Karte: Libyen und Italien

Libyen Mindestens 97 Flüchtlinge vermisst

Stand: 13.04.2017 18:29 Uhr

Vor der Küste Libyens ist erneut ein Boot mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord gesunken. 23 Überlebende konnten rund sechs Seemeilen vor Tripolis aus dem Meer gerettet werden. Mindestens 97 Menschen werden aber noch vermisst.

Vor der libyschen Küste werden 97 Menschen vermisst. Ihr Flüchtlingsboot sei auseinandergefallen, teilte die Küstenwache mit. Rund sechs Seemeilen vor Tripolis seien 23 Menschen aus mehreren afrikanischen Ländern gerettet worden. Unter den Vermissten seien 15 Frauen und fünf Kinder.

Libyen gilt als eines der Hauptdurchgangsländer für Menschen, die auf der Flucht vor Armut, Hunger und Krieg aus Afrika nach Europa wollen. Schlepper setzen sie in oft kaum seetüchtige Boote, die sie dann meist nach Sizilien oder Malta bringen sollen. Viele Schiffe verunglücken jedoch. Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex kamen im vergangenen Jahr mindestens 4597 Menschen ums Leben.

Libyen ist mit Schlepperbanden überfordert

Die EU versucht, dem Flüchtlingszuzug über das Mittelmeer durch Vereinbarungen mit nordafrikanischen Staaten zu begegnen. Libyen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Doch ist es dem zerrütteten Staat bisher nicht gelungen, wie vereinbart die Schlepperbanden aufzuhalten.

Auch verstärkte Patrouillen-Fahrten helfen wenig. Frontex-Chef Fabrice Leggeri sagte im Februar, je mehr Retter die internationale Gemeinschaft in die Gewässer vor Libyen sende, desto voller packten Schmuggler die nicht seetüchtigen Boote, weil sie davon ausgehen könnten, dass die Insassen vor der Küste von Frontex-Schiffen gerettet werden. Laut Leggeri schickten Schlepper im Jahr 2015 noch rund 100 Menschen pro Boot aufs offene Meer, 2016 waren es dann schon 160, ohne dass die Boote größer geworden wären. Die Bundesregierung erklärte, sie unterstütze ein Exportverbot für Boote aus der EU nach Libyen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2017 um 20:00 Uhr.

Darstellung: