IWF-Chefin Christine Lagarde | Bildquelle: AFP

Internationaler Währungsfond Lagarde kandidiert für zweite Amtszeit

Stand: 22.01.2016 09:57 Uhr

Christine Lagarde kandidiert erneut für den Posten der IWF-Chefin. Dafür wird sie von mehreren Ländern unterstützt, denn sie sei eine "umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin", sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der Bewerbungsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen.

Christine Lagarde will erneut für das Spitzenamt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) kandidieren. "Ja, ich bin Kandidatin für eine zweite Amtszeit", sagte die Französin dem TV-Sender France 2 beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie hat dafür Unterstützung erhalten etwa aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, China und Südkorea.

Finanzminister Wolfgang Schäuble nannte die Französin eine "umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin". In Frankreich habe man großes Vertrauen in die 60-Jährige, sagte Premier Manuel Valls. George Osborne, Finanzminister Großbritanniens lobte Lagarde als "außergewöhnliche Führungspersönlichkeit mit Visionen und Scharfsinn."

Bewerbungsfrist endet im Februar

Interessenten für den Job des IWF-Chefs können sich noch bis zum 10. Februar bewerben. Eine Entscheidung über die Besetzung des Postens fällt die Institution am 3. März. Die erste Amtszeit der Französin Lagarde endet im Juli.

Für den Chefposten beim IWF nominieren einzelne Länder üblicherweise ihren Wunschkandidaten. Erst dann erklärt dieser, ob er überhaupt antreten will. Vor allem Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren zunehmend die informelle Übereinkunft infrage gestellt, derzufolge der IWF von einem Europäer und die Weltbank von einem Amerikaner geleitet wird. Sie wollen stattdessen selbst mehr Mitspracherecht in den beiden Finanzinstitutionen.

Prozess im eigenen Land

In ihrer Heimat Frankreich droht der 60-Jährigen allerdings ein Gerichtsverfahren. Dabei geht es um eine Finanzaffäre zu ihrer Zeit als Wirtschaftsministerin Frankreichs (2007 - 2011). Die Richter werfen ihr vor, dass sie bei der Entscheidung für eine 400-Millionen-Euro-Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie, nachlässig war.

IWF-Chefin Christine Lagarde tritt wieder an - im Schatten der Tapie-Affäre
H.-J. Maurus, ARD Zürich
22.01.2016 15:49 Uhr

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Stichwort: Der Internationale Währungsfonds (IWF)

Der Internationale Währungsfonds (IWF)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde 1944 in Bretton Woods (USA) gegründet. Er überwacht weltweit die Finanzsysteme, um bei Zahlungsbilanzproblemen von Regierungen oder drohendem Staatsbankrott einzugreifen. Seine Kredite sind oft an Auflagen geknüpft: So fordert der IWF häufig die Sanierung der Staatsfinanzen durch Preiserhöhungen und Subventionskürzungen. Der IWF ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Der IWF hat 186 Mitgliedsländer, deren Kapitaleinlagen (Quoten) sich nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft und ihrer Währungsreserven richten. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss. Die USA sind größter Anteilseigner mit rund 17 Prozent, Deutschland hat etwa sechs Prozent.

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