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Das Nobelpreiskomitee hat den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer als Träger des diesjährigen Literaturnobelpreises benannt.
Akademiesprecher Peter Englund sagte bei der Bekanntgabe: "Tranströmer ist einer der größten Poeten unserer Zeit." In der Begründung der Akademie hieß es, Tranströmer habe den Preis bekommen, weil er "uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen weist." Tranströmer gehörte seit Jahren zu den engen Anwärtern für den wichtigsten Literaturpreis.
Der Dichter studierte in den 50er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte in seiner Geburtsstadt Stockholm. Bis zu einem Schlaganfall 1990 praktizierte Tranströmer als Psychologe.
Seine Gedichtbände sind in rund 50 Sprachen übersetzt. Sein Gesamtwerk besteht aus weniger als 100 Texten. Kritiker bemängelten im Zuge der 1968er-Studentenbewegung, dass seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen leiste. Tranströmer betonte in diesem Zusammenhang, dass sein Schaffen nicht auf Ideologien, sondern auf Visionen zurückzuführen sei.
Tranströmer leidet seit seinem Schlaganfall an einem weitgehenden Verlust des Sprechvermögens. In enger Zusammenarbeit mit seiner Frau brachte er 1993 seine Memoiren "Die Erinnerungen sehen mich" und in den folgenden Jahren mehrere neue Gedichtbände heraus.
Vor der Bekanntgabe gab es wilde Spekulationen über einen möglichen Preisträger. Als Favoriten galten unter anderem der syrisch-libanesische Lyriker Adonis und - völlig überraschend - der amerikanische Rockpoet Bob Dylan. Akademiesprecher Englund hatte die Spekulationen in Richtung außereuropäisches Ausland gedeihen lassen, als er in einem Interview sagte, die Weltsicht der eigenen Jury sei vielleicht in der Vergangenheit ein bisschen zu "eurozentristisch" gewesen. Tranströmer ist der achte schwedische Autor, der mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird.
Der begehrteste Literaturpreis der Welt ist wie die anderen Nobelpreise mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. 2010 ging er an den Peruaner Mario Vargas Llosa (75). Letzte deutsche Preisträgerin war 2009 die in Rumänien geborene Berlinerin Herta Müller. Bis Mitte der Woche wurden in Stockholm die wissenschaftlichen Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie an sieben durchweg männliche Preisträger vergeben. Am Freitag folgt in Oslo die Bekanntgabe des Friedensnobelpreises.
| Jahr | Preisträger | Land |
|---|---|---|
| 2010 | Mario Vargas Llosa | Peru |
| 2009 | Herta Müller | Deutschland |
| 2008 | Jean-Marie Gustave Le Clézio | Frankreich |
| 2007 | Doris Lessing | Großbritannien |
| 2006 | Orhan Pamuk | Türkei |
| 2005 | Harold Pinter | Großbritannien |
| 2004 | Elfriede Jelinek | Österreich |
| 2003 | John M. Coetzee | Südafrika |
| 2002 | Imre Kertész | Ungarn |
| 2001 | Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul | Trinidad/Großbritannien |
| 2000 | Gao Xingjian | China/Frankreich |
| 1999 | Günter Grass | Deutschland |
| 1998 | José Saramago | Portugal |
| 1997 | Dario Fo | Italien |
| 1996 | Wislawa Szymborska | Polen |
| 1995 | Seamus Heaney | Irland |
| 1994 | Kenzaburo Oe | Japan |
| 1993 | Toni Morrison | USA |
| 1992 | Derek Walcott | Saint Lucia |
| 1991 | Nadine Gordimer | Südafrika |
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