Leere Stühle bei Nobelpreisverleihung für Liu Xiaobo im Jahr 2010 | Bildquelle: dpa

Nachruf auf Liu Xiaobo Kein Atemzug in Freiheit - bis zuletzt

Stand: 13.07.2017 17:58 Uhr

Für die chinesische Führung war er ein Staatsfeind: Liu Xiaobo mischte sich immer wieder ein, ließ sich auch durch mehrfache Verhaftungen politisch nicht mundtot machen. Nun ist der Friedensnobelpreisträger gestorben.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Es ist ein Bild, das zu Liu Xiaobo in Erinnerung bleiben wird. Gerade, weil er nicht darauf zu sehen ist: der leere Stuhl von Oslo. Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 saß Liu Xiaobo bereits seit zwei Jahren in China im Gefängnis. Der Stuhl auf der Festbühne in Oslo blieb leer und wurde damit zum Symbol - der Friedensnobelpreis für einen inhaftierten, chinesischen Schriftsteller und Bürgerrechtler.

"Das norwegische Nobelkomitee hat sich entschieden, den Friedensnobelpreis 2010 an Liu Xiaobo zu vergeben. Für seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China", sagte damals Thorbjoern Jagland vom Nobelpreiskomitee.

Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo | Bildquelle: AFP
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Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo: Der Platz neben Thorbjoern Jagland bleibt leer.

Am demokratischen Aufbruch 1989 beteiligt

Das politische Engagement von Liu Xiaobo beginnt im Frühjahr 1989. Er ist damals Teil des demokratischen Aufbruchs der Pekinger Studenten. 33 Jahre alt, Literaturdozent an der Pädagogischen Hochschule in Peking. In der schicksalhaften Nacht auf den 4. Juni 1989 ist er unter den Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Die chinesische Volksbefreiungsarmee rückt durch die Pekinger Innenstadt an, schießt um sich und tötet in den Zufahrtstraßen Tausende Protestler. Liu gehört zu den Vermittlern, wird aber kurz darauf zum ersten Mal verhaftet.

Für 20 Monate kommt Liu ins Gefängnis. Der 4. Juni 1989 ist bis heute ein Tabuthema in China, Aufklärung und Aufarbeitung verboten. Auch nach seinem ersten Gefängnisaufenthalt weist Liu immer wieder öffentlich auf diesen wunden Punkt hin. Er schreibt Artikel, Essays und Gedichte, wird mehrmals wieder verhaftet und weg gesperrt, bleibt aber politisch aktiv.

Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo gestorben
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.07.2017, Mario Schmidt, Gabor Halasz, NDR

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Zu elf Jahren Haft verurteilt

"Sobald du diese Entscheidung triffst, musst du dich optimistisch, mit Selbstvertrauen und in aller Ruhe dem Risiko und dem Druck stellen. Aber wenn ich an die Toten denke, tut es mir immer noch sehr weh", sagte Liu Xiaobo.

Als Liu sich in der sogenannten Charta 08 mit anderen Systemkritikern für mehr Demokratie und Menschenrechte in China einsetzt, wird er für die Führung in Peking endgültig zum Staatsfeind. 2008 wird Liu Xiaobo festgenommen und kommt ins Gefängnis. Ein Jahr später wird er zu elf Jahren Haft verurteilt, wegen "Untergrabung der Staatsgewalt". Dass ihm sein Engagement in China zum Verhängnis werden kann, damit hatte Liu Xiaobo immer gerechnet.

Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus | Bildquelle: AP
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Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus

"Dieses Risiko muss man tragen"

"Ich habe mal gesagt, als Dissident unter Bewachung zu stehen oder seine Freiheit zu verlieren, das gehört zum Beruf dazu. Dieses Risiko muss man tragen, wenn man diesen Weg einschlägt. Alle müssen ihren Job gut machen. Das ist bei Intellektuellen oder Dozenten nicht anders als bei Arbeitern oder Bauern."

Kaum etwas von Liu dringt an die Öffentlichkeit - bis zum 26. Juni dieses Jahres. An diesem Tag wird bekannt, dass Liu Leberkrebs im Endstadium hat und in ein Krankenhaus verlegt wurde. Laut Krankenhaus in Shenyang behandeln ihn die besten chinesischen Krebsmediziner. Auf diplomatischen Druck kommt auch ein deutscher Krebs-Experte dazu.

Aber all das kommt zu spät. Und die Appelle der Familie, von Freunden, Politikern und Menschenrechtsorganisationen, ihn ausreisen zulassen, bleiben vergeblich. Bis zum letzten Tag schenkt ihm der chinesische Staat keinen Atemzug mehr in Freiheit. China kennt keine Gnade mit seinem bekanntesten Dissidenten Liu Xiaobo - bis in den Tod.

Über dieses Thema berichtete am 13. Juli 2017 tagesschau24 um 16:00 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 17:23 Uhr.

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