U-Bahn in London an der Station Parsons Green | Bildquelle: AP

Attentat auf Londoner U-Bahn "Feiger Angriff" - Verdächtiger im Visier

Stand: 15.09.2017 21:18 Uhr

29 Verletzte - das ist die vorläufige Bilanz des Terroranschlags in London. Offenbar detonierte ein selbstgebauter Sprengsatz in der U-Bahn nur teilweise. Premierministerin May sprach von einer "feigen Tat". Der IS reklamierte die Tat für sich.

Zum fünften Mal innerhalb eines halben Jahres ist Großbritannien von einem Anschlag getroffen worden: Bei einer Bombenexplosion in der U-Bahn wurden mindestens 29 Menschen verletzt. Der Sprengsatz detonierte mitten im morgendlichen Berufsverkehr, wie der Chef der Anti-Terror-Abteilung der britischen Polizei, Mark Rowley, bekannt gab. Nach seinen Angaben war die Bombe selbst gebaut. Sie explodierte in der U-Bahn-Station Parsons Green im Südwesten Londons in einem vollbesetzten Waggon.

"Der Sprengsatz sollte enorme Schäden anrichten", sagte Premierministerin May. Sie kündigte an, die Sicherheitswarnung vorerst auf der zweithöchsten Stufe zu belassen und sprach von einem "feigen Angriff".

Der Sender Sky News berichtete unter Berufung auf die Polizei, die Bombe sei nicht vollständig detoniert, so dass Schlimmeres verhindert worden sei.

Viele Verletzte nach Attentat auf Londoner U-Bahn
tagesschau 20:00 Uhr, 15.09.2017, Hanni Hüsch, ARD London

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Polizei hat Verdächtigen identifiziert

Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts und fahndet nach einem oder mehreren Tätern. Auf Bildern von Überwachungskameras haben haben Anti-Terror-Spezialisten laut Medienberichten eine Person gesehen, die den Sprengsatz abgestellt haben soll. Ein Bekenntnis zur Tat liegt bislang nicht vor.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Tat für sich. Eine entsprechende Mitteilung wurde über das IS-Sprachrohr Amaq verbreitet.

"Widerwärtige Individuen"

Augenzeugen berichteten, einige Passagiere seien nach der Explosion mit schweren Verbrennungen und blutüberströmt aus der U-Bahn-Station im bürgerlichen Wohnviertel Fulham gekommen. Passagiere hätten schwere Verbrennungen im Gesicht erlitten. Auf Twitter veröffentlichte ein Nutzer Fotos von einem schwelenden weißen Eimer in einer U-Bahn, er schrieb von einem "Feuerball".

Londons Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die Bluttat. "Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören."

Ein brennender weißer Behälter in einem U-Bahn-Waggon | Bildquelle: dpa
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Ein brennender weißer Eimer in der U-Bahn. Er soll die Explosion ausgelöst haben.

Trump-Tweet stiftet Verwirrung

US-Präsident Donald Trump rief ebenfalls zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf. Terroristen wie die in London seien Verlierer twitterte Trump. Bei den Terroristen handele es sich um kranke und verrückte Leute, die die Polizei von Scotland Yard bereits im Auge gehabt habe. Die Londoner Polizei wies laut CNN die Behauptung Trumps als Spekulation zurück, ihnen seien der oder die Täter bekannt gewesen.

Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben. Bei einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester im Mai starben 22 Menschen. Acht Menschen verloren ihre Leben bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge. Ein Mann kam bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London ums Leben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2017 um 16:00 Uhr.

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