Die britische Premierministerin May trifft sich mit Religionsvertretern in einer Londoner Moschee. | Bildquelle: AFP

Anschlag auf Muslime in London May spricht von "terroristischem Angriff"

Stand: 19.06.2017 23:40 Uhr

Die britische Premierministerin May hat den Anschlag auf Muslime in London als terroristische Attacke verurteilt, die widerlich sei. In der Nacht war ein Lieferwagen vor einer Moschee in eine Menschengruppe gerast. Ein Mann starb. Am Nachmittag besuchte May eine Moschee nahe des Tatorts.

Nach der Attacke mit einem Lieferwagen in London hat Großbritanniens Premierministerin Theresa May in der Finsbury-Park-Moschee Vertreter verschiedener Religionsgruppen getroffen. "Die furchtbare Terrorattacke der vergangenen Nacht war eine schlimme Tat, die der Hass hervorgebracht hat", sagte May. Der Anschlag habe eine Gemeinde erschüttert.

Daher sei sie froh, Menschen "aller Glaubensrichtungen" getroffen zu haben, die "jeglichen Hass und Extremismus" aus der Gesellschaft vertreiben wollten. Die Finsbury-Park-Moschee befindet sich in unmittelbarer Nähe des Muslim Welfare House, vor dem sich der Vorfall ereignet hatte.

Theresa May | Bildquelle: dpa
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Die britische Premierministerin Theresa May besucht den Tatort im Londoner Stadtteil Finsbury Park.

Schon zuvor hatte May den Angriff im Norden Londons verurteilt. Dabei habe es sich um einen "widerlichen" Versuch gehandelt, Freiheiten wie die Religionsfreiheit zu zerstören, sagte sie vor ihrem Amtssitz in der Downing Street.

May spricht schon früh von "Terrorangriff"

Sie sprach von einem "terroristischen Angriff", der normalen Bürgern und Unschuldigen gegolten habe, die ihrem täglichen Leben nachgegangen seien. Das Land werde sich durch die Tat aber nicht spalten lassen, sagte die Regierungschefin nach einer Krisensitzung in Westminster. Sie verurteilte Extremismus jeder Art.

Bei dem 48 Jahre alten Tatverdächtigen handle es sich um einen weißen Mann, sagte May weiter. Die Polizei gehe derzeit davon aus, dass er allein gehandelt habe. Zuvor hatten Augenzeugen CNN zufolge von zwei weiteren Männern berichtet, die vom Tatort geflohen seien.

Anschlag auf Muslime in London
tagesschau 17:00 Uhr, 19.06.2017, Julie Kurz, ARD London

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Tatverdächtiger bei der Polizei unbekannt

Der 48 Jahre alte Mann, der den Anschlag auf eine Gruppe von Muslimen in London verübt haben soll, war der Polizei nicht bekannt. Das sagte der britische Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace.

Der Tatverdächtige wurde unter Verdacht auf versuchten Mord festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht, wo er auch auf seinen Geisteszustand hin untersucht werden sollte. Die Chefin von Scotland Yard, Cressida Dick, geht von einem gezielten Anschlag auf Muslime aus.

Was wir über den Tathergang wissen

Kurz nach Mitternacht war ein Lieferwagen im Stadtteil Finsbury Park in eine Menschengruppe gerast. Dabei starb ein Mann. Ob die Attacke mit dem Lieferwagen für den Tod des Mannes verantwortlich war, ist laut Scotland Yard noch nicht endgültig geklärt.

Demnach bekam der Mann bereits Unterstützung von Ersthelfern, als der Minivan in die Menschenmenge fuhr. Mindestens zehn Personen wurden außerdem verletzt, zwei von ihnen schwer.

Die Tat geschah vor dem Muslim Welfare House, einem kleinen Gebetshaus. Um die Ecke gibt es in der direkten Nachbarschaft die größere Finsbury-Park-Moschee. Aus beiden muslimischen Einrichtungen strömten die Menschen in der Nacht nach ihrem Gebet heraus, als der gemietete Lieferwagen auf die Menge zusteuerte.

Imam schützte den mutmaßlichen Angreifer

Der Imam Mohammed Mahmoud soll sich Augenzeugenberichten zufolge schützend vor den Terrorverdächtigen gestellt haben, der aus dem Lieferwagen gezerrt worden war. "Fasst ihn nicht an", habe er demnach Menschen entgegengerufen, die sich wütend auf den Mann gestürzt hatten.

Der 48-jährige war von dem Iman und anderen Umstehenden festgehalten worden. Sie übergaben ihn später der Polizei. Toufik Kacimi, der Vorsitzende des Moscheevereins des Muslim Welfare House, vor dem der Anschlag stattfand, nannte den Imam später "Held des Tages".

Trauer, Niederlegung von Blumensträußen | Bildquelle: AFP
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Blumensträuße und Briefe am Tatort

Gezielter Angriff auf Muslime?

Laut Augenzeugen soll der mutmaßliche Täter nach der Tat gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan." Das berichtete Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, vor dem der Zwischenfall passierte, im britischen Sender Sky News. Ein anderer Augenzeuge berichtete der BBC, dass der Mann "Alle Muslime! Ich will alle Muslime töten!" gerufen habe. Er habe seinen Wagen vorsätzlich in die Menge gesteuert und die Menschen "einfach überfahren".

Auch Mohammed Shafiq von der Ramadan-Stiftung, einer muslimischen Organisation, sagte, dass es sich aufgrund der Aussagen von Augenzeugen offenbar um einen Angriff auf unschuldige Muslime gehandelt habe.

Der Rat der Muslime in Großbritannien brachte via Twitter Islamhass als mögliches Motiv ins Spiel. Die Gläubigen seien von dem Van gerammt worden, nachdem sie die Moschee am Finsbury Park nach Gebeten verlassen hätten.

Auch Oppositionsführer Jeremy Corbyn zeigte sich nach dem Vorfall schockiert. Bei Twitter schrieb er, Kontakt mit den Moscheen und der Polizei aufgenommen zu haben - das Ereignis sei entsetzlich.

Jeremy Corbyn @jeremycorbyn
I'm totally shocked at the incident at Finsbury Park tonight. https://t.co/1ffKijNs73

"Tat aus blindem Hass"

Auch außerhalb Großbritanniens löste die Attacke Entsetzen aus. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, es spreche einiges dafür, dass es eine "Tat aus blindem Hass" sei. Der EU-Chefunterhändler für die Verhandlungen über einen britischen EU-Austritt, Michel Barnier, und der britische Brexitminister David Davis sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Mitgefühl aus.

Erhöhte Alarmbereitschaft

London steht nach mehreren Anschlägen derzeit unter erhöhter Alarmbereitschaft. Anfang Juni waren drei Islamisten mit einem Kleintransporter auf der London Bridge in eine Menschenmenge gefahren und hatten danach Passanten in Restaurants und Bars willkürlich mit Messern attackiert. Dabei waren sieben Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden. Die Attentäter wurden schließlich von Polizisten erschossen.

Im März tötete ein mutmaßlicher Islamist auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten, ehe er erschossen wurde. Zudem wurden bei einem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert in Manchester im Mai 22 Menschen getötet.

London erschüttert über Anschlag auf Muslime
S. Pieper, ARD London
19.06.2017 17:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 19. Juni 2017 NDR Info um 06:15 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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