Proteste für Liu in Hongkong | Bildquelle: AP

Friedensnobelpreisträger "Liu Xiaobo stirbt"

Stand: 12.07.2017 14:15 Uhr

Liu Xiaobos Ärzte rechnen offenbar damit, dass der Tod des Friedensnobelpreisträgers unmittelbar bevorsteht. Er ist der bekannteste politische Gefangene Chinas. Auch die Bundesregierung äußerte sich besorgt.

Der krebskranke chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo liegt offenbar im Sterben. Der 61-Jährige sei dem Tod sehr nah, erklärte das behandelnde Krankenhaus in Shenyang: "Er stirbt." Die Familie habe eine notwendige Intubation der Luftröhre abgelehnt. Zuvor hatte die Klinik Organversagen gemeldet.

Lius Freunde und Familie in China berichteten von schärferer Überwachung. Auch die Sicherheitskräfte um das Krankenhaus seien verstärkt worden.

Liu Xiaobo ist der bekannteste politische Gefangene Chinas. Er hat Leberkrebs im Endstadium. Die Regierung verweigerte ihm und seiner Frau Liu Xia die erhoffte Ausreise, obwohl sich Deutschland, die USA und andere Staaten für ihn einsetzten.

Bundesregierung spricht von dramatischer Situation

Die Bundesregierung, die sich für eine Ausreise Lius und seiner Familie eingesetzt hatte, äußerte sich besorgt. Man könne die Situation nur als dramatisch bezeichnen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Seibert ergänzte, nach Aussage deutscher und US-amerikanischer Ärzte, die Liu am Wochenende untersucht hätten, wäre zumindest zu diesem Zeitpunkt eine Verlegung in ein anderes Land noch möglich gewesen. Es stelle sich auch die Frage, ob die Krebserkrankung des Dissidenten nicht hätte früher erkannt und behandelt werden müssen.

Deutschland stehe zur medizinischen Behandlung bereit", sagte Seibert weiter. Die chinesische Führung solle den humanitären Aspekten des Falls Priorität einräumen.

Liu Xiaobo | Bildquelle: AFP
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Liu Xiaobo im Jahr 2005: Vier Jahre später wurde er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

2010 den Friedensnobelpreis bekommen

Liu war Ende 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er war Initiator der "Charta 08", in der demokratische Reformen gefordert wurden. 2010 erhielt er den Friedensnobelpreis, den er jedoch nicht entgegennehmen durfte.

Todkrank wurde er Ende Juni "auf Bewährung" aus der Haft entlassen und in die Klinik in Shenyang in der Nordost-Provinz Liaoning gebracht.

Über dieses Thema berichtete am 10. Juli 2017 Deutschlandfunk um 23:36 Uhr und das Nachtmagazin um 00:41 Uhr.

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