Crossrail-Baustelle | Bildquelle: AFP

Crossrail-Projekt in London Großbaustelle - bislang ohne Probleme

Stand: 19.03.2017 11:30 Uhr

Ob BER oder Stuttgart21: Deutschland tut sich mit Großprojekten schwer. Dagegen geht in London gerade das größte Infrastrukturprojekt Europas ziemlich reibungslos über die Bühne. Crossrail heißt die neue Ost-West-Verbindung mit 40 neuen Bahnhöfen.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Noch ist die 47 Meter lange Rolltreppe, eine der längsten Londons, nicht fertiggestellt. Deshalb geht es zum Baustellen-Rundgang zunächst die Treppe hinunter in den Untergrund der Hauptstadt - bis etwa 25 Meter unter die Erde, wo sich der 260 Meter lange Bahnsteig befindet. Phil Jones ist als Crossrail-Manager dafür verantwortlich, dass die Station Tottenham Court Road pünktlich fertiggestellt wird. Der Bahnhof liegt dicht an der belebten Einkaufsstraße Oxford Street und hat zwei Ein- und Ausgänge, die täglich bis zu 200.000 Fahrgäste passieren werden.

Die Architekten haben das Design der Stationen an die jeweilige Umgebung angepasst. Deshalb sind hier im Stadtteil Soho, der für sein Nachtleben bekannt ist, die Wände mit schwarzen Fliesen und schwarzen Edelstahlplatten verkleidet, erklärt Dermot Tynan, der sich in diesem Bahnhof um die Verbindung zwischen Crossrail und der U-Bahn kümmert.

15 Milliarden Pfund, 40 neue Bahnhöfe

Crossrail ist ein Mammut-Bauprojekt, das sich der Staat 15 Milliarden Pfund kosten lässt. Entlang der Strecke wird es rund 40 neue Bahnhöfe geben, zehn davon unterirdisch in London. Für Pendler, die von Osten oder Westen in die Innenstadt kommen, werden sich die Fahrtzeiten verkürzen und der Komfort erhöhen. Crossrail verstärkt die Kapazität des öffentlichen Nahverkehrs in der Hauptstadtregion um zehn Prozent.

2009 haben die Bauarbeiten begonnen, an denen auch deutsche Firmen beteiligt sind: Die Tunnelbohrer der Firma Herrenknecht aus Baden-Württemberg haben die mehr als 40 Kilometer lange Crossrail-Röhre in den Londoner Untergrund gegraben, die Signal- und Kommunikationstechnik für den Schienenverkehr kommt von Siemens, so Crossrail-Manager Jones.

Crossrail-Überführung für Fußgänger im Finanzbezirk Canary Wharf | Bildquelle: REUTERS
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Crossrail-Überführung für Fußgänger im Finanzbezirk Canary Wharf

Die Züge baut allerdings nicht Siemens, sondern Bombardier. Mit denen sollen im Dezember 2018 die ersten Passagiere fahren, dem geht eine einjährige Testphase voraus. Crossrail sei zu 80 Prozent fertiggestellt, freut sich Jones - und bislang habe man sowohl den Zeitplan als auch das Budget eingehalten.

Aus Pannen gelernt

Doch Jones gibt zu, dass die letzten 20 Prozent die schwersten sind. Weil sich erst dann herausstellt, ob alle Gewerke ineinandergreifen, alle Vertragspartner liefern, alle Schnittstellen funktionieren, wie sein Kollege Tynan ergänzt. Entscheidend sei, ehrlich zu kommunizieren und jeden noch so kleinen Meilenstein zu erreichen.

Das Crossrail-Team hat gelernt von den Olympischen Spielen 2012 und von den Pannen bei der Eröffnung des Heathrow-Terminals 5 - und gibt jetzt sein Wissen weiter an Projektplaner, die aus aller Welt nach London reisen.

Crossrail: Londoner Bahn-Großprojekt ohne Probleme
S. Pieper, ARD London
19.03.2017 10:17 Uhr

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