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Attacke auf US-Konsulat in Bengasi
US-Geheimdienste vermuten Terrorangriff
Der Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi hat möglicherweise einen terroristischen Hintergrund. Die US-Geheimdienste gehen mittlerweile von einem geplanten Angriff aus. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Mike Rogers, sagte dem Sender CNN gar, die Attacke trage die Handschrift des Terrornetzwerks Al Kaida. Der Angriff sei "geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt" worden.
Vom Pentagon gab es für diese Aussagen keine Bestätigung. Allerdings gehen die Verteidigungsexperten davon aus, dass es eine "komplexe Attacke" gewesen sei. Ein Sprecher des Weißes Hauses erklärte ebenfalls, dass es für ein klares Urteil noch zu früh sei.
Das Konsulat war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. Der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Zunächst hatte es geheißen, es habe sich um einen spontanen Überfall gehandelt.
Angriffe auf US-Botschaften in der arabischen Welt weiten sich aus
tagesschau 12:00 Uhr, 13.09.2012, Matthias Ebert, ARD Kairo
Proteste in arabischen Ländern
Als Auslöser für die Gewaltattacke in Libyen gilt ein in den USA produzierter Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Die Proteste dagegen erreichten inzwischen mehrere arabische Länder. Im Jemen wurde die Botschaft gestürmt. Ausschreitungen gab es auch in Ägypten, Tunesien und Marokko.
Karin Dohr (ARD Washington) zu den Spekulationen um den Anschlag
ARD-Morgenmagazin, 13.09.2012
Spekulationen über Identität des Filmemachers
Derweil wird über die Macher des Films spekuliert. In einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur AP stellte sich der Filmemacher als Sam Bacile vor. Er sei ein 56-jähriger in Israel geborener jüdischer Projektentwickler aus Kalifornien und Autor, Produzent und Regisseur des Films "Innocence of Muslims". Unter dem Namen Bacile waren Ausschnitte des Films bereits am 2. Juli online gestellt worden.
Doch nun kamen Zweifel an der Identität des Mannes auf. Ein christlicher Aktivist, der an dem Filmprojekt beteiligt war, erklärte, Bacile sei ein Pseudonym und der Mann weder Jude noch Israeli. Eine Gruppe von im Nahen Osten geborenen Amerikanern hätte an dem Film mitgearbeitet. Israelischen Kreisen zufolge gibt es im Land auch keinen Eintrag über einen israelischen Staatsbürger namens Bacile.
Drohnen, Kriegsschiffe und FBI-Experten
Um die Ermittlungen in Libyen zu unterstützen, entsandte das FBI Expertenteams dorthin. Zudem verlegt das Pentagon zwei Kriegsschiffe vor die libysche Küste. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer "USS Laboon" habe seine Position bereits erreicht. Die "USS McFaul" werde innerhalb weniger Tage ankommen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandeuren jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, den die US-Regierung anordne.
Ein weiterer ranghoher US-Vertreter sagte CNN zufolge, dass das Weiße Haus voraussichtlich Drohnen nach Libyen schicken werde, um Extremisten aufzuspüren, die womöglich mit dem Angriff zu tun hätten. Die Informationen sollten dann den libyschen Behörden ausgehändigt werden, hieß es. Aus US-Quellen verlautete, es würden auch 50 US-Marineinfanteristen nach Libyen geschickt.
Mehr Schutz für US-Auslandsvertretungen
US-Präsident Barack Obama verurteilte den Angriff auf die Botschaft und kündigte an, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Er ordnete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für die diplomatischen US-Vertretungen im Ausland an, besonders in Libyen. Die Flaggen an Regierungsgebäuden und militärischen US-Einrichtungen in der ganzen Welt wurden auf Halbmast gesetzt.
Die Angriffe auf US-Vertretungen in Libyen und Ägypten führten auch zu einem Schlagabtausch im US-Präsidentschaftswahlkampf. Obama warf seinem Herausforderer Mitt Romney eine Taktik nach dem Motto "erst schießen und dann zielen" vor, nachdem dieser seine Reaktion auf die Attacken kritisiert hatte. Romney scheine eine solche Tendenz an den Tag zu legen und eines der Dinge, die er als US-Präsident gelernt habe, sei, "dass man genau das nicht tun darf", sagte Obama dem Sender CBS News.
Stand: 13.09.2012 12:12 Uhr
