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Serie "Highway to Hell" - Teil 1

Moskaus Highway to Hell

Staus, Raserei, Verkehrschaos - das gibt es mittlerweile überall auf der Welt. Auf einigen Straßen ist es allerdings besonders gefährlich zu fahren. Die ARD-Hörfunkkorrespondenten erzählen in einer Serie vom "Highway to Hell" in ihrem Berichtsgebiet.

Der Kutusowski Prospekt ist eine der größten Ausfallstraßen Moskaus. Fast immer herrscht hier Stau - außer für wenige wichtige Persönlichkeiten: Sie dürfen eine Sonderspur in der Mitte der Straße befahren. Für Präsident Putin wird gar der ganze Highway gesperrt. Doch nun regt sich Protest gegen die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Berufsverkehr.

Von Heide Rasche, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Der Kutusowski Prospekt im morgendlichen Berufsverkehr ist ziemlich laut und anstrengend. Von fließendem Verkehr träumen die meisten Autofahrer hier nur. Der allmorgendliche Stau gehört zum Alltag. Für jeden. Für fast jeden. Rund 900 der geschätzt 13 Millionen Moskauer haben eine Ausnahmegenehmigung. Sie fahren am Stau vorbei.

Fahrzeugkolonne von Wladimir Putin in Moskau
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Für Putin werden ganze Straßen gesperrt.

Ihre Lizenz zum Fahren ist ein Blaulicht auf dem Autodach. Geheimdienst, Innenministerium, Rettungskräfte, hochrangige Beamte und Regierungsmitglieder, sie alle dürfen die Sonderspur in der Mitte der Straße benutzen - und rasen an den Warteschlangen vorbei. Wer im Weg ist, wird im Zweifelsfall auch schon mal unsanft von der Straße abgedrängt. Schuld an dem so entstandenen Blechschaden ist immer der einfache Autofahrer.

Und dann gibt es natürlich noch das Regierungs-Tandem, Putin und Medwedjew. Sehr zum Ärger der anderen Straßenverkehrsteilnehmer wird für diese beiden sogar der komplette Kutusowski Prospekt gesperrt.

Highway to Hell - Der Kutusowski Prospekt
H. Rasche, ARD Moskau
29.07.2012 11:09 Uhr

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Zwei-Klassen-Gesellschaft auf Moskaus Straßen

Die zum Anhalten gezwungenen Fahrer geben ihrem Unmut schon seit Monaten lautstark Ausdruck. Im Präsidentschaftswahlkampf versprach Putin, die Zwei-Klassen-Gesellschaft auf Moskaus Straßen zumindest verträglicher zu regeln. Also, wenn er denn Präsident würde - und das sei ja so gut wie sicher.

Der Kutusowski Prospekt ist zugleich trauriger Unfallschwerpunkt in Moskau.
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Der Kutusowski Prospekt führt entlang vieler Sehenswürdigkeiten.

"Dann kann man das machen, dann sollte man unbedingt die Zahl der Blaulichter reduzieren. Dann werden nur noch die Beamten ein 'Blaulichtauto' bekommen, die unter Personenschutz stehen. Und das ist eine unwesentliche Zahl. Und natürlich der Rettungsdienst, also Polizei, Katastrophenschutz, Notärzte und so weiter. Das wird zu einer deutlichen Reduzierung der Blaulichter führen", versprach Putin.

400 Sonderfahrten pro Stunde

Präsident wurde er wirklich, geändert hat sich bislang allerdings nichts. Ein Moskauer Journalist machte sich die Mühe, einmal morgens eine Stunde lang auf dem Kutusowski Prospekt die Autos mit Blaulicht zu zählen: 400 waren es zwischen neun und zehn Uhr. Dass sie alle auf dem Weg ins Weiße Haus oder in den Kreml waren, bezweifeln viele Moskauer.

Alteingesessene Hauptstädter, wie der 69-Jährige Boris Metrikow, trauern ihrem alten Kutusowski Prospekt nach. Der Rentner kennt die Prachtstraße noch aus den Zeiten, als man als Fußgänger ohne große Gefahr einfach die Straßenseite wechseln konnte.

41 Jahre lebte er hier, wurde groß, gründete selbst eine Familie. Doch dann wurde das Leben an einer der Hauptschlagadern der russischen Metropole immer ungemütlicher: "1998 sind wir in einen anderen Stadtbezirk umgezogen. Ob ich das bedauere, weiß ich nicht so genau. Einerseits ist hier meine 'kleine Heimat'. Zum anderen sehe ich, wie sich das Leben hier ändert. Das ist ein schönes, ein glamouröses Leben. Und doch ist etwas verlorengegangen. Zu meiner Zeit war die Straße gemütlicher, grüner, nicht so befahren wie jetzt und nicht so pompös. Sie war einfacher, gemütlicher."

Trauriger Unfallschwerpunkt Moskaus

Der Kutusowski Prospekt ist eine der größten Ausfallstraßen Moskaus.
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8km lang, acht- bis zehnspurig ausgebaut: Der Kutusowski Prospekt ist eine der größten Ausfallstraßen.

Unfälle, erinnert er sich, gab es zu seinen Zeiten eher selten. Inzwischen gilt der Kutusowski Prospekt als Unfallschwerpunkt. Im vergangenen Jahr kamen allein auf dieser Straße 14 Menschen ums Leben, 96 wurden verletzt. Damit nimmt der Kutusowski Prospekt einen traurigen Spitzenplatz in Moskau ein. Die Polizei führt regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durch. Allerdings nur tagsüber. Nachts nutzen die Schönen und Reichen der Stadt die Regierungsstrecke ungestraft als Rennpiste für ihre Motorräder und Luxuskarossen. Für Fußgänger ist auch um drei Uhr morgens die Unterführung die einzig sichere Möglichkeit, die andere Straßenseite lebend zu erreichen.

Boris Metrikow beobachtet das alles nur mit einem Kopfschütteln. "Die Straße ist schön, sie unterscheidet sich kaum von den Straßen in Europa, in Berlin zum Beispiel. Früher war der Verkehr nicht so lebhaft wie jetzt. Das Rasen der hohen Beamten störte damals nicht so sehr, wie jetzt. Heute ist die Situation anders. Diese vielen Autos machen einen verrückt. Und ich muss sagen, dass ich auch nicht besonders glücklich bin, wenn ich die vorbeifahrenden hochgestellten Persönlichkeiten mit den Blaulichtern sehe", meint der Rentner. "Eines Tages muss das ein Ende haben."

Stand: 29.07.2012 11:59 Uhr

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