Labour-Chef Jeremy Corbyn | Bildquelle: AFP

Abstimmungen bei Labour Siegen wie Corbyn

Stand: 25.01.2018 13:25 Uhr

Inzwischen ist Jeremy Corbyn bei Labour unumstritten - das war mal anders. Aber wichtige parteiinterne Abstimmungen gewann er. Allein hat er es allerdings nicht geschafft.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Heute feiert die linke Jugend Jeremy Corbyn wie einen Fußballstar. Im Jahr 2015 aber, nach der verheerenden Niederlage der Partei bei der Unterhauswahl, war der Hinterbänkler nur das linke Feigenblatt auf der Kandidatenliste für einen neuen Vorsitzenden. Der alte Rebell - nur ein Zählkandidat.

Jeremy Corbyn | Bildquelle: REUTERS
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Jeremy Corbyn wurde im September 2015 zum neuen Vorsitzenden der Labour-Partei gewählt.

Doch dann geschah etwas, was das Parteiestablishment so nicht vorhergesehen hatte. Der 66 Jahre alte Corbyn, mit seinem zauseligen Bart, seinen schlecht sitzenden braunen Anzügen und dem Appeal eines Erdkundelehrers kam irgendwie bei der Basis an - vor allem bei den Jungen. Diese nutzten auch eine neue Regelung, die der erstarrten Partei frisches Leben einhauchen sollte: Jeder, der die Labour-Ziele unterstützte und einmalig drei Pfund - also etwa dreieinhalb Euro -  als registrierter Unterstützer zahlte, durfte auch als Nichtmitglied bei dieser Vorsitzendenwahl mitentscheiden.

Und so konnte der Außenseiter, gewählt von den Mitgliedern und den Unterstützern, schon im ersten Wahlgang das Rennen machen. Das Parteiestablishment und die Unterhausfraktion waren düpiert und überrascht.

Und dann kam Sieg Nummer zwei

Dann, nach dem EU-Referendum im Sommer 2016 und der Entscheidung der Briten für den Austritt, kam der Vorwurf an den langjährigen EU-Skeptiker Corbyn, er habe nur lauwarm gegen den Brexit gekämpft. Die eigene Unterhausfraktion sprach ihm das Misstrauen aus. Der Parteivorsitz wurde erneut zur Wahl ausgeschrieben - aber Corbyn schaffte es ein zweites Mal, die Basis zu mobilisieren. Massenhaft traten erneut junge Leute der Partei bei, und massenhaft ließen sich wieder viele, diesmal für einmalig 25 Pfund, umgerechnet etwa 30 Euro, als wahlberechtigte Unterstützer registrieren.

Corbyn gewann auch diese Wahl, mit einer noch größeren Mehrheit. Ein Jahr später dann sein bisher letzter Triumph: Entgegen allen Umfragen legte Labour bei der vorgezogenen Unterhauswahl im Sommer 2017 unter seiner Führung kräftig zu und kam auf einen Stimmenanteil von 40 Prozent. Die Mitte sei nicht mehr da, wo sie vor 20 oder 30 Jahren gewesen sei, kommentierte Corbyn. "Ein neuer Konsens bildet sich heraus, ausgehend vom Finanzcrash und nach Jahren der Austerität finden die Menschen jetzt wieder eine politische Stimme für ihre politischen Hoffnungen und für etwas Anderes und Besseres."

Debatte im britischen Parlament zwischen Corbyn und May | Bildquelle: AFP
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Vor wenigen Jahren noch galt Corbyn als politischer Kauz - jetzt sitzt er als Labour- und Oppositionschef fest im Sattel.

Von politischer Bewegung unterstützt

Corbyns Position an der Parteispitze ist jetzt unangefochten. Allein hat er das allerdings nicht geschafft: Hinter seinem Erfolg und dem Linksruck seiner Partei steht eine politische Bewegung unter dem Namen Momentum, die das Engagement der jungen Linken in Großbritannien kanalisiert.

Der Anführer dieser straff organisierten linken Bewegung, die immer mehr Einfluss bei Labour gewinnt und die moderaten Kräfte zurückdrängt, ist Jon Lansman, der sich selbst als lebenslangen Labour-Linken bezeichnet und sich nun nach Jahren in der politischen Wildnis wieder im Zentrum der Partei sieht: Momentum habe den jahrzehntelangen Mitgliederschwund in der Partei gestoppt. "Labour verzeichnet jetzt wieder einen rasanten Anstieg und ist mit etwa 600.000 Mitgliedern nun die größte politische Partei Westeuropas. Und in dieser Zahl sind die zahlreichen Unterstützer noch nicht einmal enthalten."

Trotz dieses Erfolgs - Labour ist immer noch Oppositionspartei. Und Tony Blair, der die Partei in der politischen Mitte einst wieder in die Downing Street geführt hatte, ist heute skeptisch, ob Labour es mit diesem klaren Linkskurs jemals wieder in die Regierung schafft.

Labour Party als Vorbild für die Jusos
Jens-Peter Marquardt, ARD London
25.01.2018 16:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Januar 2018 um 05:49 Uhr.

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