadiq Khan rief für heute Abend zu einer Mahnwache im Potters Fields Park auf, um der Opfer des Anschlags zu gedenken. Die Grünfläche liegt direkt am Rathaus an der Themse und unweit der London Bridge, auf der die Terrorattacke am Samstagabend begonnen hatte.

Es gehe darum, "der Welt zu zeigen, dass wir gemeinsam denjenigen entgegenstehen, die uns und unsere Lebensart schädigen wollen", teilte das Büro des Bürgermeisters mit. "Wir werden diese Feiglinge nie gewinnen lassen, und wir werden uns nie vom Terrorismus einschüchtern lassen."

Mayor of London @MayorofLondon
Join us at Potters Fields at 6pm today to remember the victims of Saturday’s attack and stand against terrorism https://t.co/vKvk25TTLe

Dritter Anschlag in weniger als drei Monaten

Das Attentat von London war bereits der dritte Anschlag in Großbritannien in weniger als drei Monaten. Ende März hatte ein mutmaßlich islamistischer Attentäter im Zentrum Londons fünf Menschen getötet. Am 22. Mai riss ein Selbstmordattentäter bei einem Pop-Konzert der US-Sängerin Ariana Grande in Manchester 22 Menschen mit in den Tod. Grande gedachte mit einem Benefizkonzert gemeinsam mit Kollegen wie Miley Cyrus und Justin Bieber sowie 50.000 Zuschauern der Opfer dieses Anschlags.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juni 2017 um 11:00 Uhr.

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