Irakische Kurden auf einer Kundgebung für ein Unabhängigkeitsreferendum | Bildquelle: AFP

Kurden wollen Unabhängigkeit vom Irak "Wir lehnen es ab, ihre Diener zu sein"

Stand: 16.09.2017 11:06 Uhr

Die USA warnen, die irakische Regierung ist strikt dagegen - trotz internationaler Kritik wollen sich die Kurden im Irak von Zentralstaat loslösen. Das kurdische Parlament machte den Weg für ein Unabhängigkeitsreferendum frei.

In der autonomen Kurdenregion im Nordirak soll am am 25. September in einem Referendum über die Unabhängigkeit vom Irak abgestimmt werden. Das Parlament stimmte mit großer Mehrheit für die Volksabstimmung, die zur Errichtung eines eigenen Kurdenstaates führen soll.

Laut Vizeparlamentspräsident Dschaafar Aimenky votierten 65 der anwesenden 68 Abgeordneten am Freitag für das Vorhaben. Die Opposition boykottierte die Abstimmung. Mit der Entscheidung für das Referendum setzten sich die Abgeordneten über Kritik aus Washington und Bagdad sowie aus den Nachbarländern Türkei und Iran hinweg.

Der Präsident der kurdischen Autonomiegebiete, Massud Barsani. | Bildquelle: REUTERS
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Der Präsident der kurdischen Autonomiegebiete, Massud Barsani.

Eine Verschiebung auf ein späteres Datum schloss Kurdenpräsident Massud Barsani bereits aus. "Bis zu diesem Tag haben wir keine Alternative erhalten, die das Referendum ersetzen könnte. Also wird es wie geplant stattfinden", sagt Barsani auf einer Kundgebung in Amedi, nahe der Grenze zur Türkei.

"Provokant und destabilisierend"

Das Referendum stößt nicht nur auf starken Widerstand der irakischen Zentralregierung in Bagdad, sondern auch anderer Länder. Washington forderte die Kurden auf, das Referendum abzusagen und stattdessen einen "ernsthaften und nachhaltigen Dialog" mit Bagdad zu führen. Die Pläne der Kurden seien "provokant und destabilisierend".

Die US-Regierung habe der kurdischen Regionalregierung mehrfach erklärt, dass ein Referendum "von den Bemühungen zur Zerschlagung der Terrormiliz 'Islamischer Staat' und zur Stabilisierung der befreiten Gebiete ablenkt", so das Weiße Haus.

Die Türkei hatte am Donnerstag erklärt, wenn die Kurden ihre Pläne weiter vorantrieben, werde das seinen Preis haben.

Bürgerkrieg zwischen Kurden und Arabern?

Im Irak warnte ein Anführer der mächtigen Schiiten-Milizen vor einem Bürgerkrieg zwischen Kurden und Arabern. Großes Konfliktpotenzial hat der Streit zwischen Iraks Kurden und Arabern um die ölreiche Provinz Kirkuk. Sie untersteht der Zentralregierung in Bagdad, wird aber auch von der Kurdenregion beansprucht. Neben Kurden wohnen dort auch große arabische Bevölkerungsgruppen. Die Regionalbehörden in Kirkuk wollen sich an dem Referendum beteiligen.

Iraks Parlament hatte sich bereits am Dienstag gegen das Referendum ausgesprochen. Kurdenpräsident Barsani warf der Zentralregierung wiederum vor, die "Partnerschaft" mit Kurdistan zerstört zu haben. "Wir lehnen es ab, ihre Diener zu sein", sagte er vor jubelnden Unterstützern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. September 2017 um 09:00 Uhr.

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