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Der libysche Machthaber Muammar Gaddafi hat in einer Rede an Tausende seiner Anhänger damit gedroht, den Krieg nach Europa zu tragen. Sollte die NATO ihre Angriffe nicht einstellen, dann könnten die Libyer "wie Heuschrecken, wie Bienen über Europa herfallen".
"Eure Häuser, Büros, Familien würden legitime militärische Ziele werden, so wie Ihr unsere Häuser angegriffen habt", zitierte die britische BBC den libyschen Machthaber. Wenn sich die NATO nicht zurückziehe, werde das großartige libysche Volk den Staaten des Bündnisses eine "Katastrophe" bescheren, drohte er weiter in einer Audio-Botschaft an Pro-Gaddafi-Demonstranten, die sich gestern auf dem Grünen Platz in Tripolis versammelt hatten.
In Washington erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner, die USA würden die Drohungen ernst nehmen. Gaddafi sei sicher jemand, der diese Drohungen umsetzen könne, zitierte ihn der Nachrichtensender CNN. Das mache ihn so gefährlich. Allerdings neige der libysche Machthaber auch zu rhetorischen Übertreibungen. Den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy bezeichnete Gaddafi in seiner teils wirren Rede jeweils als "meinen armen Freund". US-Präsident Barack Obama nannte er "meinen Sohn".
Die NATO weitete derweil ihre Luftangriffe auf den von Gaddafi kontrollierten Westen aus: Mehr als 50 militärische Ziele seien in dieser Woche in der Region zerstört worden, teilte das Militärbündnis mit. Ziel der jüngsten Luftangriffe seien vor allem Gaddafi-Truppen in Städten und an wichtigen Verbindungswegen gewesen, hieß es in einer Stellungnahme. Neben Tripolis sei in den vergangenen Tagen auch die Stadt Gharjan bombardiert worden, die am östlichen Zugang zu den Nafusa-Bergen und an einer Hauptstraße nach Tripolis liegt.
[Bildunterschrift: Die AU-Konferenz in Malabo will den Weg zu Gesprächen zwischen den libyschen Konfliktparteien bereiten. ]
Unterdessen hat die Afrikanische Union (AU) den libyschen Konfliktparteien Friedensgespräche angeboten. Die Gemeinschaft sei bereit, in Verhandlungen über einen Waffenstillstand und den Übergang zu einer demokratischen Regierung als Gastgeber aufzutreten, teilten die Staats- und Regierungschefs der AU mit.
Die Erklärung ließ offen, ob es in der Zukunft Libyens eine Rolle für Gaddafi geben soll. Die vom Westen unterstützten Rebellen machen bislang eine Ablösung Gaddafis zur Bedingung für ein Ende ihres Kampfes.
Ziel der Gespräche seien eine Übergangsregierung und Wahlen, hieß es. Der Weg dorthin solle im Konsens und unter Einbeziehung aller Beteiligten gestaltet werden. Der Vorschlag wurde den Konfliktparteien bei dem Gipfeltreffen in Äquatorialguinea unterbreitet. Beide Seiten waren dort mit einer Delegation vertreten, reagierten zunächst aber nicht auf den Vorschlag. Dem südafrikanischen Staatschef Jacob Zuma zufolge soll es bald Gespräche am Sitz der AU in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba geben.
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