Rettungsschiff "Lifeline" fährt mit geretteten Flüchtlingen im Mittelmeer | Bildquelle: AP

Rettungsschiff "Lifeline" Schutz im Windschatten von Malta

Stand: 27.06.2018 13:11 Uhr

Die Verhandlungen über die Flüchtlinge auf der "Lifeline" bleiben zäh. Nun darf das Schiff zumindest die Gewässer Maltas ansteuern, um dort Windschutz zu suchen. Eine Erlaubnis zum Anlegen fehlt weiter.

Das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff "Lifeline" darf nach fast einer Woche auf dem Mittelmeer in Richtung Malta steuern, aber nicht dort anlegen. "Die @MV_LIFELINE darf jetzt in Maltesische Gewässer, um Windschutz zu suchen", twitterte die Dresdner Organisation Mission Lifeline. Die etwa 230 Migranten und 17 deutschen Besatzungsmitgliedern auf dem Schiff harren seit fast einer Woche auf Hoher See aus.

Malta bestätigte, dass das Schiff zwar die Erlaubnis bekomme, in seine Hoheitsgewässer hineinzufahren, damit es nicht auf rauer See des Mittelmeeres ausharren müsse. In maltesische Häfen dürfe die "Lifeline" aber nicht, gab Innenminister Michael Farrugia bekannt.

Appell an EU-Staaten

Die Organisation appellierte an alle EU-Staaten, ihr Schiff rasch in einen Hafen einlaufen zu lassen, wie Sprecher Axel Steier der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Lage an Bord werde immer schlechter, mehrere Flüchtlinge seien in einer sehr schlechten Verfassung. "Das ist langsam eine Frage von Leben und Tod", sagte er.

Malta will das Boot nur anlegen lassen, wenn garantiert ist, dass andere EU-Staaten auch Flüchtlinge aufnehmen.

Mehrere Bundesländer bieten Hilfe an

Italien, Frankreich, Malta und Portugal hatten sich bereit erklärt. Auch die Bundesländer Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein haben Hilfe angeboten.

Die Bundesregierung hat sich dazu bisher nicht geäußert - aus Malta kam aber eine Anfrage, Flüchtlinge zu übernehmen. "Voraussetzung ist, dass der Bundesinnenminister dafür den Weg frei macht. Wir appellieren an ihn, dies zu tun", sagte der niedersächsische Innenminister und SPD-Politiker Boris Pistorius. Das Land Niedersachsen sei dann bereit, eine begrenzte Anzahl von Passagieren der "Lifeline" aufzunehmen. "Selbstverständlich hilft Niedersachsen Menschen in Not, gerade in so einem außergewöhnlichen Fall wie der Odyssee der Lifeline in den vergangenen Tagen", sagte Pistorius.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke signalisierte Aufnahmebereitschaft seines Bundeslandes. Brandenburg stehe zu seiner humanitären Verpflichtung, wenn Menschen in Not seien, sagte Woidke im Landtag. Das Bundesland habe ausreichend Kapazitäten und Möglichkeiten, um den Flüchtlingen zu helfen. Zunächst müsse jedoch das Bundesinnenministerium die rechtlichen Voraussetzungen für eine Aufnahme schaffen.

Vorwürfe gegen Kapitän der "Lifeline"

Das Boot hatte am Donnerstag rund 230 Migranten vor Libyen gerettet. Die italienischen und maltesischen Behörden werfen dem Kapitän vor, entgegen der Anweisungen aus Italien die Rettung übernommen zu haben. Der Besatzung drohen daher juristische Ermittlungen.

Die Bundesregierung hat bisher keine Hilfe zugesagt. Das Innenministerium in Berlin bestätigte nur, "dass Malta mit einer entsprechenden Bitte an die Bundesregierung herangetreten ist".

Flüchtlinge an Bord des deutschen Rettungsschiffes ''Lifeline'' | Bildquelle: dpa
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Auf dem Schiff befinden sich 233 aus Seenot gerettete Migranten.

Kritik an unionsinternem Asylstreit

NGOs und Oppositionspolitiker kritisierten, dass der unionsinterne Asylstreit zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer auf dem Rücken der Menschen an Bord der "Lifeline" ausgetragen werde. "Das Schicksal der Menschen auf der 'Lifeline', die nach wie vor nicht in Malta einlaufen kann, liegt bei Horst Seehofer, der die Kooperation verweigert", teilte die ebenfalls im Mittelmeer aktive Hilfsorganisation Sea-Watch mit.

Aus Sicht des Grünen-Abgeordneten Manuel Sarrazin, der Anfang der Woche an Bord des Schiffes war, hing die Lösung für die "Lifeline" nur noch an der Bundesregierung. "Wenn Deutschland sich an Verteilung der 234 Menschen an Bord beteiligt, steht der Deal", schrieb Sarrazin auf Twitter. Sarrazins Fazit: "Diese CSU spielt mit dem Schicksal der Menschen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 27. Juni 2018 um 12:00 Uhr.

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