Irakische Kurden stehen Schlange, um ihre Stimme im Unabhängigkeitsreferendum abzugeben | Bildquelle: AFP

Referendum der Kurden Feststimmung und Säbelrasseln

Stand: 25.09.2017 14:24 Uhr

Für viele irakische Kurden ist der Tag des Unabhängigkeitsreferendums ein Festtag. Für die irakische Zentralregierung und Iraks Nachbarn ist es eine Gefahr für die Stabilität in der Region. Letztere lassen daher die Säbel rasseln.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo, zzt. Erbil

Den ganzen Morgen über hatten die Moderatoren von Rudaw, dem Fernsehsender in Irakisch-Kurdistan, auf diesen Moment hingefiebert - in der ganzen autonomen Region zu Korrespondenten geschaltet, gezeigt, wie viele Menschen schon in Schlangen vor den Wahllokalen warteten, um ihr Kreuzchen zu setzen. Mit "Ja" oder "Nein" zu stimmen - für oder gegen ein unabhängiges Kurdistan.

Um 8.00 Uhr war es dann soweit, die Wahllokale öffneten.

In Erbil, der Regionalhauptstadt von Irakisch-Kurdistan, lief die Abstimmung ruhig an. In einer Mädchenschule, die zum Wahllokal umfunktioniert wurde, sind fast alle Wählerinnen und Wähler herausgeputzt. Manche tragen Schals oder gar Kleider in den Farben der kurdischen Flagge: rot, weiß, grün mit einer Sonne in der Mitte. Für viele ist dieser 25. September ein Festtag.

Referendum nicht bindend

Der nordirakische Kurdenführer Massud Barsani | Bildquelle: AFP
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Der nordirakische Kurdenführer Massud Barsani widersetzte sich den Forderungen der Zentralregierung, das Referendum abzusagen.

"Ich bin sehr, sehr glücklich. Heute beginnt die Unabhängigkeit von Kurdistan. Ja zu einem freien Kurdistan!", sagt ein Wähler. Von Angst ist bei ihm keine Spur: "Nichts wird passieren. Wir werden gewinnen, und - so Gott will - wird Kurdistan unabhängig."

Dass am Ende eine klare Mehrheit der Stimmberechtigten tatsächlich mit "Ja" votiert, daran besteht kein Zweifel. Das Ergebnis des Referendums ist zwar nicht bindend, aber es wird der Führung um Präsident Massud Barsani die Verhandlungen mit den Regierungen des Zentralirak und der Nachbarstaaten erleichtern. Mehr oder weniger gleichklingend erklärten sie, die Führung von Irakisch-Kurdistan gefährde Frieden und Stabilität in der gesamten Region.

Drohgebärden der Nachbarn

Und so ist die Stimmung - obwohl in Erbil noch ruhig - in der Region durchaus angespannt: Sowohl Bagdad, als auch Ankara und Teheran sind gegen die heutige Abstimmung. Der Iran schloss auf Wunsch der irakischen Zentralregierung seine Grenzen zum Nordirak. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte eine Schließung der Grenze an und drohte irakischen Kurden mit einer militärischen Intervention. Beide Staaten starteten bereits Manöver an ihren Grenzen und sperrten ihre Lufträume gen Irakisch-Kurdistan. Säbelrasseln. In beiden Ländern leben ebenfalls große kurdische Minderheiten - und deren Freiheitswillen könnte ein unabhängiges Irakisch-Kurdistan beflügeln.

Kurden stimmen über Unabhängigkeit im Irak ab
tagesschau 20:00 Uhr, 25.09.2017, Alexander Stenzel, ARD Kairo zzt. Erbil

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Angst vor einem weiteren Krieg hat dieser Wähler nicht: "Der Mensch lebt und stirbt nur einmal und uns ist schon alles angetan worden: Der Giftgasangriff auf Halabja, die Anfal-Kampagne - beides von Diktator Saddam Hussein Ende der 1980er-Jahre befohlen, mit mehr als 100.000 Toten in der Folge. Es geht auf oder ab. So ist es."

Irakisch-Kurdistan seit 2003 autonom

Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 hat die Führung von Irakisch-Kurdistan offiziell Autonomiestatus erhalten und vergleichsweise Sicherheit wahren können. Der Zentralirak versank derweil im Chaos - ein wichtiger Grund für die Unabhängigkeitsbestrebungen von Irakisch-Kurdistan jetzt. Ein anderer: Viele Streitpunkte zwischen Erbil und Bagdad wurden nicht geklärt. So beispielsweise die Zugehörigkeit der Stadt Kirkuk - gehört sie zum Zentralirak oder zu Irakisch-Kurdistan? Bis heute hat der Irak zudem kein Öl-Gesetz.

Kurzum: Viele Menschen in Irakisch-Kurdistan sagen 14 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins: Es reicht - "Ja" zur Unabhängigkeit. Die Zentralregierung in Bagdad hält dagegen und erklärte das Referendum für verfassungswidrig. Denn eine Teilung des Irak sieht die Verfassung, der 2005 auch die Menschen in Irakisch-Kurdistan zugestimmt hatten, nicht vor.

Mit dem Endergebnis wird innerhalb von 72 Stunden gerechnet. Dennoch - wegen all der Widerstände und auch weil das Referendum keinen bindenden Charakter hat, dürfte es von der Volksabstimmung sicherlich noch ein weiter Weg sein bis zur Unabhängigkeitserklärung.

Kurden stimmen über Unabhängigkeit im Irak ab
Björn Blaschke, ARD Kairo, zzt. Erbil
25.09.2017 13:36 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 25. September 2017 NDR Info um 11:50 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

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