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53 Menschen sollen gerettet worden sein - doch auf dem gekenterten Flüchtlingsboot waren laut Augenzeugenberichten Hunderte Menschen zusammengepfercht. Daher befürchten Hilfsorganisationen, dass vor Lampedusa mehr als 250 Menschen - darunter Frauen und Kinder - starben.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Es ist eine der schlimmsten Katastrophen seit vielen Jahren. Und inzwischen gibt es genauere Zahlen, die darauf hindeuten, dass das gesunkene Flüchtlingsboot komplett überladen gewesen sein muss. Nach ihrer Landung auf Lampedusa berichteten die Überlebenden der Katastrophe, dass mehr als 350 Menschen an Bord zusammengepfercht waren. Helfer der internationalen Organisation für Migration konnten mit einigen Flüchtlingen sprechen, sie gehen von mehr als 250 Toten aus. Pietro Carosia von der Küstenwache in Lampedusa sagte: "Wir habe die Order zum Auslaufen so gegen 2.00 Uhr nachts bekommen. Etwa gegen 4.15 Uhr haben unsere Boote den Schiffbrüchigen Hilfe geleistet. Das war alles außerhalb unserer Hoheitsgewässer etwa 60 Kilometer vor der Küste. Insgesamt wurden 51 Menschen gerettet."
Zuvor hatten die Flüchtlinge es noch geschafft einen Notruf per Satellitentelefon abzusetzen. Allerdings erschwerten Dunkelheit und schlechtes Wetter die Rettungsarbeiten - im Mittelmeer vor Sizilien ist es sehr stürmisch mit vier bis sechs Meter hohen Wellen. Die Helfer der Küstenwache schafften es zwar, die Unglücksstelle rechtzeitig zu erreichen, aber als sie versuchten, die Bootsflüchtlinge an Bord ihres Schnellbootes zu bringen, schlug das überladene Schiff um. "Wir wissen nicht genau", sagte Pietro Carosia, "was passiert ist, es laufen gerade Untersuchungen, das wichtige ist: Wir konnten 48 Menschen retten."
Das es nicht mehr waren, liegt wohl auch daran, dass die meisten Bootsflüchtlinge aus Afrika nicht schwimmen können, zudem gibt es auf den Booten in der Regel keinerlei Rettungsmittel. Bei Tagesanbruch wurde eine große Such- und Rettungsaktion gestartet, allerdings blieb die ohne Erfolg. Helfer berichteten über Dutzende im Meer treibende Leichen - unter ihnen angeblich auch viele Frauen und Kinder. Michele Prosperi von der Hilfsorganisation "Save the children" berichtete: "In der Gruppe von Überlebenden waren nur zwei Frauen, eine von ihnen hochschwanger, und ein Kind. Die anderen waren erwachsene Männer. Keiner hat gesprochen. Sie waren alle in einem sehr schlechten Zustand und unterkühlt. Es war alles ganz still."
Ein an der Rettungsaktion beteiligter Fischer sagte: "Es war grauenhaft." Es sei stockdunkel gewesen, die Menschen hätten geschrieen, er habe immer nur für Augenblicke Köpfe im Wasser gesehen. Die Insassen des gekenterten Bootes seien in Libyen gestartet. Es habe sich vor allem um Eritreer und Somalier gehandelt, berichten italienische Medien. Kamen in den vergangenen Wochen vor allem Migranten aus Tunesien nach Lampedusa, so steigt jetzt die Zahl der Bootsflüchtlinge aus Libyen an. Allein in der Nacht auf Mittwoch kamen erneut 354 Menschen auf Lampedusa an. Nach den Verlegungen der vergangenen Tage halten sich damit bereits wieder mehr als 1500 Bootsflüchtlinge auf Lampedusa auf.
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