Libanesische Soldaten nehmen IS-Stellungen ins Visier (Archiv) | Bildquelle: AP

Offensive an syrischer Grenze Libanons Armee will den IS vertreiben

Stand: 19.08.2017 12:50 Uhr

Schon vor Jahren begannen IS-Kämpfer damit, aus Syrien in den Libanon vorzudringen - inzwischen kontrollieren sie dort Hunderte Quadratkilometer. Jetzt hat die libanesische Armee eine Offensive angekündigt, um die Dschihadisten zu vertreiben.

Die libanesische Armee hat eine Offensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) begonnen. Der Einsatz nahe der Grenze zu Syrien sei "im Namen des Libanon, der gefangenen Soldaten und des Blutes der Märtyrer" gestartet worden, erklärte Armeechef Joseph Aoun. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, die Armee beschieße IS-Positionen mit Artillerie. Anwohner berichteten, in der Region seien heftige Bombardierungen zu hören. Die libanesischen Behörden betonen, sich bei der Mission nicht mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und dessen Truppen abzusprechen.

Der IS kontrolliert Gebiete am Rand der Grenzstädte Ras Baalbek und Al-Kaa. Libanesische Politiker erklärten, es gehe um ein Gebiet von rund 300 Quadratkilometern. Die Extremisten haben noch immer neun libanesische Soldaten in ihrer Gewalt, die sie bei Gefechten mit der Armee im Jahr 2014 gefangen genommen hatten. Die Kämpfer stammen ursprünglich aus Syrien und haben den Libanon über die Jahre infiltriert.

Die Armeeführung erklärte, Ziel sei es, den IS zu zerstören und das Gebiet bis zur Grenze mit Syrien wieder einzunehmen. Nach Militärangaben befinden sich dort rund 600 IS-Kämpfer. In der Grenzregion um den Ort Arsal hatten sich bis vor Kurzem neben IS-Anhängern auch Kämpfer des syrischen Al-Kaida-Ablegers Tahrir al-Scham sowie andere Rebellen aufgehalten.

Hisbollah-Kämpfer vertrieben Al-Kaida-Verbündete

Die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah hatte im Juli eine Offensive gegen den Al-Kaida-Ableger begonnen. Mehr als 1000 Kämpfer der radikalen Gruppe zogen schließlich Anfang August nach einer Waffenruhe Richtung Syrien ab.

Die vom schiitischen Iran finanzierte Hisbollah unterstützt im Bürgerkrieg die syrische Regierung. Ihre Mitglieder kämpfen an der Seite von Regierungstruppen gegen Rebellen und IS-Extremisten. Der Libanon und Syrien haben historisch gewachsen enge Verbindungen. Der Syrien-Konflikt schwappt seit seinem Ausbruch im Frühjahr 2011 immer wieder über die Grenze.

Im Libanon haben nach UN-Angaben mehr als eine Millionen syrische Flüchtlinge Zuflucht gefunden. Für das kleine Land mit rund sechs Millionen Einwohnern stellt das eine schwere Belastung dar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2017 um 12:55 Uhr.

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