Saudische F-15-Kampfflugzeuge | Bildquelle: AFP

Konflikt mit dem Iran Saudi-Arabiens Spiel mit dem Feuer

Stand: 08.01.2016 16:27 Uhr

Nach der Eskalation des Konflikts mit dem Iran sieht sich Saudi-Arabien in die Enge getrieben. Das Königreich wittert Verschwörung und wehrt sich mit anti-schiitischer Hetze. So wird die Krise in der Region weiter angefacht.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Auf dem Flughafen von Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, treffen Diplomaten des Königreiches mit einer Sondermaschine ein. Sie haben den Iran wie auf der Flucht verlassen, und sie sind erleichtert." Unser Gebäude wurde komplett zerstört", berichtet ein Diplomat der saudi-arabischen Botschaft in Teheran. "Wir haben drei Tage lang Horror erlebt. Gott sei dank sind wir jetzt hier."

Wütender Protest gegen Saudi-Arabien im Iran | Bildquelle: AP
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Wütender Protest gegen Saudi-Arabien im Iran

Wütende Demonstranten hatten diplomatische Vertretungen des Königreiches im Iran gestürmt und verwüstet. Der Anlass dieses Zorns war die Hinrichtung des Predigers Nimr al-Nimr am 2. Januar in Saudi-Arabien. Der schiitische Geistliche und Bürger des Königreiches habe, so steht es in der Urteilsbegründung, Unfrieden geschürt und ausländische Einmischung gefördert. Wenn Saudi-Arabien von Einmischung aus dem Ausland spricht, dann meint es meistens den Iran.

Königshaus fühlt sich umzingelt

"Die Angriffe des Iran auf die arabische Welt sind das Hauptproblem", behauptet ein saudi-arabischer Journalist, der dem Königshaus nahesteht, im Fernsehen. "Der Iran unterstützt militante Gruppen in unseren Ländern. Er tötet unsere Söhne und Familien." Seit längerem schon fühlt sich das Königshaus von schiitischen Gegnern praktisch umzingelt. Und immer wittert es den Iran hinter ihnen - im Jemen und in Bahrain, aber auch in Syrien, Irak und Libanon.

König Salman | Bildquelle: AFP
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König Salman: Iran als Feindbild.

Die arabischen Staaten müssten erkennen, dass sie alle vom Iran bedroht werden, fordert der Journalist. Entweder der Iran siege oder man hindere ihn gemeinsam daran. Die Region erlebe einen historischen Moment. In vielen arabischen Medien läuft die anti-schiitische Hetze auf Hochtouren. Der Konflikt wird immer stärker als religiöser Kampf wahrgenommen - obwohl er doch vor allem ein Kräftemessen zwischen zwei rivalisierenden Regionalmächten ist.

Stellvertreterkrieg im Jemen

Einer der Schauplätze, an denen Saudi-Arabien im Grunde den Iran bekämpft, ist der Jemen. Seit März führt das Königreich hier einen Krieg gegen die Huthi-Rebellen, in denen es Marionetten Teherans sieht. Mit verheerenden Folgen: Knapp 6000 Menschen wurden bislang getötet, die Hälfte von ihnen Zivilisten.

Zerstörte Autos und Häuser nach einem Luftangriff durch Saudi-Arabien | Bildquelle: dpa
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Zerstörte Autos und Häuser im Jemen nach einem Luftangriff durch Saudi-Arabien.

Jüngst bombardierte die Militärkoalition unter saudi-arabischer Führung eine Blindenschule in Sanaa. "Ich bin blind, warum tötest du mich", steht auf einem Plakat eines Jugendlichen bei einem Protest gegen den Angriff. "Das ist ein unverzeihliches Verbrechen", betont der Sprecher des Blindenverbandes. "Wir unterrichten 250 blinde Schüler, 100 von ihnen wohnen sogar in der Schule."

Die Volksgruppe der Huthi, deren Milizen Saudi-Arabien im Jemen bekämpft, ist nur entfernter Verwandter der Schiiten im Iran. Mit ihrer Glaubenspraxis stehen die Huthis den Sunniten im Jemen näher und haben vielerorts mit ihnen sogar in denselben Moscheen gebetet. Ursprünglich richtete sich ihr Widerstand gegen Ausgrenzung und Benachteiligung. Auch wenn sie später den Iran um Hilfe baten, der verlängerte Arm Teherans sind sie nicht.

Ebenso wenig wie der Geistliche Nimr al-Nimr, der hingerichtet wurde. Er war einer der Wortführer von Protesten gegen die Diskriminierung von Schiiten in Saudi-Arabien. Auch in Bahrain demonstrierten Schiiten 2011 vor allem für mehr Bürgerrechte. Ihre Proteste wurden mithilfe Saudi-Arabiens blutig niedergeschlagen. Die schiitischen Widerstandsbewegungen in sunnitischen Ländern mögen dem Iran nutzen. Die Gründe für ihre Entstehung findet man jedoch vor allem innerhalb der jeweiligen Gesellschaften.

Kampf der Konfessionen

In Saudi-Arabien sieht man das offenbar anders, vermutet der ägyptische Politologe Hassan Nafaa. Riad versuche derzeit, die sunnitischen Staaten dazu zu bringen, sich einer angeblich schiitischen Bedrohung durch den Iran entgegenzustellen. Auf diese Weise produziere das Königreich einen Kampf der Konfessionen, der sehr gefährlich sei.

Aber die Herrscher in Riad fühlen sich offenbar auch an anderer Stelle in die Enge getrieben. Sie werden von den Terroristen von Al-Kaida und vom IS bedroht, deren extremistische Ideologie aber gleichzeitig von der wahhabitischen Staatsdoktrin Saudi-Arabiens genährt wird. Niedrige Ölpreise verursachen Milliardendefizite im Haushalt. Wegen fortwährender Menschenrechtsverletzungen erscheinen die Hardliner in Riad dem Ausland immer mehr wie eine Art Taliban, nur mit Öl.

In dieser Situation hat das in Bedrängnis geratene Königreich offenbar die Flucht nach vorn angetreten. Sein aggressives Spiel mit dem Feuer wird zur Gefahr für die Region.

Saudi-arabische Diplomaten verlassen den Iran
J. Stryjak, ARD Kairo
08.01.2016 15:54 Uhr

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