Militärübung an der Grenze zwischen der Türkei und Irak | Bildquelle: AP

Türkisch-irakische Übung Martialische Abschreckung

Stand: 26.09.2017 13:59 Uhr

Nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak haben die türkische und die irakische Armee ein gemeinsames Militärmanöver begonnen. Das soll vor allem der Abschreckung dienen.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Auf den blauen Finger sind die Kurden stolz im Nordirak. Jeder, der beim Unabhängigkeitsreferendum abgestimmt hat, muss seinen Finger in Tinte tauchen, damit er nicht zweimal abstimmen kann. Und es laufen viele mit blauem Finger im Nordirak herum. Für die Türkei und den Iran ist das dagegen ein rotes Tuch. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan machte klar, dass er dieses Referendum nicht anerkennen werde. "Es ist nach irakischem Recht illegal und für uns null und nichtig!"

Ein Mann hält seinen Finger, der mit blauer Tinte eingefärbt ist, in die Kamera | Bildquelle: AFP
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Voller Stolz feiern die Kurden ihr Referendum. Doch die Nachbarstaaten reagieren besorgt.

Und er schob noch eine massive Drohung hinterher: "Wir können eines Nachts plötzlich kommen." Das habe die Türkei bereits bei der Operation Euphrat-Schild so gemacht. Und auch im Nordirak, werde man solche Entwicklungen nicht zulassen. "Wenn unser Land bedroht ist, ist jede Option auf dem Tisch", so Erdogan.

Es entstehen neue Allianzen

Bei der Operation Euphrat-Schild bekämpften türkische Soldaten von 2016 bis 2017 die Kurden in Syrien. Denn die Türkei will mit allen Mitteln einen eigenständigen Kurdenstaat verhindern, ob in Syrien oder dem Irak.

Bislang pflegte die Türkei bessere Kontakte zur kurdischen Regionalregierung im Nordirak als zur Zentralregierung in Bagdad. Sie fungierte teilweise sogar als Schutzmacht. Kurdenpräsident Masud Barsani sei undankbar, hört man nun aus der Türkei. Und es entstehen neue Allianzen zwischen Ankara, Bagdad und Teheran. Denn auch der iranische Präsident Hassan Rouhani hatte mehrmals gesagt, er werde keinen geteilten Irak akzeptieren.

Türkisch-irakische Militärübung

Über erste Konsequenzen aus dem Referendum informierte der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi, dass der Iran aufgrund der Bitte der irakischen Regierung die Land- und Luftgrenzen zum Nordirak geschlossen habe. "Wir werden wegen der Partnerschaft und Nachbarschaft die nötigen Mittel ergreifen."

Auch die Türkei reagierte. Sie führt seit einigen Tagen eine Militärübung an der irakischen Grenze durch, seit heute zusammen mit der irakischen Armee. Und türkische Soldaten werden nicht länger kurdische Peschmerga-Kämpfer im Nordirak im Kampf gegen den IS ausbilden. Außerdem droht Erdogan damit, die Grenze zu schließen und eine Ölpipeline aus dem Nordirak in die Türkei zu kappen, um die kurdische Regierung wirtschaftlich zu treffen.

Deniz Zeyrek, Politikjournalist von der Zeitung "Hüriyet", sieht das kritisch: "Gesetzt den Fall, wir würden den Ölhahn zudrehen: Wir dürfen nicht vergessen, dass die kurdische Führung in Nordirak nur 18 Prozent der Öl-Einnahmen von Kirkuk und Mossul kriegt. Dreht man den Hahn zu, bestraft man nicht nur Barsani, sondern man dreht auch Bagdad den Hahn ab", mahnt er.

Mehrheit wohl für Unabhängigkeit

Mehrere Millionen Menschen im Nordirak waren zu der Abstimmung aufgerufen. Zur Wahlbeteiligung gibt es schwankende Zahlen. Aber es haben viele mitgemacht, sehr viele. Die Mehrheit hat wohl für die Unabhängigkeit gestimmt, davon ist auszugehen.

Iran und Türkei reagieren auf Kurden-Referendum
Karin Senz, ARD Kairo
26.09.2017 12:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2017 um 14:00 Uhr.

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