Rettungsschiff "Lifeline" fährt mit geretteten Flüchtlingen im Mittelmeer | Bildquelle: dpa

Rettungsschiff im Mittelmeer Verwirrung um "Lifeline"-Schicksal

Stand: 27.06.2018 08:00 Uhr

Es schien, als ob eine Lösung für die "Lifeline" in greifbare Nähe gerückt wäre: Malta soll eine Anlegeerlaubnis gegeben haben. Am Abend allerdings hat das Land ein Einlaufen erneut verweigert.

Das Rettungsschiff "Lifeline" muss mit 233 Migranten und seiner deutschen Besatzung an Bord weiter auf dem Mittelmeer ausharren. Zwar soll sich Maltas Regierungschef Joseph Muscat nach Angaben seines italienischen Kollegen Giuseppe Conte bereit erklärt haben, das Schiff in Hoheitsgewässer des EU-Inselstaats einlaufen zu lassen. Eine Bestätigung Muscats blieb aber aus.

Über Twitter teilte die Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline mit, die Crew warte noch auf eine Ansage, welche EU-Länder die Insassen aufnehmen wollten. Noch am Abend habe Malta dem Schiff ein Einlaufen in dessen Hoheitsgewässer erneut verweigert. Aus maltesischen Regierungskreisen verlautete, eine Anlegeerlaubnis für die "Lifeline" hänge davon ab, ob sich auch andere EU-Staaten an einer Aufnahme der Migranten beteiligten.

Dazu sollen sich neben Italien und Malta mindestens zwei weitere Länder bereit erklärt haben. "Italien wird seinen Beitrag leisten und einen Teil der Migranten an Bord der 'Lifeline' aufnehmen - in der Hoffnung, dass andere europäische Länder das Gleiche tun, wie einige im Vorfeld angedeutet haben", teilte Conte mit.

Flüchtlinge an Bord des deutschen Rettungsschiffes ''Lifeline'' | Bildquelle: dpa
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Auf dem Schiff befinden sich 233 aus Seenot gerettete Migranten.

"Politische Krise"

Frankreich hat bereits seine Unterstützung zugesagt. Staatspräsident Emmanuel Macron sagte, sein Land und andere Staaten arbeiteten an einem Plan, wie die mehr als 200 Migranten aufgeteilt werden sollen.

Auf dem Schiff befinden sich 233 aus Seenot gerettete Migranten. Seit sechs Tagen hatte die Crew der "Lifeline" einen Hafen gesucht, in dem sie anlegen und die Geretteten an Land bringen kann. Macron sprach mit Blick auf die Migration von einer "politischen Krise". Er habe darüber mit Papst Franziskus bei seiner Audienz im Vatikan gesprochen.

Malta, Spanien und Italien hatten der "Lifeline" zuvor verweigert, einen Hafen in ihren Ländern anzulaufen. Das Schiff harrt deshalb seit Tagen in internationalen Gewässern vor der Küste Maltas aus.

"Für Frauen und Kinder sind die Häfen offen"

Die Hängepartie erinnert an den Fall des Rettungsschiffs "Aquarius", das von französischen Helfern betrieben wird. Mit 630 Migranten an Bord musste es eine Woche auf dem Mittelmeer warten, nachdem Malta und Italien keine Anlegegenehmigung erteilen wollten. Schließlich ließ Spanien die Insassen an Land, die "Aquarius" musste dafür eine zusätzliche Strecke von 1500 Kilometern nach Valencia zurücklegen.

Aus Seenot gerettete Migranten blicken von dem Rettungsschiff ''Aquarius'' (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Die "Aquarius" mit 630 Migranten an Bord musste eine Woche auf dem Mittelmeer warten.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Partei Lega hat klargestellt, dass er Rettungsschiffe mit Migranten an Bord nicht länger anlegen lassen will. In einem Tweet zur "Lifeline" schrieb er, das "illegale Schiff wird letztlich beschlagnahmt", wenn es auf Malta ankomme. "Für Frauen und Kinder, die wirklich vor Krieg fliehen, sind die Häfen offen, für alle anderen nicht."

Maltas Regierungschef Muscat teilte mit, im Falle eines Anlegens dort müsse die Crew der "Lifeline" mit einem Ermittlungsverfahren rechnen. Dabei soll es darum gehen, wieso die Besatzung angeblich Anweisungen der italienischen Behörden ignoriert habe, die die Rettungsaktion zunächst koordiniert hätten. Behörden haben zudem die Rechtmäßigkeit des Schiffs infrage gestellt, das unter holländischer Flagge segelt und von Mission Lifeline aus Dresden betrieben wird.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Juni 2018 um 08:00 Uhr.

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