Touristinnen in Las Vegas | Bildquelle: AP

Nach Angriff in Las Vegas Zurück zur Normalität?

Stand: 05.10.2017 09:27 Uhr

In Las Vegas rattern die Spielautomaten weiter - aber so manchen ist nach dem Attentat mit 58 Toten die Lust am Zocken vergangen. Die Waffenmesse für diesen Samstag wurde abgesagt, aber das liberale Waffengesetz verteidigen viele.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington, zzt. Las Vegas

Das Flamingo am Las Vegas Boulevard ist eins der ältesten Casinos am Strip, die schrillen Farben sind inzwischen etwas verblasst. Mary aus Wisconsin sitzt auf einem Barhocker vor einem Spielautomaten, hält ihr Cocktailglas umklammert und drückt mit der anderen Hand monoton auf die großen Tasten, die die Früchte durch ihr Sichtfeld wirbeln. Mary verliert und hat eigentlich auch keine große Lust zu spielen. "Wir waren Sonntag hier, als es passierte. Es ist seitdem alles so ernst in der Stadt. Ich will nur noch nach Hause, zum Glück fahren wir morgen endlich", erzählt sie.

"Wir fühlen uns sicher"

Ein paar Hocker weiter sitzt eine andere Mary, die erst gestern aus Kanada angekommen ist. Sie scherzt fröhlich mit ihren Freundinnen: "Wir haben ein bisschen gezögert, ob wir kommen sollten, aber es war richtig. Hier ist so viel Polizei, wir fühlen uns sehr sicher. Das war eine furchtbare Tat, aber ich habe das Gefühl, dass jeder hier jetzt wieder seinen Geschäften nachgeht."

In der Tat scheint es, als seien alle Polizeiwagen der Stadt an den Strip abgeordnet worden. Touristen machen Selfies mit Polizisten. Ein Officer freut sich, dass viele den Sicherheitskräften ihre Dankbarkeit zeigen - das käme nicht so oft vor. Und Manuel aus München geben die vielen Polizisten auch ein gutes Gefühl: "Ganz normal ist es nicht hier, aber die Stadt macht das gut mit der vielen Polizei. Auch falls es noch Nachahmungstäter geben sollte."

Kein Problem, an Waffen zu kommen 

Nachahmer hätten es in Las Vegas nicht schwer, an Waffen zu kommen. In zweiter, dritter Reihe vom Las Vegas Boulevard, wo die Hotels schäbiger und die Bardamen nackter werden, gibt es ein Dutzend Waffenläden. Jedes zweite Wochenende steigt in Las Vegas in irgendeinem Kongress-Center oder Casino eine "Gun-Show", eine Waffenmesse. Darum hätte sich bislang nicht mal jemand gewundert, wenn Waffen durch eine Hotellobby getragen werden.

Waffengeschäft in Las Vegas | Bildquelle: AFP
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Waffengeschäft in Las Vegas

Die Waffenmesse für diesen Samstag wurde abgesagt. "Kommen Sie einfach zu unserem nächsten Termin", schreibt der Veranstalter auf seiner Webseite. Nevada ist ein "open carry"-State, wo man Waffen offen durch die Gegend tragen kann.

"Die Waffen sind nicht schuld"

Das wollen auch viele von denen weiterhin tun, die vor dem Mandala Bay Hotel stehen, fassungslos auf die vom Attentäter zerstörten Fenster auf der goldenen Fassade gucken und auf die Verkehrsinsel mit Blumen und Kerzen, die an die Opfer vom Sonntag erinnern. "Wir haben selbst Waffen zu Hause. Und wir sind gegen schärfere Waffengesetze. Denn die Waffen sind nicht schuld. Es sind die Menschen, die sie bedienen", meint einer der Menschen.

Genau aus diesem Grund sollte man besser prüfen, wer Waffen in die Hände bekommt, sagt Josh aus Minnesota: "Das hier ist absolut herzzerreißend. Ich war immer gegen Waffen. Ich hatte einen gewalttätigen Vater, der meiner Mutter eine Pistole an den Kopf gehalten hat. Es geht nicht, dass jeder einfach Waffen kaufen kann. Und ich hoffe, dass sich etwas ändert, dass diese Gewalttat hier den Menschen die Augen öffnet."   

Las Vegas | Bildquelle: dpa
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Trauer in Las Vegas

US-Präsident Donald Trump, der am Mittwoch in Las Vegas Opfer, Hinterbliebene und Rettungskräfte besuchte, umschiffte Journalistenfragen zum Thema Waffengesetze. Das Weiße Haus hatte am Morgen verbreitet, auch neue Waffengesetze könnten Verrückte nicht stoppen.

Nach der Bluttat - Zurück zur Normalität in Las Vegas?
Gabi Biesinger, ARD Washington
05.10.2017 08:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Oktober 2017 um 09:08 Uhr.

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