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Litauen hat sein einziges Atomkraftwerk endgültig abgeschaltet. Der zweite Reaktor des AKW Ignalina im Osten des Landes wurde wie geplant um 23 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MEZ) heruntergefahren. Das 26 Jahre alte AKW hatte den größten Teil des Stroms in Litauen produziert.
Brüssel hatte die Abschaltung der Zentrale, die von der selben Bauart wie das Atomkraftwerk in Tschernobyl war, zur Bedingung für den EU-Beitritt des kleinen baltischen Staates im Mai 2004 gemacht. Der erste Reaktor war bereits am 31. Dezember 2004 heruntergefahren worden. Die Regierung in Vilnius hatte sich der für das Land tiefgreifenden Veränderung nur widerwillig gefügt.
Ignalina stand wegen mangelhafter Sicherheitssysteme immer wieder in der Kritik. Nach Rohrbrüchen und Leitungsrissen musste die Anlage mehrfach abgeschaltet werden. Ein Nachfolge-AKW, das die baltischen Länder zusammen mit Polen planen, soll erst in etwa zehn Jahren in der Nähe von Ignalina ans Netz gehen.
Das 3,3-Millionen-Einwohner-Land muss sich nun auf einen Preisanstieg von rund 30 Prozent für Privathaushalte und 20 Prozente für Unternehmen einstellen. Das Aus für das AKW verstärkt die Abhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen von russischen Strom- und Gaslieferungen. Die Beziehungen zwischen Vilnius und Moskau sind durch die einstige sowjetische Besatzung historisch belastet. Litauen ist bis heute nicht an westeuropäische Stromnetze angeschlossen, will sich nun aber an schwedische und polnische Leitungen hängen. Estland und die Ukraine haben zugesichert, ab dem 1. Januar Strom zu liefern.
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