Russlands Außenminister Sergej Lawrow, links, mit dem Außenminister der Türkei, Mevlüt Cavusoglu | Bildquelle: dpa

Naher Osten Russland verschärft den Ton im Syrien-Konflikt

Stand: 28.04.2018 21:07 Uhr

Russlands Außenminister Lawrow hat den USA vorgeworfen, Syrien aufteilen zu wollen. Das sagte er auf einem Treffen mit seinen Kollegen aus der Türkei und dem Iran. Derweil begann US-Außenminister Pompeo eine Nahost-Reise.

Im Syrien-Konflikt wollen Russland, der Iran und die Türkei eine Spaltung des Bürgerkriegslandes verhindern. Die drei Länder seien "aufrichtig daran interessiert, dass Syrien ein Einheitsstaat" bleibe, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinen türkischen und iranischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu und Mohammed Dschawad Sarif in Moskau. Die Aussage bezog sich auf Vorwürfe Russlands gegen die USA, Syrien aufteilen zu wollen. Erklärungen der USA zum Erhalt der territorialen Integrität Syriens seien "nur Worte, die offensichtlich Pläne zur Neuformatierung des Nahen Ostens und der Aufspaltung Syriens in Teile verdecken", so Lawrow.

Russland verschärfte damit den Ton in der Auseinandersetzung über den Syrien-Konflikt und schloss erneut die westlichen Staaten von der Suche nach einer Lösung aus. Lawrow sagte, die von den USA, Großbritannien und Frankreich kürzlich geführten Raketenangriffe auf syrische Ziele hätten die Lage sehr verschärft.

Wichtigste Verbündete

Russland, die Türkei und der Iran bezeichnen sich als Garantiemächte des sogenannten Astana-Prozesses, der die Gewalt in dem Bürgerkriegsland vermindern soll. Lawrow, Cavusoglu und Sarif vereinbarten bei ihrem Treffen, die Bemühungen für bessere humanitäre Hilfe in Syrien zu verstärken. "Wir werden sicherstellen, dass diese Hilfe auf der effektivsten Weise bereitgestellt wird", sagte Lawrow. "Wir werden mit der Regierung, der Opposition und natürlich mit unseren Kollegen bei den Vereinten Nationen, dem Internationalen Roten Kreuz, dem Syrischen Roten Halbmond und anderen internationalen Organisationen zusammenarbeiten."

Internationale Hilfsorganisationen haben der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad wiederholt vorgeworfen, die Lieferung von Hilfsgütern an belagerte Rebellengebiete zu verhindern. Russland und der Iran sind Assads wichtigste Verbündete.

US-Außenminister Mike Pompeo beim NATO-Gipfel in Brüssel | Bildquelle: AP
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US-Außenminister Pompeo in Brüssel. Offenbar will das Außenministerium vermitteln, dass es nach dem Führungswechsel wieder handlungsfähig ist.

Pompeo beginnt Nahost-Reise in Saudi-Arabien

Die USA reagierten zunächst nicht auf die Vorwürfe. Der neue Außenminister, Mike Pompeo, befindet sich zurzeit auf einer dreitägigen Nahost-Reise und traf zum Auftakt in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad ein. Am Flughafen wurde Pompeo von einer großen Delegation empfangen, zu der Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir sowie Chalid bin Salman, ein Bruder des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, zählten.

Pompeo war erst am Donnerstag als Außenminister vereidigt worden. Bereits zwei Stunden später flog er zum NATO-Außenministertreffen nach Brüssel. Von dort trat er dann seine Nahost-Reise an, die ihn in den kommenden Tagen auch nach Israel und Jordanien führen soll.

Bei Pompeos Gesprächen in Riad dürfte die Haltung der USA zum internationalen Atomabkommen mit dem Iran eine wichtige Rolle spielen - genauso wie der Syrien-Konflikt. Mit seinen Auslandsreisen unmittelbar nach Amtsantritt will Pompeo offensichtlich deutlich machen, dass das US-Außenministerium nach dem Führungswechsel wieder handlungsfähig ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2018 um 23:14 Uhr.

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