Bluttat im afghanischen Kundus Ex-Bundeswehr-Mitarbeiter ermordet

Stand: 02.10.2015 15:12 Uhr

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Bundeswehr ist nach ARD-Informationen im afghanischen Kundus entführt und ermordet worden. Er war einer von 180 Afghanen, die nach dem Abzug der Bundeswehr nach Deutschland ausreisen dürfen sollten.

Von Jürgen Webermann und Gabor Halasz, ARD-Studio Südasien

Eine Bundeswehrpatrouille nahe Kundus | Bildquelle: dpa
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Bei ihren Einsätzen werden die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan von Einheimischen unterstützt, unter anderem durch Dolmetscher.

Der junge Mann war offenbar zuvor entführt worden. Die Polizei in Kundus bestätigte dem ARD-Studio Südasien, dass er anschließend ermordet wurde. "Man hat ihn aus dem Haus geholt und dann umgebracht", so ein Sprecher der Polizei. Der Leichnam wurde mitten in Kundus-Stadt aufgefunden. Offenbar hatten die Täter den Mann erwürgt.

Wer hinter der Tat steckt, ist bislang unklar. Die Taliban wollten sich bislang nicht konkret äußern. Ein Sprecher sagte nur, all diejenigen, die mit den internationalen Truppen zusammengearbeitet hätten, sollten getötet werden. Der junge Afghane hatte den Recherchen zufolge auch an Einsätzen der Bundeswehr mit afghanischen Einheiten als Übersetzer teilgenommen.

Familienangehörige sagten dem ARD-Studio Südasien, er habe keinen Streit mit anderen Afghanen in Kundus gehabt. Allerdings sei er mehrfach von Taliban bedroht worden. Die Bundesregierung hatte das Mordopfer lange nur als latent gefährdet eingestuft, trotz der angeblichen Drohbriefe und Drohanrufe der Taliban.

Ermordeter auf Ausreiseliste der Bundesregierung

Bundeswehrabzug Afghanistan | Bildquelle: Reuters
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Bundeswehrsoldaten im September 2013 in der Nähe von Kundus

Erst Ende Oktober änderte die Bundesregierung ihre Politik und bot mehr als 180 ehemaligen Bundeswehr-Mitarbeitern an, nach Deutschland auszureisen. Auch der junge Mann aus Kundus stand offenbar auf dieser Liste. Wie die anderen ehemaligen Mitarbeiter wurde er ins Hauptquartier der Bundeswehr nach Masar-i-Scharif eingeladen. Seitdem aber warten die meist jungen Afghanen auf weitere Schritte.

Laut Außenministerium in Berlin erstellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge derzeit so genannte Aufnahmebescheide. Erst wenn diese vorlägen, würden die ehemaligen Bundeswehr-Mitarbeiter in die deutsche Botschaft geladen, um dort einen Visumsantrag zu stellen. Angaben zum zeitlichen Ablauf machte das Auswärtige Amt nicht.

Ein weiterer früherer Dolmetscher, der mit dem Mordopfer befreundet war, erklärte dem ARD-Studio Südasien, er sei entsetzt und habe jetzt noch mehr Angst als ohnehin schon: "Wenn uns die deutsche Regierung nicht bald in Sicherheit bringt, dann werden wir hier alle umgebracht, einer nach dem anderen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. November 2013 um 12:00 Uhr.

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