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Internationale Großkonzerne kaufen in Entwicklungsländern im großen Stil Agrarflächen auf - und nehmen so vielen Kleinbauern die Existenzgrundlage. "Land Grabbing" nennt man das, es fördert Hunger und Armut, sagen Entwicklungsorganisationen. Der Welternährungsausschuss berät in Rom neue Leitlinien.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
[Bildunterschrift: Anstehen für Nahrungsmittel in einem Flüchtlingslager in Somalia ]
"Land Grabbing" – das klingt nach Grapschen, nach wegschnappen. Und in der Tat: Die betroffenen Bewohner empfinden es meist als unfreundlichen, wenn nicht gar lebensbedrohlichen Akt, wenn internationale Konzerne oder Investoren im großen Stil Land pachten oder kaufen.
Oft sind die Besitzverhältnisse unklar, sagt Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam. Da bewirtschaften Familien über Generationen ein Stück Land, einen Grundbucheintrag gibt es nicht, und von einem auf den anderen Tag müssen sie weg: "Das sind auch die Fälle, wo häufig ihre Landnutzungsrechte missachtet werden, sie vertrieben werden und dann hinterher ohne Einkommensgrundlage da stehen."
So entsteht Armut, so entsteht Hunger - und das völlig ohne Not, ohne Bürgerkrieg, ohne Missernten. Oxfam hat einen solchen Fall von Landnahme in Uganda dokumentiert, in dem 22.500 Menschen Platz machen mussten für eine großflächige Pinien- und Eukalyptusplantage. Ein britischer Investor machte den Deal mit den ugandischen Behörden, ohne dass die Kleinbauern gefragt, informiert oder entschädigt wurden.
"Prinzipiell kann man nicht private Investitionen in der Landwirtschaft verteufeln", sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner, "sie müssen nur so gestaltet sein, dass die Einwohner davon profitieren. Das ist die Schwierigkeit." Bei der Tagung des Welternährungsausschusses in Rom will die Ministerin sich dafür einsetzen, dass Leitlinien gegen das aggressive "Land Grabbing" verabschiedet werden. "Das wichtigste ist, dass die Regierungen vor Ort ein Bewusstsein dafür haben, dass die Investitionen dafür genutzt werden, die Landwirtschaft vor Ort auch voranzubringen", sagt sie, "dass die Bevölkerung nicht vertrieben wird oder zumindest profitiert."
Hilfsorganisationen wie Oxfam haben herausgefunden: In den seltensten Fällen profitiert die einheimische Bevölkerung von den Investitionen. "Es gibt eben nicht die Schaffung von Arbeitsplätzen, die versprochen wurde, es wird nicht in dem Umfang investiert, wie vorher gesagt wird", sagt Marita Wiggerthale. "Viele leere Versprechen. Land kann günstig gekauft werden ohne eine Gegenleistung zu erbringen."
Vielleicht ein paar Arbeitsplätze, mehr nicht. Wenn überhaupt Lebensmittel angebaut werden, dann für den Export. Länder wie Indien, China und Saudi Arabien haben sich in Afrika Anbauflächen gesichert, um für die nächste Nahrungsmittelkrise gerüstet zu sein. Der Großteil der Ackerflächen wird anderweitig genutzt: Für Holzanbau, Blumenzucht und vor allem Biospritproduktion.
Bei der Tagung in Rom will man sich darauf verständigen, wie bei einem Landverkauf die Rechte der Nutzer und Anwohner geschützt werden. Was genau dann dort angebaut wird, da will sich die Weltgemeinschaft nicht einmischen, auch Deutschland nicht. "Für mich hat immer noch die Nahrungsmittelproduktion Vorrang", sagt Landwirtschaftsministerin Aigner. "Ich kann nur für Deutschland sagen: Das, was wir an Biotreibstoffen einsetzen, muss nachhaltig sein. Wir sind das erste Land, das die Nachhaltigkeitszertifikate eingeführt hat, das ist auch unser Schwerpunkt."
Wieviel Anbaufläche Kleinbauern durch "Land Grabbing" verloren haben, dazu gibt es keine offizielle Statistik. Oxfam schätzt, dass seit 2001 bis zu 227 Millionen Hektar Land verkauft oder verpachtet worden sind. Das entspricht in etwa der Fläche Westeuropas.
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