Bombardierte Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" in Kundus | Bildquelle: dpa

Luftangriff auf Krankenhaus in Kundus USA untersuchen "tragischen Vorfall"

Stand: 04.10.2015 18:34 Uhr

US-Präsident Obama hat den Angehörigen der Opfer des Luftangriffs auf eine Klinik in Kundus sein Beileid ausgesprochen. Er sprach von einem "tragischen Vorfall". Bei der Bombardierung waren 22 Menschen getötet worden. Ärzte ohne Grenzen kündigte den Rückzug aus Kundus an.

Nach der Bombardierung einer Klinik in Kundus hat US-Präsident Barack Obama den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid ausgesprochen. Er sprach wie auch US-Verteidigungsminister Ashton Carter von einem "tragischen Vorfall".

Bei dem Versuch, die afghanische Stadt Kundus von den Taliban zurückzuerobern, hatten US-Militärflugzeuge offenbar ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières, MSF) getroffen und dabei mindestens 22 Menschen getötet. Dabei handelt es sich um zwölf MSF-Mitarbeiter und sieben Patienten. 37 Menschen wurden nach Angaben von MSF verletzt. Ob der Bombenangriff auf das Krankenhaus ein Versehen war oder nicht, ist noch unklar.

Gabor Halasz, ARD Neu Delhi, zzt. Bgan, zum Luftangriff auf Klinik in Kundus
04.10.2015

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Untersuchung soll Klarheit bringen

US-Verteidigungsminister Carter erklärte, zum Zeitpunkt des Beschusses hätten US-Kräfte und Taliban-Kämpfer in der Nähe operiert. Eine volle Untersuchung des Unglücks sei in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange. Er wolle allen Betroffenen sagen, dass er ihnen seine Gedanken und Gebete widme, so Carter.

"Wir werden die Ergebnisse dieser Ermittlung abwarten, ehe wir die Umstände dieser Tragödie abschließend beurteilen", hieß es in der Erklärung Obamas.

The White House @WhiteHouse
President Obama's statement on the casualties in Kunduz: http://t.co/EwgNap77O2

Der Sprecher der NATO-Mission in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte: "Die US-Streitkräfte haben am 3. Oktober um 2.15 Uhr Ortszeit einen Luftangriff nahe der Einrichtung durchgeführt, wo einzelne Personen die Truppen bedrohten." Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Brian Tribus, räumte ein, dabei könnte versehentlich eine nahe gelegene medizinische Einrichtung getroffen worden sein.

Angeblich Taliban in Klinik

Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, bewaffnete Taliban hätten das Klinikgelände betreten und die Gebäude und die Menschen im Innern als Schutzschild benutzt, während sie auf Sicherheitskräfte gefeuert hätten. Der stellvertretende Ministeriumssprecher Dawlat Wasiri sagte der Nachrichtenagentur AP, Kampfhubschrauber hätten auf die Kämpfer geschossen und Schäden an der Klinik verursacht. Innenministeriumssprecher Sedik Sedikki sagte, zum Zeitpunkt des Angriffs hätten sich in der Klinik zehn bis 15 Islamisten versteckt. Es seien alle Terroristen getötet worden, aber man habe auch Ärzte verloren, so Sedikki weiter.

Die Taliban erklärten, in dem Gebäude seien zum Zeitpunkt des Angriffs keine ihrer Kämpfer gewesen. Ein Sprecher der Islamisten machte den afghanischen Geheimdienst für Falschinformationen verantwortlich, die zum Bombardement der Klinik geführt hätten.

"Schwerer Verstoß gegen Humanitäres Völkerrecht"

Ärzte ohne Grenzen kündigte inzwischen an, sich nach dem Bombardement auf ihre Klinik aus der umkämpften nordafghanischen Stadt zurückzuziehen. Dies teilte Sprecherin Kate Stegeman mit.

Bombardierte Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" in Kundus | Bildquelle: dpa
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Nach dem Luftangriff stand die Klinik in Flammen.

Die Hilfsorganisation verurteilte den Angriff als "schweren Verstoß gegen Humanitäres Völkerrecht" und forderte eine unabhängige Untersuchung. Den Angaben zufolge wurden allen Konfliktparteien die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen vorsorglich mehrfach übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des nächtlichen Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert. Das Bombardement habe dennoch mehr als 30 Minuten gedauert.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, nannte den Zwischenfall "tragisch, unentschuldbar und womöglich sogar kriminell". Sollte eine Untersuchung ergeben, dass das Krankenhaus absichtlich ins Visier genommen wurde, könnte der Vorfall sogar ein Kriegsverbrechen darstellen.

Stefan Niemann, ARD Washington, zu den Reaktionen in Washington
tagesthemen 23:14 Uhr, 03.10.2015

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