Screenshot vom Twitteraccount MSF zeigt das Krankenhaus

Afghanistan Zerstörte Klinik wiedereröffnet

Stand: 22.07.2017 14:57 Uhr

Am Standort des 2015 durch einen US-Bombenangriff zerstörten Traumazentrums in Kundus eröffnet eine neue kleine Klinik. Dies sei "ein erster Schritt", so Ärzte ohne Grenzen - man hoffe, dort wieder ein Zentrum für Schwerverletzte zu eröffnen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat im nordafghanischen Kundus ein bei einem US-Luftangriff vor knapp zwei Jahren zerstörtes Krankenhaus wieder eröffnet. Wie die Organisation mitteilte, arbeiten in der Einrichtung an einem neuen Standort ein Arzt und fünf Krankenschwestern. Behandelt werden sollen Patienten mit kleineren oder chronischen Wunden.

Die neue Einrichtung sei kein Ersatz für das zerstörte Traumazentrum, betonte die MSF-Programmleiterin für Afghanistan, Silvia Dallatomasina. Die Wiedereröffnung sei beschlossen worden, weil es dringenden Bedarf gebe. "Diese Klinik ist der erste Schritt", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Ärzte ohne Grenzen hoffe, im kommenden Jahr die Arbeit an einem neuen Traumazentrum in Kundus aufnehmen zu können.

Fehlgeleiteter US-Angriff tötete 42 Menschen

Bei dem Angriff Anfang Oktober 2015 waren 42 Menschen getötet worden, darunter 24 Patienten und 14 MSF-Mitarbeiter. In einem US-Untersuchungsbericht zu dem Vorfall wird in erster Linie "menschliches Versagen" als Grund angegeben. Eigentlich hätte ein hunderte Meter entferntes Gebäude bombardiert werden sollen, in dem verfeindete Kämpfer vermutet wurden. Ärzte ohne Grenzen sprach stattdessen von einem Kriegsverbrechen.

16 Polizisten getötet

Unterdessen wurde ein weiterer fehlgeleiteter US-Luftangriff bekannt: Laut einer Pressemitteilung der US-Streitkräfte hatte die Luftwaffe gestern eine Operation afghanischer Sicherheitskräfte unterstützt. "Wir haben ein Haus beschossen, in dem sich - wie wir glaubten - feindliche Kräfte befanden. Aber es hat sich herausgestellt, dass es lokale Sicherheitskräfte waren", sagte der Sprecher der US-Streitkräfte, Bill Salvin.

Nach Angaben der Behörden kamen dabei 16 Polizisten ums Leben. Die NATO bestätigte die Angaben zu dem US-Luftangriff und sprach von einem "bedauerlichen Vorfall".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2017 um 15:00 Uhr.

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