Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Ein Jugendrichter aus Utrecht hat der Rekordwut der 13-jährigen Laura Dekker einen Riegel vorgeschoben. Sie darf nicht alleine um die Welt segeln. Zudem entzog das Gericht den Eltern das Sorgerecht. Doch im Streit um den umstrittenen Segeltörn ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Von Jürgen Kleikamp, WDR-Hörfunkstudio Den Haag
Für mindestens zwei Monate wird Laura vorläufig mit einem Vormund leben müssen, ihre Eltern auch. Die Richterin begründete den Stopp des Segeltörns damit, dass mit einer zweijährigen Weltumsegelung die Entwicklung eines so jungen Mädchens erheblich gestört werden könnte.
[Bildunterschrift: Nicht alle trauen ihr das gefährliche Projekt zu: Laura Dekker will allein um die Welt segeln. ]
Genauso hatte auch das zuständige Jugendamt argumentiert und zusätzlich auf eine massive Verletzung der Schulpflicht hingewiesen. Dem schloss sich die Richterin nun an und traf damit auch für die Niederlande eine eher ungewöhnliche Entscheidung. Denn auch dort werden Kinder üblicherweise nur dann einem Vormund übergeben, wenn ihnen die Verwahrlosung droht oder sie misshandelt werden. Das ist bei Laura eindeutig nicht der Fall.
Auch an den Segelkünsten der 13-Jährigen, die auf einem Schiff in Neuseeland geboren wurde, zweifelt niemand. Darum ist der Segeltörn vorerst auch nur verschoben. Denn die Richterin betonte ausdrücklich, dass Lauras Eltern ja nicht schlecht seien, weil sie einen solchen Plan unterstützen. So wird den Eltern auch nicht das völlige Bestimmungsrecht über ihre Tochter entzogen. Das letzte Wort hat aber nun ein Vormund.
Das Jugendamt soll nun, so die Richterin, in diesen zwei Monaten auch überprüfen, ob die 13-Jährige nicht doch für einen Segeltörn um die Welt tauglich wäre, physisch und psychisch. Mitte Oktober will die Familienrichterin dann noch einmal entscheiden. Positiv wird das aber wohl nur ausfallen, wenn Lauras Eltern und vor allem auch Laura selbst sich bereit zeigen, den Richterspruch zu akzeptieren. Ohne Wenn und Aber. Sie hatten zuvor damit gedroht, sich aus dem niederländischen Melderegister auszuschreiben und nach Neuseeland auszuwandern. Schließlich besitzt die 13-Jährige auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft.
Aber auch dort ist schon eine ähnliche Entscheidung signalisiert worden. Wenn Laura aber bleibt und mit Verspätung starten würde, könnte sie dann mit 14 Jahren immer noch den Weltrekord des 17-jährigen Briten Mike Perham brechen. Er war nach seiner 157 Tage dauernden Weltumsegelung in Southhampton eingelaufen. Er musste aber unterwegs in einem Sturm Hilfe in Anspruch nehmen. Darum gilt sein Törn auch nur als Weltumsegelung mit Hilfe.
Laura Dekker will es ohne Hilfe schaffen. Und sie hat auch versprochen, wenn sie denn im Oktober doch noch die Leinen los machen darf, unterwegs ihre Schulaufgaben zu erledigen - per Internet und Satellitentelefon.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW