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21.03.2010

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Ausland
Nationale Identität in Frankreich: Flagge auf dem Schuldach
Debatte über nationale Identität in Frankreich

Burka, Baguette und Baskenmütze

Vor allem in den Schulen soll mehr für Frankreich gemacht werden. Fahnen am Nationalfeiertag, ein Staatsbürger-Heft das die Schüler ab der 5. Klasse begleiten soll, ein Tag der nationalen Verteidigung in der Schule soll zu einem Staatsbürgerlichen Ereignis werden und die Einbürgerung soll an weitere Bedingungen geknüpft werden.

Von Christoph Wöß, BR-Hörfunkkorrespondent Paris 

Typisch französisch sahen sie aus: Baskenmützen auf dem Kopf und Baguette unter dem Arm – ein bisschen zu typisch. Ironisch gemeint war die Aufmachung, in der die Aktivisten von "SOS Racisme" am Abend vor dem "Hôtel Matignon" demonstrierten, dem Amtssitz des französischen Premierministers. Seit November hatte das ganze Land hitzig darüber diskutiert, was es bedeutet, ein Franzose zu sein - entsprechend gespannt war man auf die Ausführungen des Regierungschefs. Doch François Fillon sagte ganz banale Sachen.

Trikolore auf jedem Schuldach

Frankreich Fillon Besson  (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Respekt vor den Symbolen der Republik": Frankreichs Premierminister Fillion vor der Trikolore. ]
"Unsere Identität ist ganz eng mit der Republik verbunden", erklärte Fillon, und deshalb dürften die Franzosen auf ihr Land auch stolz sein. "Dieser Stolz wird genährt von der besseren Kenntnis dessen, was uns verbindet und vom Respekt der Symbole der Republik. Auf jedem Schulgebäude wird künftig eine Trikolore aufgepflanzt, und ein Exemplar der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, auf die sich unsere Republik bezieht, wird in jedem Klassenzimmer ausliegen."

Blau-weiß-rote Fahnen auf den Schuldächern und die Erklärung der Französischen Revolution in den Klassenzimmern - viel mehr hatte François Fillon nicht beizutragen zu der Debatte über die nationale Identität, die das Land in den vergangenen Monaten fast entzweit hat. Für die Opposition ist klar: Das Projekt Nationalstolz ist gescheitert.

"Das ist doch eine Beerdigung erster Klasse", meint Sozialistensprecher Benoît Hamon. "Allerdings mit der nötigen Rücksicht auf Herrn Besson, damit er nicht völlig erniedrigt wird." Einwanderungsminister Eric Besson, ein treuer Diener von Nicolas Sarkozy, hatte die Diskussion über das, was echt französisch ist, im Herbst angestoßen, auf Geheiß des Präsidenten.

Rechtsextreme witterten Morgenluft

Im ganzen Land redeten sich die Menschen die Köpfe heiß: Müssen die Lager der Flüchtlinge im nordfranzösischen Calais geräumt werden? Soll eine Frau mit Burka noch mit der Métro fahren dürfen? Ist Frankreich überfremdet, unterwandert von Muslimen? Auf den 350 Veranstaltungen im ganzen Land und in den 55.000 Internet-Beiträgen gab es teils deftige Antworten. Rechtsextreme wie Jean-Marie Le Pen witterten Morgenluft. "Es ist Zeit, die patriotische Revolution zu starten. Es ist Zeit, dass dieses Land zu seinen Ursprüngen zurückkehrt - von denen es durch eine massive Einwanderung abgekommen ist. Es gibt zu viele Einwanderer in unserem Land."

Übers Ziel hinausgeschossen?

Wenn Sarkozy tatsächlich gehofft haben sollte, mit seiner Kampagne Stimmen vom rechten Rand abzufischen, so ist dieser Versuch gründlich misslungen. Mehr als drei Viertel aller Franzosen finden es laut der jüngsten Umfrage gut, in einem Land zu leben, in dem verschiedene Kulturen zusammentreffen. Sogar viele Parteigänger werfen Sarkozy vor, er sei übers Ziel hinausgeschossen. Die Opposition profitiert davon. Einen Monat vor den wichtigen Regionalwahlen liegen Sozialisten und Grüne sieben Prozentpunkte vor der Präsidentenpartei.

Die endgültigen Entscheidungen im Zusammenhang mit der nationalen Identität will Sarkozy denn auch erst im April bekannt geben. Das ist der Monat nach der Wahl.

Stand: 09.02.2010 11:25 Uhr
 

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