Eine geschlossene Schule Los Angeles | Bildquelle: REUTERS

Schulen in Los Angeles geschlossen Kam die Drohung aus Frankfurt?

Stand: 15.12.2015 21:47 Uhr

Die Droh-E-Mail, die zur Schließung aller Schulen in Los Angeles führte, wurde offenbar über eine IP-Adresse aus Deutschland abgeschickt. Zugleich wurde bekannt, dass in New York eine ganz ähnliche Drohung einging - dort blieben die Schulen aber geöffnet.

Nach der Schließung aller Schulen in Los Angeles wegen einer "glaubhaften Anschlagsdrohung" weist eine Spur nach Deutschland. Die Droh-E-Mail, die zur Schließung geführt hat, sei über eine IP-Adresse in Frankfurt verschickt worden, sagte eine Sprecherin der Schulverwaltung. Ermittler gehen aber davon aus, dass ihre Quelle sehr viel näher liege.

Der Autor der E-Mail habe sich als Dschihadist ausgegeben und mit dem Einsatz von Nervengas gedroht, sagte der kalifornische Parlamentarier Brad Sherman dem US-Sender CNN nach Einsicht des Schreibens. Von 32 Komplizen sei dort die Rede. Sherman zog die Glaubwürdigkeit der E-Mail jedoch in Zweifel. Sie habe Tippfehler enthalten und einen "pornografischen Bezug", den Dschihadisten eher nicht herstellen würden.

New York erhält ebenfalls Drohung

Zudem wurde bekannt, dass der Schulbezirk New York - vor L.A. der größte der USA - eine fast identische Drohung erhalten habe. Sie sei aber als nicht ernstzunehmend eingestuft worden, sagte Polizeichef William Bratton. Seiner Meinung nach hätten die Behörden in Los Angeles mit der Schließung aller Schulen in der Metropole überreagiert. Fehler in dem Schreiben hätten deutlich gemacht, dass es sich um einen schlechten Scherz gehandelt habe. Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sagte: "Es gab nichts Glaubwürdiges an der Drohung. Sie war so verquer."

Die Behörden in Los Angeles verteidigten die Schließung. Polizeichef Charlie Beck sagte: "Es ist im Nachhinein sehr einfach, eine Entscheidung zu kritisieren." Die Kritik basiere auf Ergebnissen, die der Entscheider noch nicht gewusst haben könne. In der Email sei die Rede von einem Angriff mit Sturmgewehren und Sprengstoff gewesen. Ein Sprecher des Weißen Hauses, John Earnest, sagte, er werde die Entscheidungen von Los Angeles und New York nicht im Nachhinein anzweifeln.

Ebenfalls Drohung in New York
G. Schwarte, ARD New York
15.12.2015 19:18 Uhr

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Schließung aller Schulen beschlossen

Am Morgen (Ortszeit) hatten die Polizei und die Schulbehörde in Los Angeles entschieden, aufgrund einer "glaubhaften Bedrohung" sämtliche öffentlichen Schulen und Vorschulen für den Tag zu schließen. Die Schließung gelte "bis wir vollständige Gewissheit haben, dass sie sicher sind", teilte der für Schulen zuständige Polizeichef der US-Westküstenmetropole, Steven Zipperman, mit. Die Behörden rechnen aber damit, dass die Schulen am Mittwoch wieder geöffnet werden können.

Unterstützung vom FBI

Polizisten und FBI-Spezialisten seien angefordert worden, um die Schulen zu überprüfen, sagte Schulbehördenchef Ramon Cortines. Vermutlich noch am Dienstag könnten die Durchsuchungen aller rund 900 Schulen abgeschlossen werden. Die Zeitung "Los Angeles Times" berichtet, die Drohung könnte sich auf Rucksäcke oder zurückgelassene Pakete in den Schulgebäuden beziehen.

640.000 Schüler müssen zu Hause bleiben

Betroffen von der Maßnahme sind rund 640.000 Schüler und Vorschulkinder. Los Angeles ist mit mehr als 900 Schulen der zweitgrößte Schuldistrikt in den Vereinigten Staaten nach New York. Die Polizei war kurz nach 7.00 Uhr Ortszeit vor die Presse getreten, als noch viele Schüler zu Hause waren. Die Eltern, die ihre Kinder schon zur Schule gebracht hatten, wurden kontaktiert, um sie wieder abzuholen.

Ein Sprecher des Schuldistrikts sagte, es gebe regelmäßig Drohanrufe und -mails. Dieser Fall sei jedoch ernster. Zudem reagieren die Behörden im Moment auf solche Drohungen besonders sensibel - vor knapp zwei Wochen hatte ein Ehepaar in San Bernardino bei einer Weihnachtsfeier des Gesundheitsamts 14 Menschen erschossen. Das FBI stuft die Tat inzwischen als islamistischen Terrorakt ein. Auch haben die USA seit den Terroranschlägen von Paris ihre Einreisebestimmungen verschärft.

Schulen in Los Angeles geschlossen
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
15.12.2015 16:57 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Dezember 2015 um 21:20 Uhr.

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