Jeremy Corbyn | Bildquelle: REUTERS

Vorwurf an Labour-Chef "Auf Seiten der Antisemiten"

Stand: 26.03.2018 14:48 Uhr

Jüdische Verbände werfen Großbritanniens Labour-Chef Corbyn vor, sich nicht genug von antisemitischen Tendenzen in der Partei zu distanzieren. Der Politiker entschuldigt sich und will das Gespräch suchen.

Die Anführer der jüdischen Gemeinde in Großbritannien haben Labour-Chef Jeremy Corbyn ein Versagen beim Vorgehen gegen Antisemitismus innerhalb seiner Partei vorgeworfen. In einem Brief der wichtigsten jüdischen Vereinigungen im Vereinigten Königreich beklagten sie, dass der Oppositionsführer "immer wieder auf Seiten der Antisemiten und nicht der Juden gestanden" habe. Corbyn gebe sich mit Menschen ab, "die offen antisemitische Ansichten" äußerten.

"Genug ist genug", schrieben die Organisation Board of Deputies of British Jews und der Jewish Leadership Council. Corbyn sei in einer linksradikalen Weltsicht gefangen, die den moderaten jüdischen Gemeinden gegenüber "instinktiv feindlich" gesinnt sei, heißt es weiter.

Debatte über Wandbild

Hintergrund: Im Jahr 2012 entspann sich in Großbritannien eine Debatte über ein Wandbild in London. Das Bild zeigt Banker, die auf dem Rücken von Armen Monopoly spielen. Als das als antisemitisch kritisierte Werk entfernt werden sollte, stellte sich Corbyn auf die Seite des Straßenkünstlers. Dies geht aus einem kürzlich aufgetauchten Facebook-Kommentar des heutigen Labour-Chefs hervor.

Hisbollah hofiert?

Wenn es um ein "schreckliches antisemitisches Wandbild" gehe, stelle sich Corbyn selbstredend auf die Seite des Künstlers, klagten die jüdischen Verbände. Gleichzeitig warfen sie ihm vor, radikalislamische Organisationen wie die libanesische Hisbollah und die palästinensische Hamas zu hofieren.

Corbyn räumte ein, dass antisemitische Tendenzen in Teilen der Labour-Partei aufgetreten seien. "Ich entschuldige mich aufrichtig für den Schmerz, der dadurch verursacht wurde", erklärte er. Er will nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen das Gespräch mit Vertretern der jüdischen Gemeinde suchen.

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