Im Libanon feiert eine Frau die Wahl Michel Aouns zum Präsidenten. | Bildquelle: dpa

Ex-General Aoun wird neuer Präsident Ende des Stillstands im Libanon

Stand: 03.11.2016 14:35 Uhr

Blick in Richtung Westen oder enge Partnerschaft mit Syrien und dem Iran? Lange war im Libanon über diese Entscheidung gestritten worden. Mit der Wahl Michel Aouns zum Präsidenten ist nun klar: Die pro-westliche Allianz hat verloren.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Die Abgeordneten im Libanon zählten mit. Als die 64. Stimme für Michel Aoun gezählt wurde, rief einer den ersten Glückwunsch. Bei der 65. Stimme, als Aoun es geschafft hatte, gab es Jubel und Applaus.

Schließlich stimmten 83 der 127 anwesenden Abgeordneten für Aoun. Damit ist der Traum des ehemaligen Armee-Generals endlich in Erfüllung gegangen. Seit vielen Jahren hatte Aoun das oberste Staatsamt im Visier; um es zu erreichen, verbündete er sich sogar mit der Hisbollah und wechselte in das pro-syrische Lager, einst seine schlimmsten Feinde im Libanon.

Direkt nach der Wahl legte der 83-Jährige den Eid auf die Verfassung ab. In einer kurzen Rede versprach er anschließend, den Libanon vor den "Feuern" zu schützen, die in der Region wüteten.

Michel Aoun | Bildquelle: REUTERS
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Der neue Präsident Michel Aoun ist eine umstrittene Figur im Libanon.

Wahl stärkt Christen im Land

Dass der Libanon nun wieder einen Präsidenten hat, ist vor allem für die Christen im Land wichtig. Während der Regierungschef stets ein Sunnit und der Parlamentsvorsitzende ein Schiit zu sein hat, ist das Amt des Staatschefs laut Verfassung einem maronitischen Christen vorbehalten. Die fast zweieinhalb Jahre ohne Präsident bedeuteten deshalb eine schleichende Schwächung der christlichen Gemeinschaft.

Auf den Straßen von Beirut ist das Aufatmen deutlich zu vernehmen. "Das ist gut, das ist ein guter Mann, und wir haben wieder einen Präsidenten", sagt ein Passant, und ein anderer wird deutlicher: "Was zählt, ist, dass die Dinge im Land funktionieren. Das waren zu viele Jahre ohne Präsident."

Blick in Richtung Iran und Syrien

Aouns Wahl war erst möglich geworden, als Saad Hariri, ehemaliger Ministerpräsident und einst die Galionsfigur des pro-westlichen Lagers, seinen Widerstand vor wenigen Tagen aufgab und seinen einstigen Kontrahenten unterstützte. Hariri reagierte damit auf die Tatsache, dass seine Schutzmacht Saudi-Arabien ihn im Frühjahr fallengelassen hatte. Danach brach die pro-westliche Allianz zusammen.

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Der Kommentator bei der Zeitung "An-Nahar", Nabil Boumonsef, erläutert: "Der Libanon ist für Saudi-Arabien nicht länger eine Priorität, und Saudi-Arabien unterstützt seine Verbündeten im Libanon nicht mehr." Das führe zur Schwächung des wichtigsten saudischen Partners, Saad Hariri.

Der Krieg in Syrien, der Konflikt im Nachbarland Jemen - diese Brennpunkte sind den Saudis mittlerweile wichtiger als der Libanon. Für die Libanesen heißt das: Ihr Richtungsstreit untereinander darüber, ob das Land eher nach Westen blicken oder eine enge Partnerschaft mit Syrien und Iran pflegen soll, ist vorerst entschieden. Die Wahl des Hisbollah-Alliierten Michel Aoun macht das überdeutlich.

Michel Aoun zum Präsidenten gewählt
C. Kühntopp, ARD Kairo
31.10.2016 16:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Oktober 2016 um 7:36 Uhr

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