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Türkei setzt auf heiklen Vermittler
Ankaras Angst vor den Kurden in Syrien
In einigen syrischen Städten sollen Kurden das Kommando übernommen haben. In der Türkei wird das kritisch gesehen. Die Regierung fürchtet, dass die PKK dies nutzt, um von Syrien aus Anschläge zu verüben. Als Vermittler setzt Erdogan auf einen Kurden-Führer aus dem Irak.
Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkkorrespondent Istanbul
Ein Gespenst geht um in der Türkei. Seit Gründung der Republik ist es da und es trägt den Namen kurdischer Separatismus. Mehr als 40.000 Menschenleben hat der Kurdenkonflikt seit Beginn der 1980er-Jahre gefordert. Die Regierung in Ankara fürchtet, dass sich aktuell eine neue Front im Norden Syriens bildet.
Ankaras Angst vor den Kurden in Nordsyrien
R. Baumgarten, ARD Istanbul
01.08.2012 12:09 Uhr
"Terrorstrukturen" an den türkischen Grenzen?
Die Türkei betrachte die kurdische Zivilbevölkerung in Nordsyrien "nicht als Bedrohung oder potenzielle Gefahr", versichert der türkische Außenminister Ahmet Davotoglu. Aber er fügt an: "Wir können nicht zulassen, dass an unseren Grenzen Terrorstrukturen entstehen." Das gelte für PKK-Terroristen, "die unsere kurdischen Mitbürger und die dortigen Bürger instrumentalisieren" ebenso wie für Zweige der Terrorgruppe Al Kaida.
Assad-Regime lässt Kurden gewähren
In einigen nordsyrischen Städten sollen Kurden das Kommando übernommen haben. Das Assad-Regime in Damaskus lässt sie gewähren, um keine weitere Front eröffnen zu müssen und - so glaubt Ankara - um die Türkei unter Druck zu setzen.
Krisensitzung folgt dieser Tage in Ankara auf Krisensitzung. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan schließt eine Intervention in das südliche Nachbarland nicht mehr aus. "Es ist zweifelsohne unser natürliches Recht, in eine Region einzugreifen, in der eine Terrororganisation die Kontrolle übernimmt, die in der Türkei Anschläge verübt und mordet", so der türkische Premier. Seine Regierung ist überzeugt davon, dass die PKK und ihr syrischer Ableger die PYD sich nahe der Grenze einnisten, um Terroranschläge in der Türkei zu verüben.
Animation: Religionsgruppen in Syrien
01.08.2012, Tanja Seibert, ARD-aktuell
Barzani räumt Militär-Ausbildung syrischer Kurden ein
Involviert sind offenbar auch Peschmerga aus dem Nordirak. Der Chef dieser Gruppe irakisch-kurdischer Kämpfer, Masud Barzani, hat eingeräumt, an die 2000 syrische Kurden militärisch ausgebildet zu haben. In Barzani sieht die Türkei nach wie vor einen Mittler."Wir haben mit Herrn Barzani bereits darüber gesprochen", so Erdogan. "Wir haben ihn auf unsere Empfindlichkeiten hingewiesen. Eine solche Formierung im Norden Syriens ist in unseren Augen eine Terrorformation, und das können wir nicht befürworten."
Barzani ist in den vergangenen 20 Jahren vom einflussreichen Stammesführer zum Quasi-Staatschef aufgestiegen. Er versteht es wie kein zweiter, zwischen den Konfliktparteien zu lavieren und dabei immer zuerst an seiner Leute Interessen zu denken.
Auf Barzani zu setzen, kann sich als großer Irrtum erweisen, meint deshalb der bekannte Kolumnist Sedat Ergin. "Es kann nicht sein, dass Ankara nur einen harten Kurs fährt gegen die Kurden in Nord-Syrien und mit militärischer Kraft und Präsenz droht. Das macht die Chance auf einen Dialog kaputt", so Ergin. "Dabei sollte der Dialogkanal frei bleiben. Warum will man denn unbedingt mittels Barzani etwas bewirken? Warum versucht es die Türkei nicht mit direkten Kanälen?", fragt der Kolumnist. Die Zeit dafür ist schon lange reif. Die Politiker sind es offenkundig noch immer nicht.
Stand: 01.08.2012 15:06 Uhr
