Trump-Schwiegersohn Kushner | Bildquelle: REUTERS

Jared Kushner Der mächtigste Schwiegersohn der Welt

Stand: 29.11.2016 03:48 Uhr

Ob bei wichtigen Personalien oder strategischen Fragen - auf niemanden hört Donald Trump so sehr wie auf den Mann seiner Tochter Ivanka: Jared Kushner. Und Trump möchte ihn als persönlichen Vertrauten mit ins Weiße Haus holen, quasi als "graue Eminenz".

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Der 35jährige Jared Kushner ist in vielem das genaue Gegenteil von Donald Trump: Er scheut das Rampenlicht der Öffentlichkeit und zieht lieber die Strippen im Hintergrund. Er kann gut zuhören, ist höflich, stilsicher und gläubiges Mitglied einer orthodoxen jüdischen Gemeinde. Ebenso auffällig sind jedoch die Gemeinsamkeiten: Beide haben die Familien-Unternehmen ihrer Väter zu milliardenschweren Imperien ausgebaut. Und so wie Trump von Queens nach Manhattan strebte, verlagerte auch Kushner die Geschäfte seines Vaters von New Jersey in die Mitte New Yorks.

Kushner - die jüngere Trump-Version?

Beide verfügten bis vor kurzem über keine politischen Erfahrungen. Trump sieht in seinem Schwiegersohn eine "jüngere Version von sich selbst", schrieb die "New York Times". Und in seinen Wahlkampfreden war Trump stets voll des Lobes für Kushner: "Jared ist ein sehr erfolgreicher Immobilien-Unternehmer. Aber ich glaube, dass er die Politik noch mehr mag als das Immobiliengeschäft."

Auch Kushner kennt Tiefpunkte

Ähnlich wie Trump hat auch Kushner Tiefpunkte erlebt: Sein Vater Charles Kushner wurde 2005 wegen illegaler Parteispenden und Korruption zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt, der seinen Vater ins Gefängnis brachte, war pikanterweise Chris Christie, der heutige Gouverneur von New Jersey.

Dass Christie kürzlich aus Trumps Übergangsteam entfernt wurde, interpretieren viele Beobachter als späte Rache von Trumps Schwiegersohn. Kushner selbst äußerte sich dazu nicht öffentlich.

Seit sieben Jahren an Ivankas Seite

Überhaupt gibt es kaum Ton-Dokumente von ihm. In einer Internetbotschaft lobt er die Zielstrebigkeit seiner Frau Ivanka: "Sie schafft es immer, das zu erreichen, was sie sich vorgenommen hat." Seit sieben Jahren ist Kushner mit Ivanka Trump verheiratet. Ihm zuliebe konvertierte sie zum jüdischen Glauben - was Donald Trump stets erwähnte, wenn Kritiker seinem Umfeld antijüdische Tendenzen vorwarfen.

Jared Kushner, Ivanka und Donald Trump | Bildquelle: REUTERS
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Keinen Regierungsposten, aber womöglich wichtige Positionen im Hintergrund könnten Trumps Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner einnehmen.

Als Berater weiter erwünscht

Auch im Weißen Haus will Trump nicht auf den Rat seines Schwiegersohns verzichten. Schon im Wahlkampf war Kushner für wichtige Entscheidungen verantwortlich, wie die Entlassung der beiden erfolglosen Wahlkampfmanager Lewandowski und Manafort. Auch dass sich Trump mittlerweile bei Reden an den Teleprompter hält, gilt als Kushners Verdienst.

Doch einen offiziellen Regierungsposten darf Trumps Schwiegersohn nicht bekommen. Das verbietet das Gesetz gegen Vetternwirtschaft, verabschiedet vom US-Kongress nach dem Tod Robert Kennedys, der Justizminister seines Bruders John F. Kennedy war.

Kushner als Friedensstifter für Nahost?

Aber auch wenn Kushner nur außerhalb des Weißen Hauses als unbezahlter Berater des Präsidenten tätig würde, drohten gravierende Interessenskonflikte, befürchtet der Ethikexperte Kenneth Gross im Sender CNN: "Er wird Informationen über die Maßnahmen der Regierung bekommen. Wenn er dann mit seiner Frau über die Trump-Geschäfte spricht, dann verschmelzen die Interessen der Regierung und die des Trump-Unternehmens miteinander."

Der Schwiegersohn als inoffizielle "graue Eminenz" neben Stabschef Reince Priebus und Chefstratege Stephen Bannon? Kritiker befürchten ein Kompetenz- und Verantwortungs-Chaos im Weißen Haus.

Auch deshalb denkt Trump bereits über Alternativen nach: Er könne sich Kushner auch gut als Gesandten im Nahen Osten vorstellen, sagte Trump kürzlich der "New York Times": "Ich würde es lieben, derjenige zu sein, der Frieden zwischen Israel und den Palästinensern schließt." Denn das habe bisher noch keiner geschafft. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn will Trump es versuchen, getreu dem Motto: think big!

Jared Kushner - Trumps einflussreicher Schwiegersohn
M. Ganslmeier, ARD Washington
29.11.2016 05:37 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 29. November 2016 um 07:16 Uhr auf WDR 5.

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