Die britische Königin Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philip | Bildquelle: AP

Schweigeminute bei Queen-Geburtstag "Sehr dunkle Stimmung der Nation"

Stand: 17.06.2017 15:14 Uhr

Eigentlich soll am Tag der Geburtstagsparade der Queen gefeiert werden. Dieses Jahr wird er jedoch vom verheerenden Londoner Hochhausbrand überschattet. Mit einer Schweigeminute wurde der Opfer gedacht. Die Kritik an Premierministerin May reißt nicht ab.

Nach dem verheerenden Hochhausbrand in London hat Königin Elizabeth II. ihre Landsleute zur Einheit aufgerufen. "Dieser Tag ist traditionell ein Tag des Feierns", erklärte die Queen - heute fand die jährliche Parade zum Geburtstag der Monarchin statt. Doch dieses Jahr sei es schwierig, nicht die "sehr dunkle Stimmung der Nation" zu spüren.

Nach der "Abfolge schrecklicher Tragödien" in den vergangenen Monaten - neben dem Brand mit mindestens 30 Toten wurde Großbritannien von drei islamistischen Anschlägen erschüttert - müssten die Briten sich auf ihre Geschichte und ihre Ressourcen besinnen, erklärte die Queen weiter. "Wenn das Vereinigte Königreich auf die Probe gestellt wird, zeigt es sich entschlossen angesichts des Unglücks."

Schweigeminute für Opfer des Brands

Die Briten seien "geeint in unserem Schmerz, aber wir sind es auch - ohne Angst oder Unterscheidung - in der Unterstützung für all diejenigen, die ihr Leben wieder aufbauen", so Elizabeth II. weiter. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Prinz Philip legte sie eine Schweigeminute für die Opfer des Hochhausbrands ein.

May ruft Sondersitzung ein

Unterdessen berief Premierministerin Theresa May nach heftiger Kritik an ihrer Reaktion auf die Brandkatastrophe die Regierungsmitglieder zu einer Sondersitzung ein. Sie wolle dafür sorgen, dass "alles Mögliche getan wird, um die Betroffenen der Tragödie von Grenfell zu unterstützen", sagte ein Regierungssprecher. Später werde May in der Downing Street Opfer der Brandkatastrophe und freiwillige Helfer treffen.

Die Regierungschefin hatte Kritik einstecken müssen, weil sie am Donnerstag bei ihrem Besuch am Hochhaus keine Anwohner getroffen hatte. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte derweil Betroffene getröstet. Am Freitag suchte May dann Verletzte in Krankenhäusern auf.

"Genauso bestürzt wie wir alle"

Die Regierungschefin habe bisher zu wenig Empathie für die Betroffenen gezeigt, klagen die Hinterbliebenen und die Bewohner des Viertels. Die Proteste am Freitagabend vor dem Rathaus von Kensington und vor der Downing Street richteten sich auch gegen sie persönlich. "May muss weg!"-Rufe waren zu hören.

Vize-Premier Damian Green verteidigte Mays Reaktion auf das Unglück: "Die Premierministerin ist - wie alle im Land - erschüttert. Nachdem sie mit Rettungskräften und Betroffenen gesprochen hat, ist es nun ihre Aufgabe, das, was sie dabei gehört hat, umzusetzen in Unterstützung - und genau das tut sie mit der neuen Taskforce."

Mindestens 30 Todesopfer, noch 70 Vermisste

Das Feuer im Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochen und hatte sich über die Fassade rasend schnell ausgebreitet. Die Behörden vermuten, dass sich rund 600 Menschen zu dem Zeitpunkt in dem Hochhaus aufhielten. Viele von ihnen wurden im Schlaf überrascht. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, laut Medienberichten werden immer noch 70 Menschen vermisst.

Mit Informationen von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Juni 2017 um 15:00 Uhr.

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