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Mit dem Foto eines Widerstandskämpfers und zahlreichen Orden am Revers ist Libyens Staatschef Gaddafi von Italiens Premier Berlusconi empfangen worden. Die Proteste gegen seinen Besuch sind unübersehbar: "No camping, Gaddafi" steht auf einem Plakat nahe seinem Beduinenzelt.
Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom
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Am römischen Flughafen Ciampino war der größtmögliche Bahnhof für den libyschen Diktator Muammar al Gaddafi bereitet. Premier Silvio Berlusconi persönlich war zur Begrüßung geeilt. Aber der Libyer schenkte seinen Gastgebern nichts: An das vom Betrachter aus linke Revers der fantasieartig wirkenden Uniform hatte sich Gaddafi ein gerahmtes Foto geheftet. Es zeigt den Helden des anti-italienischen Widerstands in Libyen, Omar al Mukthar, den auch religiösen Führer des Aufstands gegen die Besatzungsmacht, den italienisch-faschistische Schwadronen 1931 fingen und der von Benito Mussolini zum Tod verurteilt wurde. Der letzte Nachkomme des Omar al Mukhtar, des Wüstenlöwen, wie er hieß, heute ein Greis, kam direkt hinter Gaddafi die Gangway herab.
Wenn hier einer ein neues Kapitel in den Beziehungen aufschlägt, dann ich, so hätte man diesen auf diplomatischem Parkett ziemlich einmaligen Auftritt deuten können. Auf der anderen Brustseite trug der Oberst Orden en masse, sein dichtes schwarzes Haar quoll unter der Admirals-gleichen Mütze hervor. Einen Schnurrbart wie ein angehender D´Artagnan, das aufgedunsene Gesicht zum Großteil hinter der Sonnenbrille verborgen, begab sich Gaddafi nach dem Begrüßungsprotokoll, das keine Reden am Rollfeld vorsah, in den Quirinalspalast.
Aber die Kritik an Gaddafis Besuch wächst, vor allen Dingen an seinem für morgen geplanten Auftritt im Senat zu Rom. Dort versammelten sich heute noch einmal die Fraktionschefs der oppositionellen Parteien, um über geeignete Protestgesten nachzudenken. Vertreter der Demokraten, von "Italien der Werte" und den Radikalen halten es für undenkbar, dass eine demokratische Volksvertretung einem Diktator die Ehre erweist, der in seinem Land die Menschenrechte krass missachtet.
Marco Perduca, Senator von der Radikalen Partei, sieht in Gaddafi schlicht "jemanden, der vor 40 Jahren die Macht an sich gerissen hat und seitdem systematisch jede abweichende Meinung unter Einsatz von Gewalt unterdrückt". Auch einige Professoren der Universität Sapienza, wo Gaddafi morgen sprechen soll, sprachen sich offen gegen diesen Auftritt aus.
[Bildunterschrift: Gaddafi bei seiner Ankunft in Rom: Links ein Bild des libyschen Widerstandskämpfers al Mukhtar auf der Brust, rechts eine lange Reihe von Orden und Auszeichnungen. ]
Während die Wirtschaftsgespräche zwischen den Delegationen langsam anrollen, steigt die Spannung: "No camping, Gaddafi – zelte doch in Berlusconis sardischer Villa", so ein freches Plakat nahe dem Park, in dem Gaddafis Beduinenzelt steht. Zwar nächtigt der Colonello direkt im Gebäude der Villa Doria Pamphili, einige Abordnungen empfängt er allerdings stilecht in diesem Großzelt, das mit Teppichen ausgelegt ist und sogar über einen Kronleuchter verfügt.
Italien freut sich über den Schlussstrich unter eine schändliche Kolonialvergangenheit. Aber bizarr genug fällt der historische Besuch des Libyers hierzu immer noch aus.
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