Kurdische Delegierte bei einer Konferenz in Rumeilan | Bildquelle: REUTERS

Kurdische Selbstverwaltung in Syrien Autonomie, aber keine Abspaltung

Stand: 18.03.2016 08:32 Uhr

Die syrischen Kurden haben auf die Kritik an der Ausrufung eines Autonomiegebietes im Norden des Landes reagiert. Die Region sei weiter Teil Syriens, versicherten Kurdenvertreter. Die USA ebenso wie Russland, das Assad-Regime und auch syrische Oppositionsparteien lehnen das Vorhaben ab.

Die Ausrufung einer autonomen kurdischen Region "Rojava" im Norden Syriens ist auf breite Ablehnung gestoßen. Die USA, die die Kurden in Syrien militärisch unterstützen, wollen selbstregierte Zonen innerhalb Syriens nicht anerkennen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington beharrte auf dem Ziel eines vereinten Syriens.

Russland kritisierte das Vorgehen der syrischen Kurden ebenso. "Solche Fragen lassen sich nicht einseitig klären", sagte der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow. Dies müsse in Verhandlungen entschieden werden.

Syriens Regierung wies die Ausrufung einer autonomen Region als "wertlos" zurück. Die Erklärung werde "keine rechtlichen, politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Auswirkungen" haben. Die syrische Opposition erklärte, über die zukünftige Gestalt Syriens werde allein bei den Genfer Friedensgesprächen verhandelt.

Teilung Syriens kein Thema bei Friedensgesprächen

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura hatte für die Gespräche in Genf die Devise ausgegeben, dass ein föderales System diskutiert werden könne. Eine Teilung Syriens werde aber von allen Gesprächsparteien abgelehnt, betonte er.

Vor diesem Hintergrund stellten die Kurden klar, dass sie die in Nordsyrien ausgerufene autonome Region als Teil des Landes sehen. Das "föderale System" könne ein Modell sein, um die Krise in Syrien zu lösen, hieß es in der Abschlusserklärung einer Konferenz mit rund 200 Vertretern verschiedener Gruppen in der Stadt Rumeilan.

Türkei fürchtet Folgen für eigenes Land

Maßgebliche Kraft in der Region ist die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD), Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Miliz der PYD ist ein Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat"(IS).

Die Türkei hatte wiederholt gedroht, dass sie einen Kurdenstaat in Nordsyrien nicht dulden werde. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in dieser Woche gesagt, die Mitglieder der PYD seien Terroristen mit "sehr wenig" Unterstützung unter den syrischen Kurden. Die Regierung in Ankara befürchtet Auswirkungen einer kurdischen Selbstverwaltung in Nordsyrien auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land.

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