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Kuba und die Raketenkrise
Castro empfahl den atomaren Erstschlag
Am 14. Oktober 1962 machten US-Aufklärungsflugzeuge die ersten Bilder von sowjetischen Raketenabschussrampen in Kuba. Revolutionsführer Castro empfahl Moskau den atomaren Erstschlag für den Fall eines US-Angriffs auf die Insel.
Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko-Stadt
Kuba vor 50 Jahren: Die ganze Welt schaut auf die Insel. Denn im Oktober 1962 ergibt die Auswertung US-amerikanischer Luftaufnahmen: Die Sowjetunion ist dabei, Mittelstrecken-Raketen in Kuba zu stationieren - etwa 100 Meilen entfernt von der US-Küste.
Fidel Castro und seine Revolutionäre hatten erst knapp vier Jahre zuvor in Kuba die Macht übernommen: "Der Feind versucht uns zu quälen. Aber vier Jahre dieser Bedrängnis haben uns diszipliniert und organisiert. Sie haben aus uns ein heldenhaftes Volk gemacht."
Kuba - 50 Jahre Raketenkrise
M. Polansky, ARD- Hörfunkstudio Mexiko-Stadt
13.10.2012 10:47 Uhr
Die US-Regierung sah in den Revolutionären um Castro und Che Guevara von Anfang eine Gefahr: ein linker Umsturz im eigenen Einflussbereich, unberechenbar für die weitere Entwicklung in Lateinamerika. Anfang 1961 dann die gescheiterte Landung in der Schweinebuch. Kubanische Söldner aus dem Exil sollten mit Hilfe der CIA die Macht auf der Insel zurückerobern.
Castro will Russland an Kuba binden
Die Revolutionäre waren gewarnt - und Castro griff den sowjetischen Vorschlag zur Raketenstationierung dankbar auf, so der Historiker Bernd Greiner: "Er wollte die Sowjetunion in eine Position bringen, wo sie in Kuba soviel symbolisches Kapital investiert, dass sie nicht mehr daraus zurückkann. Dass sie auf Dauer ein verlässlicher Bündnispartner bleiben. Denn auch das wusste Castro: Die Amerikaner sind bereit mit allen möglichen Mitteln, einen Regimewechsel auf Kuba herbeizuführen."
Der sowjetische KP-Chef Nikita Chruschtschow hatte geglaubt, die Raketen heimlich stationieren zu können, um die USA damit vor vollendete Tatsachen zu stellen. Aber als das Ganze aufflog, verlangte US-Präsident John F. Kennedy unmissverständlich einen Abzug der Raketen und verhängte eine Blockade Kubas, um die Anlieferung weiterer Teile zu unterbinden. Die Welt 13 Tage lang am Rande eines Atomkrieges.
Der Máximo Lider empfiehlt den Erstschlag
Kennedy droht, Chruschtschow reagiert überrascht und verunsichert, Revolutionär Castro bereitet sich auf einen US-Angriff vor. Generalmobilmachung, die Insel wird zur Festung. In einem langen Schreiben an den sowjetischen KP-Chef empfiehlt Castro schließlich den nuklearen Erstschlag, falls die USA Kuba angreifen sollten.
Jahrzehnte später, 1998, beschreibt Fidel Castro die Ereignisse damals so: "Ich war absolut überzeugt davon, dass sich der Krieg unausweichlich zu einem nuklearen entwickeln würde. In dieser Situation durfte man es nicht dem Gegner überlassen, über den Zeitpunkt des Erstschlages zu entscheiden. Denn das hätte dem Gegner einen wichtigen Vorteil verschafft."
Chruschtschow knickt ein
Chruschtschow soll das Schreiben mit Entsetzen zur Kenntnis genommen haben. Und er lenkte ein gegenüber Washington. Abzug der Raketen - für die einfache mündliche Zusage, dass die USA zukünftig Kuba nicht angreifen würden. Dazu sagt Fidel Castro 1998: "Das war wirklich ein beschämendes Abkommen. Man hätte für den Abzug mehr rausschlagen müssen. Ein klares Wort zu den Garantien für Kuba - und das Abkommen wäre ehrenhaft gewesen. Dass sich die Krise so entwickelt hat, ist die Schuld Chruschtschows."
2010 äußerte sich Castro in einem Interview noch einmal zur Raketen-Krise und dem damals drohenden Atomkrieg. Deutlich milder, altersmilder vielleicht. Nach allem was er inzwischen wisse und erlebt habe, komme er zu dem Schluss, dass es das alles nicht wert war. Trotzdem: Nicht nur die USA konnten sich 1962 als Sieger fühlen. Letztlich hat auch Kubas Führung von der Krise profitiert. Denn bis zum Ende des Kalten Krieges stand die Insel unter dem Schutz der Sowjetunion. Und Fidel Castro hatte endgültig seine Rolle gefunden: die des Revolutionärs aus dem kleinen Kuba, der den großen USA die Stirn bietet.
Stand: 14.10.2012 01:53 Uhr
