USA und UNO heben Sanktionen auf Gaddafi-Gelder frei für Wiederaufbau in Libyen

Stand: 17.12.2011 04:52 Uhr

Zwei Monate nach dem Tod des einstigen Diktators Muammar al Gaddafi hat der Weltsicherheitsrat die UN-Sanktionen gegen die libysche Zentralbank und die libysche Auslandsbank aufgehoben. Damit können Milliardenbeträge, die das Gaddafi-Regime im Ausland angelegt hatte, nach Bedarf in das weitgehend zerstörte Land zurückfließen.

Der Nationale Übergangsrat in Tripolis hatte die Freigabe der Gelder diese Woche beim Sanktionskomitee des Rates in New York beantragt. Nachdem kein Widerspruch von einem seiner 15 Mitglieder erfolgt war, strich der Rat die beiden Banken von der Sanktionsliste für Libyen.

Washington gibt 30 Milliarden Dollar frei

Unmittelbar nach der Entscheidung im Sicherheitsrat gab die US-Regierung eingefrorene libysche Vermögen in Höhe von mehr als 30 Milliarden Dollar frei. Wie das Finanzministerium in Washington mitteilte, hat der Übergangsrat in Tripolis nun "die Möglichkeit und die Verantwortung", über in den USA bisher geblockten Vermögenswerte zu verfügen.

Weiterhin gesperrt seien jedoch Gelder der libyschen Investitionsbehörde (LIA), da diese noch nicht von der UN-Sanktionsliste gestrichen worden sei. Ausgenommen sind nach Auskunft des Weißen Hauses weiterhin diverse Besitzstände der Familie Gaddafi und einiger Vertreter der ehemaligen Staatsführung.

Der britische Außenminister William Hague kündigte an, dass auch London die Auslandsguthaben Libyens in Großbritannien im Umfang von gut zehn Milliarden Dollar umgehend freigegeben will.

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Gaddafi - ein Rückblick in Bildern

Vom Revolutionsführer zum Gejagten

Gaddafi im Juni 2010

Am 20. Oktober 2011 kommt die Nachricht, dass der ehemalige libysche Machthaber Mummar al Gaddafi in seiner Heimatstadt Syrte gefasst wurde. Fernsehsender zeigen ein Foto, das den Tod Gaddafis belegen soll. Auf dem Bild ist der vermutlich tote Gaddafi mit blutverschmiertem Gesicht zu sehen. Gaddafi war Afrikas dienstältester Herrscher. Er wurde nach eigenen Angaben in der Wüste nahe der Stadt Syrte geboren. (Archivfoto Juni 2010)

Sanktionen seit Ausbruch der Gewalt

Die internationalen Strafmaßnahmen waren im Februar im Zusammenhang mit dem Aufstand gegen Gaddafis 42-jährige Herrschaft und dessen brutales Vorgehen gegen die Bevölkerung verhängt worden. Ein halbes Jahr später floh Gaddafi aus der Hauptstadt Tripolis. Ende Oktober wurde er bei der Einnahme seiner Heimatstadt Sirte durch die Truppen des Übergangsrates unter ungeklärten Umständen getötet.

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Wichtige Männer im neuen Libyen

Mustafa Abdel Dschalil

Mustafa Abdel Dschalil ist seit Ende August Vorsitzender des Nationalen Übergangsrates und damit führender Politiker der neuen Machthaber. Der 1952 geborene Jurist gilt als konservativ und als frommer Muslim.

Unter Gaddafi war er von 2007 an Justizminister. Bereits während seiner Amtszeit kritisierte er mehrfach Verstöße gegen Menschenrechte. Im Februar 2011 trat er zurück und schloss sich den Aufständischen an - aus Protest gegen die Gewalt, mit der die Regierung gegen unbewaffnete Demonstranten vorging. Trotz seiner einstigen Zugehörigkeit zum Gaddafi-Regime genießt Dschalil unter den Rebellen Respekt. Kritiker bemängeln aber, er sei nicht stark genugt, um dauerhaft ein herausragendes politische Amt bekleiden zu können.

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