Das Symbolfoto zeigt eine Spritze vor dem Wort Doping | Bildquelle: dpa

Leichtathletik Doping, Korruption - und Schweigen

Stand: 25.11.2016 11:44 Uhr

Der Dopingskandal in der internationalen Leichtathletik nimmt ein bislang ungeahntes Ausmaß an. Die Affäre reicht bis in die höchsten Verbandsgremien. Denn offenbar wurde jahrelang Schutzgeld kassiert und dafür geschwiegen.

Von Hajo Seppelt und Daniel Bouhs

Schutzgeld und dubiose Geldflüsse: Nach Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde" und der ARD-Dopingredaktion sollen diese mafiösen Instrumente über Jahre in der internationalen Leichtathletik zum Einsatz gekommen sein. Führende Vertreter des Weltleichtathletikverbandes IAAF haben demnach extrem auffällige Blutwerte aus dem Jahr 2011 und auch aus folgenden Jahren von mindestens sechs Spitzensportlern bewusst ignoriert - gegen Zahlungen von jeweils 300.000 bis 700.000 Euro.

Die organisierte Vertuschung mutmaßlichen Dopings nimmt damit in der Welt der Leichtathletik ein bislang ungeahntes Ausmaß an. Und wieder stehen dabei vor allem Sportler aus einer Nation im Fokus: Athleten aus Russland.

Schutzgeld für das Schweigen?

Das alles geht aus Unterlagen der Pariser Staatsanwaltschaft für Finanzdelikte hervor. Die Ermittler hatten ihre Untersuchung nach einem Bericht der ARD aus dem Jahr 2014 aufgenommen. Damals stand noch allein die russische Läuferin Liliya Shobukhova im Fokus.

Inzwischen ergibt sich den Ermittlern allerdings ein viel größeres Bild: Nachdem es auch bei ihnen auffällige Doping-Kontrollen gegeben hatte, sollen auch Shobukhovas Landsleute Valeri Borchin (Gehen), Olga Kaniskina (Gehen), Vladimir Kanaikin (Gehen), Sergey Kirdyapkin (Gehen) und Yuliya Zaripowa (Hindernis und Langstrecke) Schutzgeld an IAAF-Funktionäre gezahlt haben.

Im Ergebnis - so zeigen es die Ermittlungsakten - soll die IAAF die auffälligen Blutwerte bewusst ignoriert haben. Die russischen Athleten konnten demnach unbehelligt bei internationalen Wettkämpfen wie Olympia und Weltmeisterschaften antreten und Medaillen gewinnen. Laut den Unterlagen, die die ARD einsehen konnte, sind diese sechs Athleten Teil einer Liste von insgesamt 23 Sportlern, die in Dokumenten im Zusammenhang mit Doping-Vertuschung auftauchen.

Ermittlungen wegen Dopingvertuschungen im Umfeld der IAAF
tagesschau 14:00 Uhr, 25.11.2016, Hajo Seppelt/Daniel Bouhs, RBB

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E-Mails belasten IAAF-Mitarbeiter

Die Beweislast der Ermittler ist erdrückend: IAAF-Mitarbeiter haben den damaligen russischen Verbandspräsidenten Valentin Balakhnichev, einst auch Schatzmeister des Weltverbandes IAAF, wiederholt per E-Mail von den auffälligen Blutwerten seiner Athleten in Kenntnis gesetzt. In eigenen E-Mails erinnerten russische Verbandsfunktionäre wiederum den Weltverband an die neuen Abhängigkeiten: "Wenn wir es als Deal bezeichnen, wäre das viel zu diplomatisch. Es war zynische gemeine Erpressung. [...] Der Ruf der IAAF, ihres Präsidenten und der hauptverantwortlichen Anti-Doping-Mitarbeiter wird einen großen schwarzen Fleck abbekommen." Außerdem heißt es in dem Schriftverkehr der Russen: "Wir werden nicht mehr schweigen. [...] Wir haben genug Beweise, die kriminelle Aktivitäten der IAAF-Leute belegen."

Die IAAF-Funktionäre sollen zudem im Hintergrund eifrig Geld umgeschlagen haben. Die Pariser Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass etwa Balakhnichev 1,5 Millionen Euro an den damaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack überwiesen hat. Die Ermittler haben Diack dazu erst kürzlich befragt, nachdem sie ihn wegen des Verdachts auf Korruption und schwere Geldwäsche angeklagt haben. Diacks Antwort: "Es wurde nicht über Zahlungen durch russische Athleten gesprochen, zu keinem Moment. Ich hätte niemals einen Sportler um Geld gefragt oder Geld von einem angenommen - auch nicht von Valentin. Müsste ich Russen um Geld bitten, dann würde ich Putin fragen."

Ex-IAAF-Präsident verdiente kräftig mit

Unterdessen soll auch Diacks Sohn Papa Massata Millionen verschoben haben, unter anderem über Offshore-Konten. Auch hier fällt in den Unterlagen der Name Balakhnichev als Eigentümer einer Offshore-Firma auf Saint Kitts and Nevis in der Karibik.

Recherche Doping: SMS | Bildquelle: WDR
galerie

Auch Ex-IAAF-Präsident Diack soll für sein Schweigen kräftig kassiert haben.

Vater und Sohn Diack sollen auch an den Vertuschungen der Doping-Befunde kräftig mitverdient haben. Das wiederum geht aus SMS-Nachrichten zwischen Sohn Papa Massata Diack und einem für die IAAF tätigen Juristen, Habib Cissé, hervor. Gegen den Pariser Anwalt ist ebenfalls Anklage wegen Korruptionsverdachts erhoben worden. Diack schrieb an Cissé: "Sieh' zu, dass Du die erhaltenen 50.000 Euro aus dem Shobukhova-Fall bis Montag zurückzahlst." Der Anwalt bittet um 15 Tage Zeit. "Ich kann den Präsidenten nicht warten lassen", erwidert Diack, "fünf sind okay".

Wusste die WADA Bescheid?

Nach den Erkenntnissen der französischen Ermittler soll es überdies "Regieanweisungen" bei Dopingfällen gegeben haben, wie im Fall Shobukhova. Dass sich die damals weltbeste Marathonläuferin beim Olympiastart 2012 in London verletzte und damit gar nicht erst das Ziel erreichte, war offensichtlich beabsichtigt, wie sich in Dokumenten aus russischen Verbandskreisen zeigt, die bei IAAF-Anwalt Cissé sichergestellt wurden. Die Läuferin habe demnach zwar teilnehmen, aber keine Medaille gewinnen dürfen. Das augenscheinliche Kalkül: Falls es im Nachhinein doch zu einer Dopingsperre gekommen wäre, hätte Shobukhova keine Medaille aberkannt werden können.

Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) spielt in der neuen Affäre offenkundig eine unrühmliche Rolle. Die ARD-Dopingredaktion hatte WADA-Präsident Craig Reedie Mitte November mit den Unterlagen konfrontiert. Der gab sich ahnungslos und behauptete, von den mutmaßlichen Schutzgeldzahlungen nie etwas gehört zu haben. Dabei hat die WADA im Herbst 2014 selbst in einem Schreiben die IAAF-Ethikkommission sowohl über die auffälligen Blutwerte der russischen Athleten als auch über den Verdacht der Schutzgeldzahlungen informiert. Die WADA ist diesen alarmierenden Vorgängen allerdings danach selbst nicht aktiv nachgegangen.

"Ein unglaublicher Schaden für den Sport"

Haben Personen innerhalb der IAAF bewusst Sportgroßereignisse wie die Weltmeisterschaft 2013 in Moskau und die Olympischen Spiele 2012 in London verfälscht? Die IAAF will sich zu diesen schweren Vorwürfen nicht öffentlich äußern. Der Präsident des deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, findet unterdessen deutliche Worte. Er sagte der ARD, die neuen Erkenntnisse machten ihn "fassungslos". Die Praxis sei "schlichtweg kriminell". Die Ethikkommission der IAAF habe "glatt versagt" und die Folgen für die Glaubwürdigkeit der Organisation seien "katastrophal", sagte Prokop weiter und sprach von einem "unglaublichen Schaden für den Sport".

Angesprochen auf das zögerliche Vorgehen der Welt-Anti-Doping-Agentur erklärte Prokop: "Man kann nur von einem Komplettversagen der WADA sprechen. Wenn sich regelwidriges Handeln beweisen lässt, ist die einzige Konsequenz, dass die handelnden Personen ihre Ämter aufgeben."

Mitarbeit: Felix Becker, Florian Riesewieck, Olga Sviridenko

Zu den neuen Erkenntnissen zu Doping und Vertuschung in der internationalen Leichtathletik zeigt die ARD-Sportschau am Sonntag, um 18.00 Uhr im Ersten eine aktuelle Dokumentation

Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte, zum Ausmaß des Doping-Skandals
tagesschau 12:00 Uhr, 25.11.2016

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2016 um 12:00 Uhr und 14:00 Uhr.

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