Marine Le Pen (re.) trinkt im New Yorker Trump Tower Kaffee mit Lombardi (2. v. re.) und zwei weiteren Männern. (12. Januar) | Bildquelle: AFP

Treffen mit Guido Lombardi Der Italiener, dem Trump vertraut

Stand: 30.01.2017 04:18 Uhr

Seit seiner Wahl zum US-Präsidenten suchen noch mehr Menschen die Nähe von Donald Trump. Besonders Europas Rechtspopulisten hoffen auf Treffen. Dann führt der Weg fast immer über einen italienischen Geschäftsmann.

Von Gudrun Engel, ARD Studio New York

Guido "George" Lombardi kommt in seinem grünen Bentley am Club Mar-a-Lago vorgefahren. Er wird mit Handschlag begrüßt. Jeder hier kennt den italienischen Geschäftsmann. Er hat die Mitgliedsnummer 1, war also von Anfang an dabei. Der Club in Florida vergibt 500 exklusive Mitgliedschaften.

Die Warteliste ist lang - besonders seit Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Denn Trump hat angekündigt, seine Wochenenden und seine Freizeit weiterhin in seinem New Yorker Penthouse oder in diesem Feriendomizil zu verbringen. Viele erhoffen sich Nähe zur Macht, wollen den Club oder gemeinsame Freunde als Türöffner nutzen.

Im Aufzug Freundschaft geschlossen

Guido "George" Lombardi im Gespräch mit ARD-Korrespondentin Gudrun Engel
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Lombardi wohnt im 63. Stock des Trump Towers.

Lombardi ist so ein Trump-Freund, der Türen öffnen kann. Die beiden haben sich vor vielen Jahren im Aufzug kennengelernt. Lombardi bewohnt im New Yorker Trump Tower auf der berühmten 5th Avenue den 63. Stock, Trumps Penthouse liegt im 66. Stock. Die beiden kennen sich offenbar gut: Es gibt gemeinsame Bilder, Videos und Anekdoten.

Lombardi hat nach eigenen Angaben den parteiunabhängigen Social Media Wahlkampf koordiniert: 500 verschiedene Gruppen wie die "Biker für Trump", "Latinos für Trump" oder "Frauen für Trump".

Europas Rechtspopulisten und Lombardi

Lombardi hat zwei Mobiltelefone. Beide klingeln während unseres Gespräches immer wieder. Er ist ein gefragter Mann - auch und besonders bei Europas Rechtspopulisten. Auch sie hoffen auf seine Fähigkeit als Türöffner.

Er selbst sieht sich nicht als professioneller Berater. "Politik ist meine Leidenschaft - schon seit mehr als 20 Jahren. Aber mein Geld verdiene ich in der Immobilienbranche", berichtet Lombardi. Manchmal bekomme er ein paar Auslagen bezahlt, aber in der Regel handele es sich um Freundschaftsdienste.

"Klar, ich habe viele Freunde und ich kümmere mich um deren, nennen wir es Öffentlichkeitsarbeit. Ich öffne Türen", erklärt er lächelnd.

Langjährige Freundschaft zu Le Pen

Marine Le Pen vom französischen Front National ist so eine Freundin. Sie wurde Mitte Januar im Trump Tower gesichtet: Beim Kaffee mit Lombardi. Die beiden kennen sich seit mehr als 20 Jahren, teilen gleiche Werte. "Marine Le Pen surft auf derselben Welle wie Trump. Sie nutzt zum Teil auch seine Rhetorik. Und ihre Botschaft scheint in einem gewissen Maß anzukommen. Ich bin zuversichtlich, dass sie Erfolg haben wird", urteilt Lombardi. Auch wenn es mit einem direkten Treffen mit Trump aus Zeitgründen nicht geklappt habe.

Er unterhalte auch enge Kontakte in seine alte Heimat zur italienischen Lega Nord, zu Geert Wilders in den Niederlanden (den er als "sehr schlauen Mann" bezeichnet) und habe in der Wahlnacht mit Freunden der österreichischen FPÖ gefeiert.

Aber immer könne auch er nicht helfen: "Ein Freund aus der ungarischen Regierung rief mich im September an und fragte, ob ich vielleicht ein Treffen arrangieren könnte, als Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bei den Vereinten Nationen war. Aber Trump sagte: 'Während der Kampagne treffe ich keine ausländischen Staatschefs, egal wen.'" Jetzt, nach der Wahl, darf Orban auf ein Treffen hoffen. Vielleicht sogar im exklusiven Mar-a-Lago Club.

Aufnahmegebühr 200.000 Dollar

Lombardi zeigt uns den Pool. Das Riesenbecken ist nur mit einer Mauer vom Strand getrennt. Dann sehen wir die Tennisplätze, die Bar, in der Geschäftstreffen stattfinden sowie den großen Ballsaal, in dem die Trumps ihre Hochzeit gefeiert haben.

Trump sei ein herzlicher und aufmerksamer Gastgeber, berichtet Lombardi von gemeinsamen Feiern - und führt weiter zum Eingang des präsidialen Privatbereichs. Alles im maurischen Stil gehalten. Blau gemusterte Fliesen und eine Gittertür. Wenn Trump da sei, stünden Beamte des Secret Service davor. Im Moment parken lediglich Polizeiwagen an allen Eingängen des Anwesens.

Der Club Mar-a-Lago
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Der Club Mar-a-Lago ist exklusiv, sehr teuer und kann sich vor Anfragen kaum retten ...

Der Eingang zum präsidialen Privatbereich im Club Mar-a-Lago
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... der Hauptgrund residiert hinter diesem maurischen Portal: Donald Trump

Alptraum für den Secret Service

Das Anwesen sei ein Alptraum für den Secret Service, berichtet Lombardi, es gebe zu viele Ein- und Ausgänge, zu wenige Sicherheitsvorkehrungen. Im Trump Tower in New York sei es einfacher, den mächtigsten Mann der Welt zu bewachen.

Der erste europäische Politiker, der nach dem Wahlsieg im Trump Tower eine Audienz bekam, war Nigel Farage. Der Brite unterstützte Trump schon im Wahlkampf und hat, so Lombardis Urteil, viele Gemeinsamkeiten mit dem Präsidenten: "Wenn er will, kann er sehr charmant sein - genau wie Mr. Trump. Die zwei hatten sofort eine gemeinsame Basis und seit ihrem ersten Treffen Kontakt gehalten. Ich glaube, sie verstehen sich nicht nur politisch gut."

Keine Anfragen aus Deutschland

Von der AfD bekam Lombardi noch keine Kontaktanfrage. Man kenne sich nicht. Und er habe auch nicht vor, mit Menschen zu telefonieren, die er nicht kenne, bekräftigt er. Generell gelte für ihn: Er unterstütze - genau wie Trump - Parteien oder Politiker, die sich gegen das politische Establishment stellen: "Es geht nicht mehr um rechts oder links. Es geht um die Menschen, die sich volksnahe Entscheidungen wünschen. Die nicht unbedingt gegen die Globalisierung sind, aber gegen die Eliten."

Lombardi kreierte für diese Politikform ein eigenes Wort: Popularismus als eine Weiterentwicklung des Populismus. Damit hole man die Wähler dort ab, wo sie stünden, in klaren, verständlichen Worten. So wie bei seinen Social Media Aktivitäten.

Auch in Italien nehme er bei der 5-Sterne-Bewegung jetzt solche Tendenzen wahr. Ob sich da ein neuer Kontakt anbahnt? Beim Verabschieden erzählt er nebenbei: Er sei auch ein alter Freund des neuen EU-Parlamentspräsidenten Antonio Tajani - der wiederum hat lange für den früheren italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi gearbeitet. Tajani brauche seine Hilfe aber nicht, wenn er einen Termin beim US-Präsidenten möchte.

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