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Die schiitische Hisbollah ist ein politisch-militärisches Ziehkind Irans und stellt im Libanon eine bedeutende Kraft dar. Bei der schiitischen Bevölkerung ist die Hisbollah nicht zuletzt wegen ihres sozialen Engagements beliebt.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Die schiitische Hisbollah ist ein politisch-militärisches Ziehkind Irans. Sie entstand nach der israelischen Libanon-Invasion 1982. Damals schickte Teheran 1.500 Revolutionswächter ins Zedernland, um den dortigen Schiiten ein Instrument des Widerstandes zu geben. Initiiert wurde dieser Schritt vom damaligen iranischen Botschafter in Syrien, Ali Akbar Mohtashemi, einem strengen Parteigänger Khomeinis und dessen Islamischer Revolution, welcher später iranischer Innenminister wurde.
[Bildunterschrift: Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah ]
Während die Hisbollah in den ersten Jahren ihrer Existenz die Anordnungen aus Iran sozusagen widerspruchslos übernahm, reagiert die Organisation unter ihrem jetzigen Führer, Hassan Nasrallah, deutlich selbstbewußter. Diese Wandlung veranlasste Ziehvater Mohtashemi vor zwei Jahren zu der Bemerkung, die Hisbollah-Kämpfer als Schüler der iranischen Revolutionswächter zu bezeichnen, welche ihre Lehrer längst überflügelt hätten.
Im Sommer 2006 provozierte die Schiitenmiliz einen mehrwöchigen Krieg mit Israel, welchen keine Seite für sich entscheiden konnte, dessen Ende die Hisbollah aber als Sieg feierte. Trotz ihrer gewissen Selbständigkeit nimmt die Hisbollah gerne die nach wie vor geltende Hilfe Irans in Anspruch, wo inzwischen mehr als 3000 ihrer Kämpfer ausgebildet wurden. Zudem versorgt Teheran seinen Schützling regelmäßig mit Waffen, deren Zahl im Sommer 2006 mit etwa 12.000 Raketen und Projektilen angegeben wurde. Die meisten sind iranische bzw. syrische Nachbauten alter Sowjetgeschosse.
[Bildunterschrift: In Beirut versammelten sich zehntausende Hisbollah-Anhänger zum Aschura-Fest. ]
Auf der einen Seite – nämlich gegenüber Israel – ist die Hisbollah ebenso wie die Führung in Teheran kompromisslos. Die Existenz des Staates wird nicht anerkannt. Andererseits ist man im Libanon offen gegenüber möglichen Mitstreitern. Entsprechend haben sich die militanten Schiiten mit einem Teil der christlichen Maroniten verbündet. Zudem genießt die Organisation – wie die meisten islamistischen Bewegungen im Nahen Osten – den Ruf, nicht korrupt zu sein und eine gute Sozialarbeit zu leisten.
Das Geld hierfür bezieht man aus einem Netzwerk, das seinen Ausgangspunkt beim libanesisch-schiitischen Großayatollah, Scheich Mohammed Hussein Fadlallah, hat, welcher auch als Spiritus Rector der Hisbollah angesehen wird. Die Summe, die dabei von der weitverzweigten Spendergemeinde eingeht, wird auf monatlich über 10 Millionen Dollar geschätzt und übertrifft damit die Finanzhilfe aus Teheran.
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