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Lebensmittel aus Japan sind in deutschen Supermärkten eher selten. Bei Japans Nachbarn ist das anders. Vor allem Thailand und Südkorea importieren tonnenweise Meeresfrüchte, Obst und Gemüse. Aus Angst vor radioaktiver Belastung kontrollieren die Behörden nun schärfer.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien
[Bildunterschrift: Sobald die Ware aus dem Flieger kommt, muss sie zur Lebensmittelkontrolle. ]
Am Fracht-Terminal des Suvarnabhumi-Flughafens in Bangkok wird bei Lebensmittel-Importen aus Japan jetzt gezielt die radioaktive Belastung kontrolliert. Thailand führt unter anderem gefrorenen Fisch und verschiedene Gemüse aus Japan ein. Die Sonderkontrollen würden bis auf Weiteres aufrecht erhalten, sagte Peanruthan Saorummanee von der thailändischen Food and Drug Authority FDA - der Lebensmittelaufsicht: "Wir kontrollieren die Importe aus Japan solange bis wir sicher sind, dass keine Gefahr besteht. Die Sicherheit der Verbraucher hat für uns höchste Priorität."
Lebensmittel aus Japan sind in Thailand sehr beliebt. Die meisten Meeresfrüchte werden in den japanischen Restaurants in Bangkok und den Touristen-Hochburgen verarbeitet. Andere Produkte wie Obst und Gemüse werden auch auf Märkten angeboten.
Die Verbraucher sind äußerst besorgt angesichts der Ereignisse in Fukushima. "Ich gehe jede Woche mindestens einmal in ein japanisches Restaurant. Doch was da gerade passiert, ist sehr beunruhigend. Ich glaube, ich werde eine Pause bei Sushi und Sashimi einlegen", sagt ein Mann. In den Nachrichten habe er gehört, die Japaner benutzten jetzt Meerwasser zur Kühlung der Reaktoren. "Aber im Meerwasser sind doch auch die Fische. Ich habe wirklich Angst vor der Radioaktivität", sagt er.
[Bildunterschrift: An Bangkoks Flughafen finden die Lebensmittelkontrollen statt. ]
Auch in Südkorea, direkt gegenüber der japanischen Hauptinsel Honshu, wächst die Sorge vor den Lebensmittel-Importen aus dem Nachbarland. Mathumoto Hitomi ist Chefin eines japanischen Restaurants in Seoul. Sie überlegt nun, ganz auf japanische Lebensmittel zu verzichten. "Bisher stammen fast alle Zutaten unserer Küche aus Japan. Wir werden wohl bald auf koreanische Produkte umsteigen", sagt sie.
In ihrem Restaurant sitzen einige Kunden. Einer sagt: "Im Moment ist es noch ok. Aber ich glaube, in nächster Zeit sollte man nichts mehr essen, was aus Japan kommt." Ein anderer sieht keinen Grund zur Sorge: "Radioaktive Strahlung verbreitet sich doch über die Luft. Wie soll die denn da in unser Essen kommen?" Und dann fügt er noch hinzu: "Ich habe keine Angst."
In Hong Kong hat in den vergangenen Tagen ein regelrechter Sturm auf japanische Lebensmittel begonnen. Vor einem Geschäft mit Milchpulver aus Japan hat sich eine lange Schlange gebildet. Die Polizei sorgt dafür, dass kein Chaos entsteht. Der Verkauf wurde rationiert. Ein Kunde bekommt höchstens eine Kiste.
Schon bald werde Milchpulver aus Japan nicht mehr genießbar sein, glaubt ein Vater von zwei kleinen Kindern, der gerade eine Kiste mit Milchpulverdosen auf einem Trolley festzurrt: "Das ist die letzte Gelegenheit. Die nächste Lieferung ist bestimmt radioaktiv verseucht. Unser Baby ist zwar an das Milchpulver aus Japan gewöhnt, aber ich möchte das später lieber nicht mehr verwenden."
[Bildunterschrift: Beliebt in Südostasien: die japanische Küche ]
Schwangere Frauen und Babies seien besonders gefährdet, warnt der Vertreter der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Hong Kong, Prentice Koo. "Gerade bei Milchprodukten ist die Gefahr besonders groß. Sie können das radioaktive Element Cäsium enthalten, das eine Halbwertszeit von 100 Jahren hat. Das bedeutet, es strahlt noch in Hunderten von Jahren und stellt eine besondere Gefahr für die Nahrungskette dar."
Hironori Murayama, der Chef eines japanischen Supermarktes in Honk Kong, ist hingegen zuversichtlich, dass die Importe aus Japan sicher sind. Er gehe davon aus, dass nur qualitativ gute Produkte verkauft würden. "Ich habe keine Sorge um die Sicherheit der Lebensmittel. Viel mehr Sorgen mache ich mir um die Auswahl, die immer kleiner wird, und um Verzögerungen bei der Lieferung."
Die philippinischen Behörden sehen angesichts der Ereignisse in Japan offenbar noch keinen Handlungsbedarf. Die Philippinen sind einer der größten Handelspartner Japans in Südostasien. Rund 14 Prozent der Importe stammen aus dem rund 3.000 Kilometer nördlich gelegenen Nachbarland. Für gezielte Kontrollen gebe es noch keinen Anlass, sagt der Leiter der Behörde für Wissenschaft und Technologie, Mario Montejo: "Wir haben noch nicht mit der Überprüfung begonnen. Es ist noch nicht notwendig, Lebensmittel aus Japan gezielt zu untersuchen."
[Bildunterschrift: Demonstranten auf den Philippinen wollen verhindern, dass ein AKW gebaut wird. ]
Die philippinische Bevölkerung sieht das ganz anders. Hunderte Demonstranten mit Atemschutzmasken, Plakaten und Transparenten zogen zum Präsidentenpalast in Manila und forderten ein Umdenken in der Atompolitik. Auch die Philippinen planen den Bau eines Atomkraftwerkes. Das Projekt war schon in den 1970-er Jahren vom damaligen Diktator Ferdinand Marcos ins Leben gerufen worden. Präsidentin Corazon Aquino, die Mutter des jetzigen Präsidenten, stoppte das Vorhaben aber.
Die Demonstranten wollen verhindern, dass der geplante Bau des Atomkraftwerks in der Provinz Bataan nun wieder aufgenommen wird. Chester Amparo ist Teil der Nationalen Demokratie-Bewegung. Man dürfe nicht zulassen, dass Katastrophen wie in Japan auch in seinem Land passiere. "Wir liegen auch auf dem Pazifischen Feuerring. Bei uns gibt es auch Erdbeben. Deshalb darf dieses Atomkraftwerk keinesfalls gebaut werden. Außerdem haben wir Bedenken, ob unsere Regierung in der Lage ist, für ausreichende Sicherheit zu sorgen", sagt er.
Insgesamt aber beobachten alle Länder in Südostasien die Ereignisse in Japan mit großer Aufmerksamkeit. Und das, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offenbar keine Gefahr sieht, dass die radioaktive Strahlung vom Atomkraftwerk Fukushima zu einer ernsthaften Gefahr für die Nachbarstaaten werden könnte.
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