Le Pen mit erhobenen Armen | Bildquelle: dpa

Front National Themen, die bewegen

Stand: 17.12.2016 15:56 Uhr

Die rechte Partei Front National in Frankreich wird nicht nur aus Protest gewählt. Die Themen Immigration und Islamismus bewegen viele. Experten meinen, etablierte Parteien müssten die Inhalte aufgreifen, aber andere Lösungen bieten.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, glaubt eines ganz genau zu wissen: "Ich glaube wirklich, dass das französische Volk Lust hat, den Front National auszuprobieren." Sprich: an die Spitze des Staates zu wählen.

Tatsächlich wollen viele Menschen die rechtsextreme Partei nicht mehr ausschließlich wählen, um den etablierten Regierungsparteien eins auszuwischen. Sie finden das Programm des Front National gut, sagt die Extremismus-Spezialistin Magalie Balent: "Die Themen, die der Front National erfolgreich aufgreift, sind Themen, die die Franzosen beschäftigen." Balent forscht seit Jahren über die rechte Partei. Die Franzosen seien wegen des radikalen Islam und der Immigration besorgt.

Viele junge Männer wählen Front National

Vor allem bei den jungen Wählern zieht der Front National - ein Phänomen, das tatsächlich schon länger existiert, erzählt Bruno Jambart vom Meinungsforschungsinstitut Opionway: "Der Front National hatte schon immer Probleme, ältere Wählerinnen und Wähler anzusprechen."

Bei den jungen müsse man jedoch differenzieren. Jene mit höherer Schulbildung wählen die Partei selten. Bei jungen Menschen, die bereits im Berufsleben stehen, hat der Front National eine hohe Akzeptanz, da sie besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind."

Linke Politiker uneins über Strategie

Die Parteistrategen, vor allem jene aus dem linken Parteien-Spektrum, sind sich nicht ganz einig darüber, wie gegen den Front National vorgegangen werden soll. Man möchte ihm Einhalt gebieten, heißt es immer wieder - nur wie? Zumal immer mehr ursprünglich stramm links wählende Arbeiter plötzlich stramm rechts stimmen.

Laut Meinungsforscher Jambar haben bei den Regionalwahlen vor allem Angestellte für den Front National gestimmt. Außerdem gaben 55 Prozent der Arbeiter dem Front National ihre Stimme.

Gleiche Themen aber andere Lösungen

Der linke Philosoph Michel Onfray zog vor einem Jahr den Zorn der sozialistischen Partei auf sich, weil er Thesen wie diese formulierte: "Ich denke, man muss über die Frage der Einwanderung nachdenken dürfen, obwohl oder auch gerade weil Marine Le Pen darüber nachdenkt."

Und genau so könne man dem Front National den Nährboden entziehen, bestätigt die Wissenschaftlerin Magalie Balent. Allerdings müsse man dabei höllisch aufpassen, nicht zu einer Kopie des Front National zu verkommen und vom Wähler dafür abgestraft zu werden, wie es Nicolas Sarkozy passiert ist. "Man muss schon über die gleichen Themen sprechen - Islam, Immigration, Terrorismus - aber man darf nicht die gleichen Lösungen anbieten", so Balent.

"Ent-Le-Penisierung" macht etablierten Parteien zu schaffen

Noch etwas macht den etablierten Parteien zu schaffen: die „Ent-Le-Penisierung“ des Front National. Marine Le Pen hat das Logo, die Flamme und den Namen Le Pen von den Wahlplakaten entfernen lassen. Damit möchte sie demonstrieren, dass sie das Rassismus- und Antisemitismus-verseuchte Erbe des Vaters überwunden hat.

Die Hardliner der Partei, wie Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen, halten diese Form der Entteufelung im Prinzip für überflüssig. Die Wähler würden die Partei auch so wählen: "Der Name Le Pen und der Name Front National sind eine Stärke, kein Handicap."

Tatsächlich wenig Chancen für Front National

Weil die bürgerliche Rechte den streng konservativen Ex-Premier Francois Fillon zum Kandidaten kürte, ist es für Marine Le Pen jedoch deutlich schwieriger geworden, Wählerschichten anzusprechen, die tendenziell auch Front National wählen könnten.

Es sieht so aus, als hätten die Franzosen für die kommende Präsidentschaftswahl noch nicht wirklich Lust, den Front National tatsächlich auszuprobieren.

Wer wählt denn bloß den FN?
B. Kostolnik, ARD Paris
17.12.2016 14:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2016 um 06:26 Uhr

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