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Parteitag in Manchester
Labour auf der Suche nach Kontur
Großbritanniens regierende Konservative stehen in den Umfragen momentan nicht besonders gut da. Eigentlich gute Voraussetzungen für den oppositionellen Labour-Chef Miliband, um auf dem heute beginnenden Parteitag aufzutrumpfen. Doch Labour fehlt es laut Experten an klaren Konturen.
Von Sebastian Hesse, ARD-Hörfunkstudio London
Vor einem Jahr noch musste Labour-Chef Ed Miliband den Parteitagsdelegierten versichern, dass er weder Tony Blair noch Gordon Brown sei, sondern eine eigenständige Persönlichkeit. Heute steht die Oppositionspartei glänzend da: Alle Meinungsumfragen sehen Labour mindestens zehn Prozentpunkte vor den regierenden Konservativen. Patrick Dunleavy, Professor an der renommierten London School of Economics, sieht darin jedoch nur einen Zeitgewinn für Miliband: "Wenn jetzt Wahlen anstehen würden, dann hätte Labour eine komfortable Mehrheit. Auf dem Parteitag werden sie ihm den Rücken stärken."
Parteitag der britischen Labour-Partei in Manchester
S. Hesse, MDR London
30.09.2012 03:06 Uhr
Vertrauen in Wirtschaftskompetenz fehlt
Doch Miliband ist sich der schwachen Flanke seiner Partei bewusst: Die Finanzkrise von 2008 fiel in die letzte Regierungszeit von Labour, und das war einer der Gründe, weshalb sie 2010 abgewählt wurden. "Die Labour-Partei hat in der Wirtschaftspolitik an Vertrauen eingebüßt", räumte Miliband vor einem Jahr ein. Er sei fest entschlossen, dieses Vertrauen wieder herzustellen. Doch das ist im zurückliegenden Jahr zumindest nicht gelungen, attestiert Professor Dunleavy: "Labour hat ja viel zutreffender als die anderen Parteien vorausgesagt, dass Wachstum zunächst einmal ausbleiben wird, ja sogar die Gefahr eines erneuten Abrutschens in die Rezession droht. Und dass es hier einen Zusammenhang gibt mit dem rigiden Sparkurs der Cameron-Regierung."
"Den Aufschwung kaputtsparen" hat Labour das genannt, aber selber keine wirkliche Alternative zu dem Konsolidierungskurs formuliert. "Jetzt lassen sie allmählich blicken, dass sie es auch nicht viel anders machen würden, dass es eben kein Allheilmittel gibt."
Unterschiede zwischen den Parteien sind gering
In der Tat hat Miliband schon letztes Jahr eingeräumt, dass seine Partei die schmerzhaften Kürzungen auch in Regierungsverantwortung nicht rückgängig machen könne. Und noch eine Kröte, die die Delegierten schlucken mussten: Miliband stilisiert Labour längst zur eigentlichen Spar-Partei: "Wenn die Regierung das Haushaltsdefizit bis zu den Wahlen nicht in den Griff kriegt, dann machen wir das nach den Wahlen", sagte er. Die gleiche Politik also, nur energischer? Tony Travers, ebenfalls Ökonom an der London School of Economics, beschreibt das Dilemma: "Heutzutage sind die Unterscheide zwischen den Parteien vergleichsweise gering, weswegen die kleinen Differenzen auch so hochstilisiert werden."
Labours Führungszirkel weiß jedoch, dass die momentane Unzufriedenheit mit Cameron kein Garant für einen dauerhaften Vorsprung ist: In Manchester muss die Oppositionspolitik daher klarere Konturen bekommen.
Stand: 30.09.2012 02:22 Uhr
